Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Dietrich Bonhoeffer (2006) | KO: Keine Kirchenordnung
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist der Ort erstmals 1267/73 in einem Lehnregister des Klosters Osterholz als Spaden belegt.1 Bereits um 1225 erscheint der Name bei Henricus et Theodericus de Spaden als Herkunftsbezeichnung.2 Das Dorf gehörte zur Börde Debstedt in der Herrschaft Bederkesa, die 1381 und 1411 schrittweise in den Besitz der Stadt Bremen kam (Amt Bederkesa). 1654 fiel das Gebiet an das Kgr. Schweden (Stader Vergleich), und wurde Teil der vereinigten Herzogtümer Bremen-Verden. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die Hzm. Bremen und Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In französischer Zeit zählte Spaden im Jahr 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann zum Kaiserreich Frankreich (Département des Bouches du Weser, Arrondissement Bremerlehe, Kanton Bremerlehe, 1811–1814). Ab 1815 war Spaden, nun im Kgr. Hannover, erneut Teil des Amtes Bederkesa, das 1859 im Amt Lehe aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel der Ort 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Spaden zum Kr. Lehe, der 1932 im Lkr. Wesermünde aufging; dieser wiederum ging 1977 im neuen Lkr. Cuxhaven auf. 1974 wurde Spaden nach Schiffdorf eingemeindet. Seit den 1950er Jahren entstanden westlich des historischen Ortskerns „ausgedehnte Wohngebiete“.3 Zur Sozialstruktur des Kirchspiels schrieb der Sup. des KK Wesermünde-Nord 1966: „Während Laven noch rein landwirtschaftlich orientiert ist, ist in Spaden das Bauerntum zum Sterben verurteilt. […] Der Ort ist ein ausgesprochener Arbeiterort“; 1987 heißt es, Spaden sei „überwiegend Stadtrandgemeinde von Bremerhaven“.4 Um 1810 lebten gut 210 Menschen in Spaden, 1885 knapp 530, 1937 etwa 1.340, 1950 mehr als 2.090 und 2022 fast 4.760.
Kirchlich gehörte Spaden bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jh. zum Kirchspiel Debstedt. Die kleine Kapelle, die sogenannte Klus, ist vermutlich um 1500 erbaut worden. Schriftlich erwähnt ist sie um 1600: Zum Kapellengottesdienst am Gründonnerstag übergaben die Gemeindeglieder dem Pfarrer von Debstedt ihre Naturalabgaben.5 1716 brannte die Kapelle aus. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. sind zwei Gottesdienste pro Jahr belegt: „nemlich am Grünen-Donnerstage, und im Herbste, an einem Werkeltage, zum Besten alter und schwacher Personen“.6 In einem Schreiben der Kapellengemeinde aus dem Jahr 1749 sind pro Jahr vier Predigtgottesdienste und zwei Abendmahlsgottesdienste genannt.7
Seit 1920 fand an jedem ersten Sonntag im Monat ein Gottesdienst in der Spadener Kapelle statt und der Debstedter P. Johann Röbbelen (amt. 1936–1966) predigte seit der zweiten Hälfte der 1930er Jahre alle zwei Wochen hier.8 Seit der Nachkriegszeit fand auch der Konfirmandenunterricht in Spaden statt. Zum 1. April 1960 löste das LKA Hannover Spaden und Laven aus dem Kirchspiel Debstedt heraus und errichtete die „Ev.-luth. KG Spaden“.9 Die neue Gemeinde blieb pfarramtlich zunächst mit Debstedt verbunden, wo eine weitere Pfarrstelle mit Sitz in Spaden eingerichtet wurde. P. Röbbelen wechselte auf die neue Stelle und ging nach Spaden. Der Pfarrverbund mit der Muttergemeinde Debstedt endete nach gut einem Jahr und zum 1. Mai 1961 erhielt die KG Spaden ein eigenes Pfarramt.10 Da die Kapelle für die neue Gemeinde zu klein war, beschloss der KV, ein Gemeindezentrum zu errichten, das als Kirchsaal und Gemeindehaus dienen sollte. Am 9. Oktober 1966 konnte es eingeweiht werden.11 Die Zahl der Gemeindeglieder lag seinerzeit bei etwa 2.520.12
1970 ließ die KG einen Glockenträger aufstellen, 1987 erhielt das Gebäude einen größeren Gemeindehausanbau. An Gruppen und Kreisen bestanden 1993 u. a. ein Gesprächskreis, ein Begegnungskreis, ein Frauenkreis, ein Handarbeitskreis, ein Kinderkreis und ein Besuchsdienst.13 Taufen und Trauungen fanden überwiegend in der alten Kapelle statt. Nach der Neugestaltung des Kirchsaals im Jahr 2006 erhielt das Gotteshaus den Namen „Dietrich-Bonhoeffer-Kirche“.
