Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Georg1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Die Ortschaft Badbergen im ehemaligen Hasegau wird anlässlich der Stiftung des Benediktinerinnenklosters Essen durch den Gf. Simon von Tecklenburg 1175 (Bestätigungsurkunde von 11862) erstmals urkundlich erwähnt (Padberge), doch sind die dem Ksp. zugehörigen Bauerschaften Wehdel, Bergfeld, Lechterke bereits in einer Urkunde Ks. Ottos I. von 977 nachweisbar.3 Badbergen gehörte zum Artland, das schon früh der weltlichen Herrschaft der Bf. von Osnabrück unterstand. Es war Sitz eines eigenen Gerichts, das 1486 mit Quakenbrück vereinigt wurde (Amt Quakenbrück, ab1859 Amt Bersenbrück).

Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirche, Ansicht von Südwesten

Durch bodenkundliche und bauarchäologische Untersuchungen konnte als erster Kirchenbau eine Pfostenkirche aus der Zeit um 900 nachgewiesen werden. Vermutlich handelt es sich um eine bischöfliche Gründung. Als Bf. Adolf von Tecklenburg 1221 die Osnabrücker Domkantorei einrichtete und ihr das Ksp. Ankum als Archidiakonatsbezirk zuwies, unterstand Badbergen noch der Pfarrkirche zu Ankum.4 Die Verselbständigung wurde wohl 1222/24 vollzogen. Auf der Hilligen Hall am Helweg soll zudem eine Kapelle bestanden haben, die vielleicht an die Stelle eines vorchristlichen Heiligtums getreten war. Bis 1719/20 führten die kath. Einwohner Prozessionen dorthin durch.
1235 stiftete Bf. Konrad I. für die geistliche Versorgung seiner Burg Quakenbrück, die er kurz zuvor zum Schutz des Stiftsterritoriums gegen Übergriffe der Gf. von Tecklenburg hatte anlegen lassen, das Chorherrenstift (Kollegiatstift) St. Sylvester und überwies ihm als finanzielle Ausstattung u. a. die Pfarreinkünfte von Badbergen.5 Wegen der weiter unsicheren militärischen Lage und der anfangs noch unzulänglichen Lebensverhältnisse in Quakenbrück nahm das Kapitel seinen Sitz zunächst in Badbergen, ehe es zwischen 1251 und 1257 nach Quakenbrück übersiedelte. 1275 wurde das Stift nach Bramsche verlegt, 1489 kehrte es nach Quakenbrück zurück. Die Beziehungen zur Pfarre in Badbergen blieben auch während dieser Zeit bestehen. Zur Verbesserung des Einkommens wurden 1381 die Pfarrkirchen zu B. und Quakenbrück erneut dem Sylvesterstift inkorporiert (Bestätigung durch den Kardinallegaten Pileus de Prata 13. November 1381)6 und die Pfarrstellen seither den Bramscher Stiftsherren vorbehalten. Nach der Rückverlegung des Stifts nach Quakenbrück 1489 wurden die Pfarrkirchen in Badbergen und Bramsche mit der in Quakenbrück vereinigt.
Die Einführung der Reformation erfolgte in den letzten Jahrzehnten des 16. Jh. Erster luth. Prediger war Gerhard Jütting (amt. bis 1621), der seinem gleichnamigen, noch kath. Onkel folgte. Gerhard Jütting junior war 1587 bereits verheiratet. Sein Sohn Theodor Jütting, Sazellan bzw. Kaplan, musste Badbergen während des Dreißigjährigen Krieges 1625 verlassen und flüchtete nach Ostfriesland (16. September 1629 als Prediger in Nortmoor eingeführt). Die Pfarre wurde rekatholisiert; neuer Pfarrer wurde Ostern 1625 der frühere Osnabrücker Offizial Reiner Hardement. Nach der Besetzung des Landes durch schwedische Truppen kehrte Jütting 1633 kurzzeitig zurück, wurde aber 1636 erneut vertrieben, erst 1647 zurückberufen und blieb bis 1670 P. in Badbergen.7 Nach Art. 21 der Capitulatio perpetua von 1650 wurde für die Gemeinde ein Simultaneum eingerichtet. Die Kirchengüter wurden zwischen Lutheranern und Katholiken geteilt. Allerdings lebten nach der geistlichen Polizeiordnung von 1662 im Ksp. bei 4.869 luth. Gemeindegliedern nur rund 50 Katholiken mit Mägden und Knechten. Das Simultaneum bestand bis 1866 und wurde erst nach dem Bau der kath. St.-Marien-Kirche aufgehoben.

