Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Kreuz1 | KO: Keine Kirchenordnung
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist der Klosterort im Erzstift Bremen erstmals im Jahr 1334 als Nigenwolde erwähnt.2 In diesem Jahr hatte der Benediktinerinnenkonvent Altenwalde verlassen und in Neuenwalde mit dem Bau eines neuen Klosters begonnen. Die Gerichtsbarkeit über das im Umfeld des Klosters entstandene Dorf Neuenwalde lag beim Konvent (Klosteramt). Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) blieb das Gebiet der säkularisierten Hochstifte Bremen und Verden unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Herzogtümer Bremen-Verden). Das säkularisierte Kloster Neuenwalde samt den dazugehörigen Rechten und Besitzungen verschenkte die schwedische Krone an Melchior von Schlangenfeld.3 Nach dessen Tod übergab Kg. Karl XI. (amt. 1660–1697) das ehemalige Kloster 1683 der Bremer Ritterschaft, die es 1685 als adliges Damenstift wiederbelebte.4 Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die Hzm. Bremen und Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In französischer Zeit zählte Neuenwalde im Jahr 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann zum Kaiserreich Frankreich (Département des Bouches du Weser, Arrondissement Bremerlehe, Kanton Dorum, 1811–1814). Ab 1815 war Neuenwalde, nun im Kgr. Hannover, erneut Teil des gleichnamigen Klosteramtes, dass 1843 in das Amt Bederkesa eingegliedert wurde. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel der Ort 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Neuenwalde zum Kr. Lehe, der 1932 im Lkr. Wesermünde aufging; dieser wiederum ging 1977 im neuen Lkr. Cuxhaven auf. 1971 gründete sich die kurzlebige Samtgemeinde Neuenwalde, nach deren Auflösung 1974 wurde Neuenwalde nach Langen eingemeindet. Seit 2015 ist Neuenwalde eine Ortschaft der neugegründeten Stadt Geestland. Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1968: „Der größere Teil der Gemeinde besteht aus Bauern, der Rest aus Arbeitern, die ihren Arbeitsplatz in Bremerhaven haben.“5 Um 1810 lebten etwa 460 Menschen in Neuenwalde, 1910 rund 820, 1950 gut 1.550 und 2017 knapp 1.750.
Im Jahr 1219 gründete die Familie von Diepholz an der St.-Pankratii-Kapelle in Midlum ein Benediktinerinnenkloster.6 1282 zog der Konvent um nach Altenwalde und ab 1334 erbaute er in Neuenwalde in der Parochie Debstedt wiederum ein neues Kloster. Im Mai 1335 einigten sich der Propst des Klosters und der Pfarrer von Debstedt darauf, dass die Klosterkirche Pfarrkirche für all jene sein sollte, die sich auf klostereigenem Gebiet ansiedelten.7 1335 ist demnach das Gründungsjahr des Kirchspiels Neuenwalde, das neben dem Klosterort Neuenwalde auch Krempel, den Hof Neumühlen sowie das Vorwerk Kransburg umfasste, „die alle vollständig dem Kloster gehörten“.8 Das Pfarramt hatte in vorref. Zeit der jeweilige Klosterpropst inne.9 Wenige Jahre nach dem Umzug des Konvents nach Neuenwalde ist 1339 mit Ulrich erstmals ein Kaplan urkundlich erwähnt (domino Olrico nostro capellano).10 Neben dem Hauptaltar sind in der Kloster- und Pfarrkirche ein St. Marienaltar, ein St. Katharinenaltar und ein St. Johannisaltar belegt; 1445 stiftete Propst Nikolaus Ossenwerder (amt. 1444–1475) eine Vikarie am Marienaltar, 1486 stiftete der Priester Johann Hale eine Commende am Katharinenaltar.11 Die Vikarie am Altar St. Marien übernahm 1445 Nikolaus Gnahorn. 1500 plünderten Truppen der Hzg. von Lauenburg das Kloster (Schwarze Garde), 1503 gewährte der Päpstliche Kardinallegat Raimund von Gurk all jenen einen hunderttägigen Ablass, die „zur Wiederherstellung der Kirche und des Klosters“ spendeten.12 In der ersten Hälfte des 16. Jh. sind weitere Geistliche in Neuenwalde urkundlich fassbar: Zwischen 1508 und 1511 Vikar Johann Hale13 und zwischen 1508 und 1517 Vikar Johann Dankelmann.14 Propst Ossenwerder hatte 1481 zudem die Heilig-Leichnams-Gilde in Neuenwalde gestiftet (Gebetsbruderschaft).15 In einem klösterlichen Güterregister, angelegt etwa 1513, findet sich ein mit „a[nn]o LXII“ (im Jahr [15]62) datierter Eintrag von Anthonius presbiter in Nienwolde.16