Zusammen mit den KG Debstedt, Hymendorf, Langen und Neuenwalde gründete die Dietrich-Bonhoeffer-KG Spaden zum 1. Januar 2024 die „Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Wesermünde Nord-West“.14
Umfang
Spaden sowie Laven und Wehdenerdamm.
Aufsichtsbezirk
Mit Gründung der KG 1960 zum KK Wesermünde-Nord. Seit dessen Fusion mit dem KK Wesermünde-Süd gehört Spaden seit 1. Januar 2013 zum KK Wesermünde.15
Kirchenbau
Schlichter Rechteckbau, errichtet 1965/66, erweitert 1987 um Gemeindehaustrakt an der Nordseite. Flach geneigtes Satteldach. Verklinkerte Außenwände. Großflächige Fenster nach Norden und Süden; schmales, zweiteiliges Vertikalfenster in der Ostwand; Eingangsbereich an der Nordseite. Im Innern offener Dachstuhl, holzverschalte Decke, weiß gefasst; bläuliches Fliesenband im Boden des Altarraums (Fortsetzung des vertikalen Lichtbandes in der Ostwand). 1987 Gemeindehausanbau errichtet. 2006 Neugestaltung Kirchsaal (Bettina Krusche, Bremen und Gunther Gerlach, Bremen), Betonung des Sakralcharakters.
Fenster
Zweifarbiges Fenster im Altarraum (2006), vertikales Lichtband, im oberen Teil gelb, im unteren bläulich.
Turm
Freistehender, offener Glockenträger (Stahlgerüst) mit verschalter Glockenstube, erbaut 1970 (Typ II, Firma Rincker, Sinn).
Ausstattung
Hölzerner Altartisch (2006, Gunther Gerlach, Bremen), geleimtes Lärchenholz, skulpturale Brückenform. – Ebenerdige Holzkanzel (2006, Gunther Gerlach, Bremen), geleimtes Lärchenholz, skulptural geformt. – Skulpturale Holztaufe (2006, Gunther Gerlach, Bremen), geleimtes Lärchenholz. – Hölzernes Lesepult (2006, Gunther Gerlach, Bremen), geleimtes Lärchenholz, skulptural geformt. – Hölzernes Wandkruzifix.
Orgel
Orgelpositiv, erbaut 1962 von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 5 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen; Instrument stand zunächst in der Kapelle. 1985 Instrument instandgesetzt und erweitert um Subbaß 16’, Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.
Geläut
Drei LG, I: h’, Inschriften: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ und „Kirchengemeinde Spaden 1970“; II: cis’’, Inschrift: „Kirchengemeinde Spaden 1970“; III: e’’, Inschrift: „Kirchengemeinde Spaden 1970“ (alle Bronze, Gj. 1970, F. Otto, Bremen-Hemelingen).
Kapellenbau
Kleiner Saalbau mit Grundriss eines gestreckten Achtecks und jüngerem Eingangsvorbau an der Südseite, erbaut um 1500. Walmdach, ziegelgedeckt. Backsteinmauerwerk, Findlingssockel, geböschte Stützpfeiler. Im Westen kleine, rechteckige Sprossenfenster, im Osten kleines segmentbogiges und kleines rundbogiges Sprossenfenster; segmentbogiger Eingang nach Süden. Im Innern flache Balkendecke. 1716 ausgebrannt und repariert. Nach Winter 1748/49 Instandsetzung. 1765 Neugestaltung Innenraum. 1886 nördliche Stützpfeiler erbaut. 1891 Südwand neu errichtet. 1926 Dach erneuert, Glockenerker an der Nordseite entfernt und durch Dachreiter ersetzt. 1961 Dachsanierung. 1978 Innenrenovierung, u. a. Decke erneuert. 2011 Mauerwerkssanierung.