Kirche, Blick zur Orgel, 1915

Kirche, Blick zur Orgel, 1915

P. Johann Günther Hickmann (amt. 1670-1694) unterhielt in Badbergen neben seinem Pfarramt eine Hausschule. Von ihm stammen Gedichte und geistliche Lieder, von denen einige Eingang in verschiedene Gesangbücher fanden. Sein gleichnamiger Sohn und Nachfolger (amt. 1694-1728) war fürstlich Osnabrücker Konsistorialrat. Er verfasste eine Streitschrift (Die göttliche Lauterkeit christ-luth. Lehre und Religion, Osnabrück 1713) gegen den kath. Prediger Japhet Stenderup zu Badbergen, der die Evangelischen seinerseits mit seiner Professione fidei angegriffen hatte.
Rund um den Kirchhof waren seit dem Mittelalter neben den Pfarrgebäuden mehrere steinerne Speicherbauten entstanden, die anfangs auch zu Verteidigungszwecken dienten und bis Mitte des 17. Jh. zunehmend zu Wohnzwecken umgebaut wurden.8 1847 wurden die Speicherplätze abgelöst und die Gebäude bis 1868 zugunsten einer Erweiterung des Begräbnisplatzes abgerissen. Nach dem Neubau der Schule (1854) wurden auch das alte Schulgebäude und die Kantorei beseitigt.
Auf dem Gebiet der alten Möhringsburg wurde 1892 ein ev. Krankenhaus errichtet.
Der seit 1917 amtierende P. und Sup. Julius Burgdorff wurde schon 1932 Mitglied der NSDAP, ging jedoch zunehmend auf Distanz und wurde 1938 aus der Partei ausgeschlossen, als er sich für die Beibehaltung eines christlichen Profils der gleichgeschalteten Schulen einsetzte. 1933 war er vorübergehend Kirchenkommissar. In Badbergen fanden in den Jahren 1936 bis 1938 mehrere gut besuchte Veranstaltungen der BK statt. P. Burgdorff stand unter polizeilicher Beobachtung und wurde 1942 mit einer Geldstrafe belegt. Die ev. Schulen in Badbergen wurden 1938 in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II (Sazellanat): Vor 1581, ab 1918 unbesetzt.

Umfang

1648 wurden vom Ksp. Badbergen die Bauerschaften Wulfenau und Bünne abgetrennt und dem münsterschen Ksp. Dinklage zugelegt. 1823 umfasste die Parochie noch das Dorf Badbergen, die Bauerschaften Grönloh, Grothe, Langen, Lechterke, Groß Mimmelage, Vehs, Wehdel, Wohld und Wulften; die Landgüter Möhringsburg und Schulenburg; die ev. Einwohner der Bauerschaften Loxten, Suttrup und Talge (Ksp. Ankum).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Osnabrücker Domkantors (Ankum). – Nach der Reformation unterstand die Kirche der Aufsicht des Amts Bersenbrück. Eine Insp.-Einteilung (mit zunächst wechselnden Suptur.-Sitzen) wurde im Fsm. Osnabrück erst 1821 eingeführt. Badbergen kam zur 3. Insp., 1822 zur 4. Insp. (Badbergen). Am 1. April 1926 wurden die beiden KK-Verbände Bramsche und Badbergen zum KKV Bersenbrück zusammengelegt, dessen Vorsitz der Sup. von Bramsche übernahm. Die beiden Aufsichtsbezirke Bramsche und Badbergen blieben bestehen. 1930 wurde der KKV Bersenbrück in KK Bersenbrück umbenannt, 1931 der Amtssitz des Sup. von Bramsche nach Badbergen verlegt, am 1. Oktober 1947 der Aufsichtsbezirk Badbergen aufgehoben und dem Aufsichtsbezirk Bramsche zugeordnet.9 Der Bezirk wurde in KK Bramsche umbenannt.