Im Zeitalter der Reformation regierte mit Ebf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) zunächst ein entschiedener Gegner der luth. Lehre im Stift Bremen (und gleichzeitig im Stift Verden). Trotzdem fasste der Protestantismus während seiner Regierungszeit Fuß in den Gemeinden des Erzstifts.17 Ebf. Christophs Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Ebf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben. Der Bremer Ebf. Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg (amt. 1567–1585) schließlich war Protestant, verfolgte jedoch eine vorsichtige Kirchenpolitik; zur Einführung einer ev. Kirchenordnung kam es während seiner Amtszeit nicht. Im Erzstift Bremen hat sich, zugespitzt formuliert, „eine allmähliche Reformation“ vollzogen, „die meistens auf Gemeindeebene begann“.18 Im Kloster Neuenwalde amtierte bis 1571 „die eindeutig katholische Priorin Dorothea von der Hude“; auch ihre Nachfolgerin Anna Brummer (amt. 1571–1576?) war vermutlich noch altgläubig.19 Wohl während der letzten drei Jahrzehnte des 16. Jh. machte der Konvent einen schrittweisen Wechsel zur luth. Lehre durch.20 Mit Adelheid von Sutholte (amt. 1598) erhielt das Kloster Neuenwalde schließlich eine ev. Priorin, die jedoch kaum ein Jahr im Amt blieb. In den Kirchspielen, in denen das Kloster Patronatsrechte besaß – Midlum, Wanna, Altenwalde und Holßel – hatte sich das ev. Bekenntnis bereits deutlich früher etabliert. Gemeindeglieder aus dem Kirchspiel Neuenwalde – insbesondere aus Krempel und Wanhöden – hielten sich etwa um die Mitte des 16. Jh. zur bereits luth. Kirche in Debstedt und blieben dem Gottesdienst in der Klosterkirche fern.21 Die Kloster- und Pfarrkirche Neuenwalde erhielt vermutlich zwischen 1574 und 1584 einen ev. Geistlichen; möglicherweise ist der 1598 belegte P. Oswald Brüggemann als erster luth. Prediger des Kirchspiels anzusehen.22 Priorin Sutholte stellte zu seiner Entlastung einen zweiten, noch nicht ordinierten Geistlichen ein.
Im Jahr 1629 brannte das Kloster Neuenwalde ab und wurde um Ostern 1630 den Jesuiten übergeben; die ev. Konventualinnen mussten das Kloster verlassen.23 Zwei Jahre später rückten schwedische Truppen erneut vor und die Jesuiten gaben Neuenwalde wieder auf; wohl im Herbst 1632 kehrte der Konvent zurück. Die abgebrannte Kirche war anscheinend 1634 wieder hergestellt, das Konventsgebäude 1636. Beginnend mit P. Johann Lastorff (amt. 1636–1639) ist seit dieser Zeit die Reihe der ev. Neuenwalder Geistlichen lückenlos bekannt.
Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) hob die schwedische Regierung das Kloster auf und verschenkte das Klostergut an Melchior von Schlangenfeld.24 Nach dessen Tod im Jahr 1683 überließ Kg. Karl XI. (amt. 1660–1697) den klösterlichen Besitz der Bremischen Ritterschaft, die das Kloster 1685 als „evangelisches Damenstift zur Versorgung ihrer unverheirateten Töchter“ neu eröffnete (1684 neue Klosterordnung; seit 2004 Aufnahme nichtadliger Damen möglich).25 P. Johann Moritz Schultze (amt. 1681–1687) hielt die Einweihungspredigt und ließ sie zwei Jahre später drucken.26 Das Patronat über die Pfarrkirche übte die Ritterschaft 1687 einmalig aus, dann wurde es ihr abgesprochen und kam an die Landesherrschaft.27 Die Ritterschaft ließ in den 1690er Jahren die Kirche neu einrichten (1690/93 Altar, 1695 Empore).
