Sprengel Osnabrück, KK Syke-Hoya | Patrozinium: Martin Luther | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Die Besiedelung im Gebiet des späteren Dorfes Seckenhausen setzte vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jh. ein.1 Die Höfe gehörten zu Brinkum im Amt Syke der Gft. Hoya bzw. des welfischen Fsm. Calenberg (seit 1582). In französischer Zeit zählte Seckenhausen 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann 1810 bis 1813 zum Kanton Syke im Arrondissement Bremen des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach zählte das Dorf wieder zum Amt Syke (1852–59 beim kurzlebigen Amt Brinkum zu Syke), zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Mit Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Seckenhausen zum Lkr. Syke, 1932 zum Lkr. Grafschaft Hoya und 1977 zum Lkr. Diepholz. Seit 1912 bildeten die Dörfer Seckenhausen, Hallenhausen und Wulfhoop die Gemeinde Seckenhausen, die sich als Streusiedlung charakterisieren lässt. Seit 1974 bildet sie einen Ortsteil der Einheitsgemeinde Stuhr. Der KV Brinkum beschrieb Seckenhausen 1965 als ehemaliges Bauerndorf, das mittlerweile bestimmt sei „durch die Vorortlage zu Bremen“; in den letzten Jahren habe sich Industrie angesiedelt und seien neue Siedlungen entstanden.2 Im Jahr 1815 lebten gut 360 Menschen in Seckenhausen, Hallenhausen und Wulfhoop, 1895 knapp 880, 1963 etwa 2.100 und 2020 rund 3.500.

Orgel, nach 1971

Orgel, nach 1971

Kirchlich gehörte die Bevölkerung der Ortschaften Seckenhausen, Hallenhausen und Wulfhoop bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jh. zur KG Brinkum. Angesichts einer wachsenden Bevölkerung beantragte der KV Brinkum 1962 beim Landeskirchenamt Hannover die Gründung einer eigenständigen KG Seckenhausen; kurze Zeit später konnte ein Grundstück für ein Kirchengebäude erworben werden.3 1965 lagen die Baupläne vor; zur KG Brinkum zählten seinerzeit 5.800 Gemeindeglieder, von denen 1.900 in Seckenhausen lebten. Der Brinkumer Pfarrer P. Wolfgang Cunow (amt. 1963–1971) lud sie einmal im Monat und an den kirchlichen Feiertagen zu einem Gottesdienst in die Schule von Seckenhausen ein.
Die Arbeiten am Kirchengebäude begannen 1967. Im „Erläuterungsbericht“ zu seinem Entwurf hatte Architekt Gerhard Dunkhase 1965 geschrieben: „Gemäß der Entwicklung des Ortes gibt es keine in Material oder Form einheitliche Architektur, an die man anknüpfen könnte oder auf die man Rücksicht nehmen müsste“.4 Er hatte einen quadratischen Betonbau mit einem über dem Altarraum hoch ansteigenden Dach entworfen, dessen künstlerische Gestaltung – Betonornamente und farbstreifen – der Stuttgarter Künstler Otto Herbert Hajek übernahm. Die durch Falttüren abgetrennten Gemeinderäume in der Kirche waren ursprünglich als Provisorium gedacht, das nach dem erwarteten weiteren Wachstum der Gemeinde entfernt würde.5 Am 4. Advent 1968 feierte die Gemeinde zusammen mit LSup. Johannes Schulze die Einweihung der Kirche. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Kirche noch keinen Glockenturm; auf dem benachbarten Friedhof stand seit 1966 ein provisorisches Gerüst mit einer Glocke. Der Rat der Gemeinde Seckenhausen hatte 1968 zugesagt, den Bau eines Kirchturms zu finanzieren, wenn das Landeskirchenamt Seckenhausen innerhalb von zwei Jahren zu einer eigenständigen KG erhob.6 Als der Bau 1978 schließlich verwirklicht wurde, übernahm die Gemeinde Stuhr rund 40 Prozent der Kosten.7
Die Gründung der „Ev.-luth. Martin Luther-Kirchengemeinde Seckenhausen“ folgte gut zwei Jahre nach Einweihung der Kirche zum 1. Januar 1971.8 Die neue Gemeinde blieb vorerst pfarramtlich mit der KG Brinkum verbunden und der erste Pastor der Gemeinde, P. Hans-Dieter Gläser (amt. 1970–1993), war Inhaber der zweiten Pfarrstelle Brinkum mit Sitz in Seckenhausen. 1978 löste das Landeskirchenamt diese Verbindung auf P. Gläsers Pfarrstelle ging auf die KG Seckenhausen über.9 Schon 1968 hatte sich ein Kirchenchor in Seckenhausen gegründet. 1970 richtete die Gemeinde einen Kinderspielkreis ein; diese Arbeit lief auch nach der Eröffnung eines kommunalen Kindergartens weiter.10 Nach Einschätzung von LSup. und Sup. zählte es zu den zentralen Herausforderungen der neuen Kirchengemeinde, nach der gelungenen Integration der in der Nachkriegszeit nach Seckenhausen gekommenen Flüchtlinge, nun auch die Neubürger in das gemeindliche Leben zu integrieren, die sich hier seit den 1960er Jahren ansiedelten und überwiegend nach Bremen zur Arbeit pendelten.11
Gemeinsam mit der Muttergemeinde Brinkum pflegte Seckenhausen bis hinein in die 1990er Jahre eine Partnerschaft mit der sächsischen Kirchgemeinde Breitenbrunn im Erzgebirge, die sich im Rahmen der seit 1949 entstandenen Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Hannovers und Sachsens entwickelt hatte.12 Seit den 2000er Jahren feiert die Gemeinde an jedem ersten Freitag im Monat einen „anderen Gottesdienst“, den „Go!sieben“ (GO! steht für Gottesdienst und für die Aufforderung „geh hin!“, sieben für die abendliche Uhrzeit).