Patronat

Ursprünglich der Domkantor zu Osnabrück. Nach einer Auseinandersetzung mit dem früher in Badbergen ansässigen Kollegiatstift St. Silvester (später in Bramsche), das die Pfarrstelle mehrfach selbst besetzt hatte, entschied Bf. Ludwig den Streit 1299 zugunsten des Stifts. Nach dessen Aufhebung (1650) der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1915

Kirche, Grundriss, 1915

Der heutige massive Saalbau ist der fünfte an gleicher Stelle. Er folgte der Holzpfostenkirche aus der Zeit um 900, einer Schwellbalkenkirche mit eingezogenem, gerade geschlossenem Chor (11. Jh.) und zwei romanischen Steinbauten, von denen Reste im Turmstumpf noch erhalten sind. Der erste Massivbau war wohl eine romanische Saalkirche, die im Westen durch ein Chorquadrat mit Apsis und profan genutztem Obergeschoss abgeschlossen wurde. Ein Nachfolgebau (Chorturmkirche) wird auf die Zeit nach 1200 datiert, die jetzige einschiffige spitzbogige Hallenkirche im romanisch-gotischen Übergangsstil, mit vierjochigem Langhaus und gerade geschlossenem Chor aus dem 13. Jh. Nach einem Brandschaden in der ersten Hälfte des 16. Jh. wurde sie erneuert. Die ungewölbte Sakristei an der Nordseite des Chores ist auf das Jahr 1522 datiert. Sie wurde nach Einrichtung des Simultaneums durch eine zunächst hölzerne, später gemauerte Trennwand in Räume für beide Konfessionen geteilt. Der ev. Teil wurde in den 1920er Jahren zu einem Heizungsraum umgebaut. Das Dach der Kirche wurde um 1584 nach einem Brandschaden erneuert. Ein 1827 an der Südseite des Schiffs (Turmseite) angebauter Schulraumwurde schon 1854 wieder beseitigt. 1891 wurde zur Erschließung der Nordempore von außen im Winkel zwischen Schiff und Sakristei ein Treppenhaus errichtet. Außenrenovierungen 1982 und 1986/87. 1997/98 Sicherungsmaßnahmen an Dachstuhl und Gewölben. 1997 Restaurierung der Kirche und Freilegung der Gewölbemalereien durch Restaurator Horst Icks (Engter).

Fenster

Buntglasfenster mit figürlichen Darstellung: Moses, Jesaia, Johannes der Täufer und Paulus (dat. 1911); Reformationsfenster mit Brustbild Luthers und Ansichten der Schlosskirche in Wittenberg und der Wartburg.

Turm

Aufgestockter achteckiger Westturm über quadratischem Erdgeschoss mit Kreuzgratgewölbe, im Kern wohl älter als 13. Jh.; kleinere Instandsetzungsarbeiten erscheinen 1591 und 1653 in den Kirchenrechnungen. Weitere Maßnahmen am Turm 1779 und 1861. Bekrönung durch Kugel und Kreuz. Erhalten ist auch ein auf 1591 datierter Turmhahn. – 1585 erhielt die Kirche ihre erste Turmuhr.

Kirche, Blick zum Altar, Taufstein, um 1948

Kirche, Blick zum Altar, Taufstein, um 1948

Ausstattung

Zweigeschossiges barockisierendes Altarretabel, 1960 von Karl Allöder aus älteren Teilen neu zusammengestellt. Im Hauptbild das Abendmahl (um 1820), darüber die Kreuzigung. Als Bekrönung der Auferstandene. – Hölzerne Kanzel von 1629; farbige Sandsteinreliefs mit Szenen aus der Kindheit Jesu (Mariae Verkündigung, Christi Geburt, Beschneidung, Anbetung der Könige, Christus im Tempel). – Taufstein des Bentheimer Typs auf vier Löwenfüßen (13. Jh.) mit ornamentiertem Holzdeckel aus dem 17. Jh. – Sakramentsnische aus Sandstein (15. Jh.); Unterbau, oberes Abschlussgesims und die Figuren Petrus und Johannes neugotisch (19. Jh.), wohl von L. Memken, Osnabrück.10 – Zwei große gotische Standleuchter aus Messingblech. – Gestühl und Emporen mit reicher Flachschnitzerei (17. Jh.). – Mehrere Pastorenporträts.