Im Corpus bonorum, angelegt 1791, beschrieb P. Friedrich Wilhelm Karl Wilken (amt. 1785–1803) die Neuenwalder Kirche als „ziemlich alt“ und „etwas baufällig“.28 Zudem sei sie „bei versamleter Gemeine viel zu klein“, so dass an hohen Feiertagen einige Gemeindeglieder im Gottesdienst stehen müssten. Eine Orgel besaß die Kirche seinerzeit nicht.29 In der ersten Hälfte des 19. Jh. vergrößerte sich das Kirchspiel um die ab 1829 angelegte Moorsiedlung Hymendorf. Hier gründete sich 1888 der erste Posaunenchor im Kirchspiel; 1896 entstand ein zweiter in Neuenwalde und 1925 ein dritter in Krempel.30 P. Heinrich Rüther (amt. 1892–1911) war neben seinem Pfarramt ein bedeutender Heimatforscher, gab 1905 das Urkundenbuch des Klosters Neuenwalde heraus, 1949 eine „Geschichte des Landes Hadeln“ und 1950 die „Geschichte des Klosters Neuenwalde“ (1950). Er war überdies Mitgründer der Spar- und Darlehenskasse in Neuenwalde (1901) und ließ die Misselwardener Heide aufforsten (1903, „Rütherforst“).31 In seine Amtszeit fiel 1896 auch die Gründung der KapG Hymendorf innerhalb der KG Neuenwalde32 und 1910 die Vergrößerung der Klosterkirche. 1909 fand in Hymendorf alle zwei Wochen am Sonntagnachmittag ein Kapellengottesdienst statt.33

Kirche, Kloster, Ansicht von Nordwesten, 1948, aus dem Fotoalbum „Die Kirchen des Sprengels Stade“, 1948, Geschenk der Geistlichen des Sprengels Stade an LSup. Franz Wiebe bei seinem Wechsel nach Göttingen
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Johannes Mindermann (amt. 1929–1938) und P. Wilhelm Stühl (amt. 1939–1950) das Pfarramt Neuenwalde inne. Beide waren laut den Angaben im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ keine Mitglieder der NSDAP und gehörten kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft; zweimal verhaftete die Gestapo P. Stühl (1940 und 1941).34 Zum 1933 neu gewählten KV heißt es im Fragebogen: „Nur kirchl[iche] Männer gewählt, keine DC, keines NSDAP-Mitglieder, KV. hat sich in jeder Weise bewährt“.35 Als SA-Leute 1934 das Missionsfest der KG störten, hätten sich Gemeindeglieder schützend vor die als Redner geladenen Pastoren gestellt und „nur durch das Eingreifen des Ortspastors Pastor Mindermann wurde ein Erschlagen der Eindringlinge verhindert“ schrieb P. Stühl rückblickend. Im Bericht über die Visitation 1944 schrieb der Sup. des KK Wesermünde-Nord. Neuenwalde zeige „ein kirchliches Bild, das mit Hermannsburger Art verwandt ist, traditionell gebunden, jedoch nicht ohne Leben“.36
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Neuenwalde und Hymendorf von 1.550 im Jahr 1939 auf fast 2.530 im Jahr 1951 an.37 Für kath. Geflüchtete fand einmal im Monat eine Messe in der Neuenwalder Klosterkirche statt. Nach Einschätzung des Superintendenten galt die KG Neuenwalde 1974 „nach wie vor als eine der kirchlichsten Gemeinden des Kirchenkreises Wesermünde-Nord“.38 1980 lag die Zahl der Gemeindeglieder bei gut 2.230.39 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielt die Heilig-Kreuz-KG Neuenwalde Kontakte zur Kirchgemeinde Lorenzkirch und Gohlis (nördlich von Riesa).40