Umfang

Seckenhausen, Hallenhausen und Wulfhoop.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1971 zum KK Syke, seit Januar 2001 KK Syke-Hoya.13

Kirchenbau

Moderner Sichtbetonbau mit quadratischem Grundriss und einem nach Nordosten hin hoch ansteigenden Dach, erbaut 1967/68 (Architekt: Gerhard Dunkhase, Heiligenrode). Schmale, streifenartige Fenster in den dreieckigen Wänden nach Norden und Osten; Eingänge und bodentiefe Fenster in den niedrigen Wänden nach Westen und Süden; Außen- und Innenwände verziert mit Betonornamenten und „Farbwegen“ (Otto Herbert Hajek, Stuttgart). Im Innern zeltartige, holzvertäfelte Decke; Altarraum in nordöstlicher Ecke, Empore in südwestlicher Ecke. 2001 Gemeindehausanbau an Südseite errichtet. 2005 Photovoltaikanlage auf Dach installiert (gesamte Dachfläche).

Turm

Freistehender Turm westlich der Kirche, erbaut 1978. Zwei dreieckige Betonscheiben mit quaderförmiger Glockenstube dazwischen, bekrönt mit Kreuz. Zuvor provisorischer Glockenträger auf dem Friedhof, erbaut 1966.

Ausstattung

Hauptstücke aus Sichtbeton, gestaltet von Otto Herbert Hajek, Stuttgart: Schlichter Altartisch; Lesepult/Kanzel; quaderförmiger Taufstein. – Mehrere großformatige Bilder und Wandbehänge im Altarraum (nach 1994, Annegret Ciesinski, Seckenhausen).

Orgel

Erbaut 1971 von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 8 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: cisʼʼ (Bronze, Gj. 1978, Firma Rincker, Sinn); II: eʼʼ (Bronze, Gj. 1966, Firma Rincker, Sinn), hing zunächst in einem provisorischen Holzturm am Friedhof.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (gekauft 1997). – Gemeindehausanbau an Kirche (Bj. 2001). – Altes Pfarrhaus mit Gemeindehausanbau (Bj. 1957), nördlich außerhalb von Seckenhausen gelegen (gekauft 1970, verkauft 1998/99).

Friedhof

Kommunaler Friedhof im Nordwesten des Ortes, angelegt 1964 (schließt sich nordöstlich an das Grundstück der Kirche an). FKap (Bj. 1983).14

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5a Nr. 349–350, 1048, 1221 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 4a Nr. 2872 (Bauzeichnungen, Baupläne); S 9 rep Nr. 2011 (Presseausschnittsammlung).

Literatur

A: Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 488; Gade, Hoya und Diepholz II, S. 216.
B: Emil Pracht: Aus Geschichte und Gegenwart der Dörfer Seckenhausen, Hallenhausen, Seckenhausen 1993.


Fußnoten

  1. Vgl. Pracht, S. 10 ff.
  2. LkAH, L 5a, Nr. 1221 (Darlegung des Kirchenvorstandes zum Neubauprojekt „Kirche in Seckenhausen“, 28.06.1965).
  3. LkAH, L 5a, Nr. 1221 (Schreiben des Pfarramts Brinkum an das LKA Hannover, 22.01.1968). Vgl. auch Pracht, S. 141 ff.
  4. LkAH, L 5a, Nr. 1221 (Erläuterungsbericht, 25.06.1965).
  5. LkAH, B 2 G 9/Seckenhausen Bd. I, Bl. 91.
  6. LkAH, L 5a, Nr. 1221 (Schreiben des Pfarramts Brinkum an den LSup. des Sprengels Calenberg-Hoya, 25.09.1968).
  7. LKA, G 9 B/Seckenhausen Bd. I, Bl. 92. Zwischenzeitlich hatte der KV Seckenhausen angenommen, dass überhaupt keine Chance mehr auf eine kommunale Finanzierung bestünde, das „die Gemeinde Seckenhausen durch die zahlreichen Kommunalaufgaben momentan derartig belastet und verschuldet“, LkAH, B 2 G 9/Seckenhausen Bd. I, Bl. 245 (Schreiben aus den Jahr 1971).
  8. KABl. 1971, S. 12.
  9. KABl. 1978, S. 81.
  10. LkAH, L 5a, Nr. 349 (Visitation 1974) und, Nr. 350 (Visitation 1989).
  11. LkAH, L 5a, Nr. 349 (Visitationen 1974 und 1980).
  12. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  13. KABl. 2000, S. 139 f.
  14. Pracht, S. 139 f.