Sprengel Stade, KK Rotenburg | Patrozinium: Maria | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Blick zum Altar, 1951

Kirche, Blick zum Altar, 1951

Die auf einer Anhöhe inmitten des Dorfes gelegene Kirche geht vielleicht auf eine dem Verdener Dom zugehörige Kapelle zurück und wurde wohl ursprünglich durch einen Vikar des Doms betreut. Als erster Geistlicher erscheint 1226 Godefridus sacerdos de Ouhousen als Urkundenzeuge, womit Ahausen auch als Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.1 Zu diesem Zeitpunkt war es bereits Mittelpunkt einer selbständigen Parochie. Über ihre Gründung und Dotierung liegen keine Nachrichten vor. Die älteren Urkunden sind wohl bei einem Brand des Pfarrhauses zwischen 1671 und 1704 vernichtet worden.2 Pfarrstelleninhaber soll der jeweilige Thesaurarius des Domkapitels gewesen sein3; zumindest verfügte er wohl über das Besetzungsrecht. Bis zum Westfälischen Frieden (1648) war der Bf. von Verden Landesherr. Die Reformation hielt im Hochstift bald nach 1566 unter Bf. Eberhard von Holle Einzug. 1572 war Hinrich Roeling luth. P. in Ahausen. Unter Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg kam es 1629 zu einer vorübergehenden Rekatholisierung der Gemeinde.
1850 wurde aus zehn Moordörfern der Ksp. Ahausen und Daverden die neue KG Posthausen gebildet und verselbständigt.
Zur Förderung des kirchlichen und diakonischen Lebens wurde 2011 die Marien-Stiftung ins Leben gerufen.

Umfang

Ahausen (mit der Ahäuser Mühle), Eversen, Hellwege, Hintzendorf, Mittelsdorf, Posthausen, Rothlaacke, Stellenfelde, Unterstedt und Wümingen; das Landgut Stelle; die Dörfer Giersdorf, Grasdorf und Schanzendorf. Bereits 1795 war Allerdorf von Ahausen nach Daverden umgepfarrt worden. 1824 folgte Grasdorf.4 1850 wurden die Moordörfer teilweise ausgegliedert. Heute (2016) umfasst die KG die Gemeinden Ahausen mit dem Ortsteil Eversen, Hellwege und den Ortsteil Unterstedt der Stadt Rotenburg (Wümme).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat der Dompropstei.5 – 1651 der Suptur. Verden unterstellt. 1. Januar 1827 zur Insp. (1924: KK.) Rotenburg.

Patronat

Ursprünglich der Thesaurarius am Dom zu Verden. Mit dem Westfälischen Frieden fiel das Patronatsrecht dem schwedischen Kg. zu, der es an die Familie der Gf. von Königsmark verlieh. Mit der Aufhebung der Hoheit der Gf. von Königsmark über die Herrschaft Rotenburg 1686 ging das Patronat wieder an den Landesherrn (bis 1871).

Kirchenbau

Die Kirche wurde nach dem Brand des Vorgängerbaus 1386 als Feldsteinsaalbau neu errichtet, während des Dreißigjährigen Krieges durch kaiserliche Truppen geplündert und verwüstet (1626), aber noch während des Krieges in den alten Formen wiederhergestellt. Weitere Baumaßnahmen folgten 1664 mit dem Bau des heutigen hölzernen Glockenturms, einer Erweiterung des Schiffs nach Osten (1684) und dem Anbau einer Sakristei (1773). Anfang des 19. Jh. – im Bereich des Pfarrsprengels waren mehrere Moorkolonien entstanden – reichten die Plätze nicht mehr aus.6 1848 wurde das KGb deshalb abgebrochen und durch den Zimmermeister Heinrich Friedrich Wilhelm Campe (Verden) neu aufgeführt (Einweihung 1. Advent 1848). Der Glockenturm blieb erhalten. Die fünfachsige, klassizistische Backsteinsaalkirche mit zweigeteilten Rundbogenfenstern wird innen durch die Holzstützen der Emporen in drei Schiffe gegliedert und in der Mitte durch ein halbrundes Tonnengewölbe geschlossen (Flachdecke über den Emporen). Das Gewölbe war früher mit einem blauen Sternenhimmel ausgemalt. 1939 führte der Kirchenmaler Martin Gotta eine grundlegende Renovierung nach dem damaligen Zeitgeschmack durch. Dabei erhielt die Kirche einen neuen Haupteingang durch den Turm. Altarschranken und Altarbild (Druck nach Leonardo da Vincis Abendmahl) wurden entfernt. Bei einer erneuten Renovierung unter der Leitung von Dr. Sommer von der Kammer für kirchliche Kunst in Hannover (1957) wurden die von ihm scharf kritisierten Veränderungen teilweise revidiert. Erneute (Innen-) Renovierung 1985.