Zusammen mit den KG Debstedt, Hymendorf, Langen und Spaden gründete die Heilig-Kreuz-KG Neuenwalde zum 1. Januar 2024 die „Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Wesermünde Nord-West“.41
Umfang
Neuenwalde und Krempel, sowie seit 1953 die ev.-luth. Bevölkerung von Dorumer Moor und Heide (Gemarkung Holßel, vorher KG Dorum).42 Bis 2024 auch das 1829 gegründete Hymendorf (ab 1896 KapG, ab 2024 eigenständige KG).43 Bis 1954 zwei Höfe in Kransburg (dann zur KG Midlum).44 1823 auch Wanhöden, vor 1852 zur KG Altenwalde.45
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat Hadeln-Wursten der Erzdiözese Bremen.46 – Seit 1654 Präpositur Bederkesa.47 Bei der Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden 1827 zur Insp. Bederkesa. 1853 zur Insp. Lehe, 1924 KK Lehe. 1940 zum neuen KK Wesermünde-Nord.48 Seit dessen Fusion mit dem KK Wesermünde-Süd gehört Neuenwalde seit 1. Januar 2013 zum KK Wesermünde.49
Patronat
Das Kloster Neuenwalde. Seit 1648 Melchior von Schlangenfeld als Besitzer des säkularisierten Klosters (1665 bestätigt). 1687 übte die Bremische Ritterschaft das Patronatsrecht aus, es wurde ihr kurz darauf jedoch in einem Gerichtsprozess aberkannt. Seitdem der Landesherr (bis 1871).50
Kirchenbau
Eigentum des Klosters Neuenwalde bzw. der Bremischen Ritterschaft. Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss und Windfang an der Nordseite, unter Einbeziehung älterer Mauerreste erbaut zwischen 1629 und 1634 (Maueranker mit Ziffern 1 und 451), Chorerweiterung 1910. Satteldach, über dem Chor abgewalmt, ziegelgedeckt. Backsteinmauerwerk, Trauffries, geböschte Stützpfeiler am Chor. Am Chor große, Rundbogenfenster, im Westen zweistöckige Fensterordnung (unten kleine, rechteckige Sprossenfenster, oben zweiflügelige, rechteckige Sprossenfenster), großes Rundbogenfenster nach Süden. Im Nordwesten Windfang mit Segmentbogenportal, darüber Inschriftenstein und Kreuzigungsrelief (1508); im Westen der Südseite Emporenaufgang. Im Innern flache Balkendecke, L-förmige Empore an West- und Nordseite. 1695 Emporen erbaut. 1910 Kirche um fünfeinhalb Meter nach Osten verlängert (Architekt: A. Brünjes, Lehe). 1980 Renovierung. 2003–05 Sanierung.
Fenster
Drei figürliche Buntglasfenster (1910): Im Chor links Weihnachtsszene, im Chor rechts auferstandener Christus, Inschrift: „Diederich und Christina von Glahn geborene Heins. Gewidmet von ihrem Sohn Hinrich“, Südfenster im Schiff: segnender Christus; Fenster gestiftet von den Familien von Bergen, von Glahn und Marschalck von Bachtenbrock.
Turm
Vor der Westwand niedriges Glockenhaus (Parallelmauertyp, zwei Mauern) mit vierseitigem Pyramidenhelm, ziegelgedeckt, bekrönt mit Kreuz, erbaut um 1630/40 unter Einbeziehung von Resten des Vorgängerbaus. 1739 erneuert.