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1961

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1961

Orgel

Eine ältere Orgel an der Nordseite des Altarraums war 1791 abgängig.11 1793/96 Neubau durch Anton Franz Schmid (Quakenbrück).12 1904/05 Neubau durch Gebrüder Rohlfing (Osnabrück), 24 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen.13 1988 Neubau durch Firma Rudolf von Beckerath (Hamburg) im Westchor, 20 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: b; II: es’; III: f’; IV: g’ (alle Bronze, Gj. 1972, Gebrüder Rincker, Sinn). – Eine SG (Marienglocke) in es’’ (Bronze, Gj. 1633 oder 1635, außen am Turmhelm). – Früherer Bestand: Die frühesten Nachrichten über das Geläut stammen aus dem Jahr 1591, als die mittlere und kleinere von damals drei LG repariert wurden. Der Bestand Ende des 19. Jh. umfasste ebenfalls drei LG, I: (Gj. unbekannt, A. W. Rinker, Osnabrück); II: Brandglocke (Gj. 1670); III: Friedensglocke (Gj. 1636). Nach den Abgaben der beiden Weltkriege war nur eine kleine LG verblieben, die bei der Beschaffung eines neuen Vierergeläuts (1928) ebenfalls aufgegeben wurde. Nach weiteren Abgaben im Zweiten Weltkrieg lieferte die Firma Weule (Bockenem) 1948/49 vier Eisenhartgussglocken mit den Schlagtönen I: c’ (Gj. 1949); II: es’ (Gj. 1949); III: f’ (Gj. 1948); IV: g’ (Gj. 1948). 1972 durch das heutige Geläut ersetzt.

Friedhof

Befestigter Kirchhof wohl seit Mitte des 13. Jh.; er wird bis heute als ev. Friedhof genutzt (alter Friedhof). Der neue Friedhof schließt sich südöstlich an. In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 3 Nr. 16-35 (Kons. Osnabrück, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 39 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 363-371 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2790 (Visitationen); B 18 Nr. 135 (Orgelsachverständiger); D 106 (EphA Bramsche).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 177 f.; Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 67-73; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 41-43.
B: Werner Dobelmann: Badbergen und seine Kirche, in: Am heimatlichen Herd 2 (1951), S. 28; Werner Dobelmann: Die Kirchenburg zu Badbergen, in: Am heimatlichen Herd 12 (1961), S. 18-19; Hermann Heinrich Dühne: Geschichte des Kirchspiels Badbergen und der Bauerschaft Talge, Osnabrück 1870; Herbert Schuckmann; Wolfgang Schlüter; Ulrike Heuer: Sankt Georg Badbergen. Beiträge zur Baugeschichte einer Pfarr- und Stiftskirche im Osnabrücker Nordland, [Bersenbrück] o. J., Eugen Volkert: Badbergen. Bauerschaft, Kirchdorf und Kirchspiel, in: Am heimatlichen Herd 26 (1975).


Fußnoten

  1. Ursprünglich wohl Maria und Johannes Evangelist, die später noch als Nebenpatrone belegt sind und vielleicht mit Gründung des Kollegiatstifts durch den heiligen Georg verdrängt wurden. Vgl. Schuckmann, S. 90.
  2. Osnabrücker UB I, Nr. 337.
  3. Osnabrücker UB I, Nr. 111
  4. Osnabrücker UB II, Nr. 132.
  5. Osnabrücker UB II, Nr. 342.
  6. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 1070.
  7. Wöbking, Konfessionstand, S. 86.
  8. Dobelmann, Kirchenburg Badbergen, S. 18 f.
  9. KABl. 1947, S. 50.
  10. Müller, Sakramentsnischen, F 105.
  11. Dühne, Badbergen, S. 41.
  12. Dobelmann, Orgelbauer, S. 92.
  13. LkAH, B 2 G 9 B/Badbergen.