Turm

Auf einem Feldsteinsockel (vielleicht Rest der mittelalterlichen Kirche) ein gedrungener hölzerner Turm mit Schieferbehang. Pyramidendach.

Grablege

Die alte Kirche war Grablege für P. und Besitzer des Gutes Stelle (von Münchhausen). Unter der neuen Kirche befinden sich keine Grabgewölbe.

Ausstattung

Modernes Altarbild (Abendmahl) des Malers Karl Varnecke aus Hannover (1957). – Kanzel in der Ostwand über dem Altar (17. Jh., aus dem Vorgängerbau übernommen), auf den Brüstungsfeldern Petrus und die vier Evangelisten (plastisch). – Klassizistischer Taufständer aus Holz (18. oder Anfang 19. Jh.), ursprünglich aus der Gemeinde Hagen (Kr. Neustadt a. Rbge.). Ein 1939 von M. Gotta entworfener Taufstein befindet sich jetzt in der Unterstedter Kapelle. – Klassizistisches Lesepult (Anfang 19. Jh.). – Barockes Kruzifix über der Kanzel (wohl 17. Jh.), Herkunft unbekannt, 1848 nach Ahausen gebracht und nach Beschädigung im Zweiten Weltkrieg restauriert.

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

1801 war in Ahausen eine Orgel noch nicht vorhanden.7 Ein Neubau von Johann Hinrich Röver in Stade (1863/64) mit 11 II/P, mechanische Traktur, Registerkanzellenladen8, wurde 1939 durch Paul Ott (Göttingen) stark verändert (Barockisierung). Weitere Änderungen an der Disposition durch Ott 1946. 1974/75 Renovierung und soweit möglich Wiederherstellung des alten Klangbildes durch Martin Haspelmath (Walsrode). 1986 weitere Instandsetzung durch Martin Haspelmath. 2012 Renovierung (Wiederherstellung des Originalzustandes) durch die Orgelbauwerkstatt Stefan Linke (Rotenburg/Wümme).

Geläut

Zwei LG, I: gis’ (Bronze, Gj. 1786, Johann Philipp Bartels, Bremen); II: h’’ (Bronze, Gj. 1956, Gebrüder Rincker, Sinn; Tauf- und Uhrschlagglocke). – Früherer Bestand: Eine LG ging im Dreißigjährigen Krieg verloren. Neuguss 1637 (1710 geborsten). 1716 weiterer Neuguss durch Andreas Biber (Hamburg). Nach erneuter Beschädigung 1785 und 1786 Umguss zur jetzigen LG I durch J. P. Bartels (Bremen).

Weitere kirchliche Gebäude

Altes Pfarrhaus (Bj. 1871, 1964 verkauft), neues Pfarrhaus (Bj. 1963/64). – Gemeindehaus (Bj. 1964). – Schwesternstation (Bj. 1965/66).

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 6630-6633 (Pfarroffizialsachen); A 2 Nr. 16-23 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 912 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 79-84 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2582-2584 (Visitationen); D 61 (EphA Rotenburg).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 55 f., Nr. 4; Heyken, Kirchen I, S. 39-42; Pape, Haspelmath, S. 107 f.
B: Johann Gätjen: Der Ahauser Kirchen-Imthun, in: Rotenburger Schriften 37 (1972), S. 59-61; Egbert Rosenplänter: 150 Jahre Marienkirche in Ahausen. Ein Streifzug durch die Geschichte der Ahauser Kirchenbauten, in: Rotenburger Schriften 86 (1999), S. 7-19; Armin Schöne: Das Kirchspiel Daverden in seinem geschichtlichen Umfeld, in: Daverden – Geschichte und Geschichten, Daverden 2007.


Fußnoten

  1. UB Verden I, Nr. 286.
  2. LkAH, A 8/Ahausen (Corpus bonorum 1801).
  3. Rosenplänter, S. 8.
  4. Schöne, S. 53.
  5. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 121.
  6. LkAH, A 8/Ahausen (Corpus bonorum 1801).
  7. LkAH, A 8/Ahausen (Corpus bonorum 1801).
  8. Skiebe, Röver, S. 52.