Vorgängerbau
Mittelalterliche Kloster- und Pfarrkirche, erbaut etwa ab 1334. 1389 Dach erneuert. Anfang 1500 Klosterkirche anscheinend beschädigt oder zerstört, 1503 Ablass zur Wiederherstellung der Kirche.52 1629 abgebrannt.53
Ausstattung
Blockaltar mit Barockretabel (1690), im Mittelfeld Abendmahlsgemälde (1693, Nikolaus Bernitz, Hamburg), flankiert von gedrehten Säulen, die verkröpftes Gebälk tragen, darüber geschwungener Giebel mit medaillonförmigem Gemälde (Grablegung); seitliches Schnitzwerk; Inschrift an der Predella: „Sculptum Anno 1690. Nicolaus Bernütz pinxit 1693“, am Gebälk drei Wappen mit Beischriften: „J[ungfrau] B[arbara] M[agdalena] v[on] d[er] D[ecken]“, „J[ungfrau] G[ertrud] v[on] d[er] L[ieth]“ und „J[ungfrau] M[etta] M[arie] C[lüverin]“. – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel, farbig gefasst (Ende 17. Jh.), vor den Ecken des polygonalen Kanzelkorbs marmoriert Säulchen, vor den Wandungen Skulpturen der vier Evangelisten; am Schalldeckel Wappen und Name „Judith Maria Lütken“. – Emporenbrüstung mit Säulchen und rechteckigen, floralen Gemälden, Inschrift: „Gott zu Ehren und zu Einer Zierde dieser Kirchen hat dieses Chor lassen anlegen die Hochehrwürdige Wohlgeborne Jungfer Soffia Hedwig Lvtken hiesigen Klosters Würdige Conventualin Im Jahr MDCXCV In welchem Jahr auch dieselbe Neu auferbauet worden“. – Zwei Gitterstühle im Altarraum (Mitte 17. Jh.), Holz. – Hölzerner Opferstock (zweite Hälfte 17. Jh.). – Wappentafel: „Die Ritterschaft des Herzogtums Bremen wurde in den Jahren der Kirchensanierung (2003/2005) von folgenden Familien getragen“, es folgen 21 Wappen und Namen. – Außen: Inschriftentafel über dem Eingang (1508) zur Erinnerung an Propst Nicolaus Minstede (amt. 1484–1507/08): „hic jacet exanimum nicolai corp[us] sepulcro mynstedis augme[n]ta[n]s aureis milibus[que] duobus cenobiu[m] r[e]c[to] nye[n]woldis tranite beat[us] Anno millenoquinge[n]teno sep[tembris] yd[ibus] octo. Tum obiuit diem spiritus diuo lumine psallat“ (Hier liegt der entseelte Leib des Nicolaus Minstede, der dem Kloster Neuenwalde 2.000 [?, wörtlich: 1.002] Gulden stiftete. Da er den rechten Pfad wandelte, ist er selig. Im Jahr 1508, an den Iden des Septembers, damals starb er, sein Geist singe Psalmen im göttlichen Licht).54 – Außen: Grabplatte für P. Andreas Rostock (amt. etwa 1658–1664). – Außen: Grabplatte für Priorin Ottilia Margareth von Marschalk († 1685). – Außen: Grabplatte für Gertrud von der Lieth († 1690 oder 1696). – Außen: Grabplatte P. Valentin Böthe (amt. 1688–1690) und seine Ehefrau Anna Lefers. – Außen: Grabplatte für Anna Sabina von der Kuhla († 1726). – Außen: Drei Grabplatten, Inschriften unleserlich.
Orgel
1791 keine Orgel vorhanden.55 1887 Orgelneubau, ausgeführt von Heinrich Röver (Stade), 10 II/P (HW, OW), mechanische Spieltraktur, pneumatische Registertraktur, Hängeventilladen (Röversche Kastenladen)56; Orgel gestiftet von der Familie von Bergen. 1917 Prospektpfeifen ausgebaut und zu Rüstungszwecken abgegeben, 1956 noch nicht wieder ersetzt (stattdessen rote Tücher im Orgelprospekt, 1977 waren „dünne Holzbrettchen […] auf die Pfeifen gemalt wurden“ vorhanden).57 1983 Orgelrestaurierung, Martin Haspelmath (Walsrode), 10 II/P, mechanische Spieltraktur, pneumatische Registertraktur, Hängeventilladen.58 2007 Instandsetzung, Katrin Haspelmath (Walsrode). Denkmalorgel.
Geläut
Zwei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1833, Gebrüder Bartels, Bremen), Inschriften: „W. v. d. Decken, Praesident und Director. C. v. Issendorf, Priorin. L. Dallmann, Amtmann. C. Schulz, Pastor“, „Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“ (Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Blitze breche ich) und „Gegossen von Gebrüder Bartels in Bremen 1833“, Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und seit Herbst 1947 wieder in Neuenwalde; II: dis’’ (Bronze, Gj. 1791, Johann Philipp Bartels II, Bremen), Inschriften: „Zur Ehre Gottes. D. E. v. Döring Priorin des adelischen Klosters Neuenwalde 1791“ und „Gegossen zu Bremen von Johann Philip Bartels“. – Früherer Bestand: Der Brand im Jahr 1629 zerstörte eine mittelalterliche Glocke, eine zweite blieb erhalten. 1791 zwei Glocken vorhanden, I: (Bronze, Gj. 1641) Inschrift: „Wilhelm Lefers Amtmann, Anno 1641 d. 11ten Nov. Martinus Didichius Pastor“; II: (Bronze), um 1770 geborsten, 1791 umgegossen zu jetziger LG II.59
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus mit Gemeinderäumen (Bj. 1770, umgebaut 1976/77; Eigentum des Klosters Neuenwalde bzw. der Bremischen Ritterschaft).