Turm
In der Mitte des Dachs vierseitiger, offener Dachreiter mit vierseitigem Pyramidenhelm, bekrönt mit Kreuz, erbaut 1926, neu errichtet und erhöht 1990. Holz, Kupferverkleidung.
Ausstattung
Blockaltar mit hölzernem Retabel, farbig gefasst (18. Jh.); im Mittelfeld gemaltes Kruzifix mit Inschrift „Dieser ists, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus“; links und rechts flache Pilaster mit aufgemalten gewunden Säulen; verkröpftes Gebälk mit geschwungenem Giebel, im Giebelfeld gemaltes Gottesauge; links und rechts Inschriftenmedaillons: „Mein Fleisch ist di rechte Speise“ und „Und mein Bludt ist der rechte Tranck“, in der Predella Inschrift: „Das Bludt Jesu Christi des Sohnes Gottes macht uns frey von allen Sünden“; 2011 restauriert. – Leicht erhöhte Holzkanzel, farbig gefasst (18. Jh.); an den Wandungen des Kanzelkorbs rechteckige Füllungen. – Schmiedeeiserner Taufständer.
Orgel
1962 Orgelpositiv erworben, erbaut von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 5 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen, 1966 in den Gemeindesaal versetzt.
Geläut
Eine LG, b’’ (Bronze, Gj. 1510, vielleicht Georgius Waghevens, Mecheln), Inschrift: „Ic ben ghegoten int Iar ons Heeren M CCCCC X“, Glocke vor 1960 geborsten und vor 1966 geschweißt (Firma Lachenmeyer, Nördlingen).
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. nach 2002), Vorgängerbau: Pfarrhaus Brinkstraße (Bj. um 1900, 1958 erworben und 1959/60 umgebaut, nach 2002 verkauft).
Friedhof
Ehemaliger Friedhof rund um die Kapelle. Kommunale Friedhöfe in Laven und Spaden, FKap (Bj. 1949); beide Friedhöfe in Trägerschaft der Gemeinde Schiffdorf.
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
B 2 G 9 Nr. 2800–2801 (Baupflege und Bauwesen); D 63 (EphA Wesermünde-Nord); E 9 Nr. 1086 (AfBuK); L 5g Nr. 300, 507, 915, 917 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 2053 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 8169 (Findbuch PfA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1960
Trauungen: ab 1960
Begräbnisse: ab 1960
Kommunikanten: ab 1960
Konfirmationen: ab 1961
Früher siehe Mutterkirche Debstedt.
Literatur & Links
A: 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 61–62; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 315; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 198–200; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 96; Pratje, Bremen und Verden XI, S. 146–147 (= Nachricht von dem Amt Bederkesa und den Kirchspielen desselben. Zweites Stück) [Digitalisat]; Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 98–100.
B: Werner Kamjunke (Red.): 750 Jahre Spaden. Geschichte und Gesicht eines Geestortes in Niedersachsen, Schiffdorf-Spaden 2017, bes. S. 39–50.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche; Kapelle, Glocke; Denkmalatlas Niedersachsen: Kapelle; Wikipedia: Spadener Kapelle.
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Kamjunke, S. 20 f.
- UB Osterholz, Nr. 24.
- Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 315.
- LkAH, L 5g, Nr. 300 (Visitation 1966); LkAH, L 5g, unverz., Spaden, Visitation 1987.
- Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 198.
- Pratje, Bremen und Verden XI, S. 147 [Digitalisat]. Vgl. auch Kamjunke, S. 41.
- Zit. bei Kamjunke, S. 45.
- 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 62; Kamjunke, S. 41.
- KABl. 1960, S. 59 f.
- KABl. 1961, S. 64.
- Vgl. zur Entwicklung der KG Kamjunke, S. 41 ff.
- LkAH, L 5g, Nr. 300 (Visitation 1966).
- LkAH, L 5g, unverz., Spaden, Visitation 1993.
- KABl. 2023, S. 85 ff.
- KABl. 2012, S. 311 f.