Friedhof
Kommunale Friedhöfe in Krempel und in Neuenwalde (am westlichen Ortsrand, angelegt 1834).
Liste der Pastoren (bis 1940)
1598 Oswald Brüggemann.60 – 1636–1639 Johann Lastorf. – 1639–1659 Martin Didigius (Didich). – 1659–1664 Andreas Rostock. – 1665–1679 Herbert von Schapern. – 1679–1681 Johann Kaspar Willing (Willinges). – 1681–1687 Johann Moritz Schultze. – 1688–1690 Magister Valentin Böthe. – 1692–1704 Johann Georg Koch. – 1705–1727 Magister Gabriel Max Berger. – 1728–1748 Johann Christoph Loth. – 1748–1757 Hector Daniel Wolf. – 1757–1769 Johann Christoph von Hanffstengel. – 1769–1783 Georg Tobias Zeidler. – 1785–1803 Friedrich Wilhelm Karl Wilken. – 1803–1805 Melchior Bernhard Hannsteden. – 1807–1830 Diedrich Christian Lange. – 1831–1843 Georg Christian Manuel Schulze. – 1843–1852 Christian Heinrich Colpe. – 1852–1871 Hermann Kedenburg. – 1871–1885 Karl Johann Gustav Brünjes. – 1886–1891 Jürgen Fitschen. – 1892–1911 Gustav Heinrich Christian Rüther. – 1911–1924 August de Boer. – 1924–1928 Friedrich Arnold Otto Ernst Elster. – 1929–1938 Johannes Heinrich Mindermann. – 1939–1950 Wilhelm Stühl.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 185–186
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 2 Nr. 1072–1077 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 572 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 5954–5957 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 306
(CB); A 9 Nr. 2546
, 2557
, 2558
, 2706
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 2195–2196 (Baupflege und Bauwesen); D 63 (EphA Wesermünde-Nord); E 5 Nr. 0776 (Konsistorialbaumeister); L 5g Nr. 242, 923 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1776 (Presseausschnittsammlung); S 01 H III Nr. 820 Anhang (Kirchenkampfdokumentation); S 11a Nr. 7531 (Findbuch PfA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1681
Trauungen: ab 1682
Begräbnisse: ab 1681
Kommunikanten: ab 1837 (Lücken: 1845–1851, 1896–1907; Zahlenregister: 1728–1836)
Konfirmationen: ab 1831
Literatur & Links
A: 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 50–51; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 225–227; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 973; Dolle, Klosterbuch III, S. 1073–1083; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 165–177; Körtge, Kirchenglocken, S. 193; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 70; Pape, Haspelmath, S. 166; Talkenberger, Quellen, S. 274; Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 124–126.
B: UB Neuenwalde; 666 Jahre Neuenwalde. 1334–2000. Festschrift, Neuenwalde 2000; Dirk Behrens: Kloster Neuenwalde. Zur Geschichte des ehemaligen Nonnenklosters und heutigen Damenstiftes Neuenwalde, Stade 1993; Sabine Graf: Die Einführung der Reformation im Kloster Neuenwalde, in: Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 99 (2001), S. 101–122; Hans-Joachim Hinners & Erika Friedrichs: Familienbuch des alten Klosterortes Neuenwalde. Die Einwohner der Dörfer Neuenwalde, Krempel und Hymendorf von 1681 bis 1900 (= Deutsche Ortssippenbücher, Reihe B, 165), Neuenwalde 1998; Joachim Köhler: Heilig-Kreuz-Kirche. Kloster Neuenwalde, Bad Bederkesa 2014; Erich von Lehe: Neue Beiträge zur Geschichte des Benediktiner-Nonnenklosters Neuenwalde vor seiner Reformation, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 39 (1958), S. 65–74; Johann Hinrich Pratje: Nachrichten von dem adlichen Jungfrauenkloster Neuenwalde Herzogthums Bremen. Samt einer Anzeige der Generalkirchenvisitation in der Neuhäusischen Probstey, und Synoden in dem Beverstedter und Osterstadischen Kirchenkreise, Stade 1758 [Digitalisat]; Heinrich Rüther, Geschichte des Klosters Neuenwalde, Otterndorf 1950; Ruth Specht: Verwalter und Förderer des Klosters. Gedächtnistafel für Propst Nicolaus Mynstede in Neuenwalde entziffert, in: Zwischen Elbe und Weser 28,4 (2009), S. 7–8 [online]; Robert Wöbber: Seelsorger und Heimatforscher. Erinnerung an Heinrich Rüther aus Neuenwalde, in: Zwischen Elbe und Weser 25,4 (2006), S. 20–21 [online]; Robert Wöbber & Friedel Dohrmann (Red.): Festschrift Neuenwalde. 1334–1984, Bremerhaven 1984, bes. S. 89–93.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Denkmalatlas Niedersachsen: Heilig-Kreuz-Kirche, Kirche, Klosteranlage, Stiftsgebäude; Nomine (Norddeutsche Orgelmusikkultur in Niedersachsen und Europa): Orgel; Wikipedia: Heilig-Kreuz-Kirche (Neuenwalde).
GND
10021178-1, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Neuenwalde; 1240924682, Heilig-Kreuz-Kirche (Geestland).
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 47.
- UB Neuenwalde, Nr. 46.
- Ehrhardt, Donationen und Reduktionen, S. 80.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1075.
- LkAH, L 5g, Nr. 242 (Visitation 1968).
- Dolle, Klosterbuch, S. 1073 ff.; vgl. auch Niedersächsische Klosterkarte. Behrens, S. 10 ff.; Rüther, S. 5 ff.
- UB Neuenwalde, Nr. 48; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 165.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1076.
- Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 125; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 165. Liste der Pröpste in Dolle, Klosterbuch, S. 1082.
- UB Neuenwalde, Nr. 62.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1081; UB Neuenwalde, Nr. 150 und Nr. 161.
- UB Neuenwalde, Nr. 182; Behrens, S. 21
- UB Neuenwalde, Nr. 190–192, Nr. 194, Nr. 196.
- UB Neuenwalde, Nr. 191, Nr. 203–204.
- UB Neuenwalde, S. 12.
- UB Neuenwalde, S. 323 (Güterregister II, Nr. 28).
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7, resümiert: „beinahe das ganze Erzstift“ wurde lutherisch; Otte ist vorsichtiger und hält fest, es bleibt „für diese Jahre weiterhin schwierig zu beurteilen, ob der einzelne Prediger evangelisch predigte oder altgläubig“, da die Pfarrer – nicht zuletzt mit Blick auf Erhalt der eigenen Pfründe – mitunter „zweideutig“ agierten (Dannenberg/Otte, Reformation, S. 32). Für einen knappen Überblick zur Reformation im Erzstift Bremen vgl. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7 ff. sowie die Beiträge in Dannenberg/Otte, Reformation.
- Dannenberg/Otte, Reformation, S. 38.
- Graf, S. 103 f. Vgl. zur Reformationszeit Lehe, in: Rüther, S. 36 ff.
- Graf, S. 103.
- Lehe, in Rüther, S. 42 f. Die Information stammt aus Zeugenaussagen in einem Prozess, den ab 1600 die Stadt Bremen gegen das Kloster Neuenwalde führte; Gegenstand des Streits waren Fragen der Gerichtshoheit.
- Graf, S. 109 f. und S. 117. Vgl. zudem Lehe, in: Rüther, S. 44.
- Graf, S. 113 ff.; Haake, Säkularisation, S. 44.
- Ehrhardt, Donationen und Reduktionen, S. 80.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1075.
- Pratje, S. 37 f. [Digitalisat].
- UB Neuenwalde, S. 17; Pratje, S. 31 f. [Digitalisat].
- LkAH, A 8 Nr. 306 [Digitalisat, Aufnahme 4].
- LkAH, A 8 Nr. 306 [Digitalisat, Aufnahme 5].
- Wöbber & Dohrmann, S. 93.
- Zu Rüther vgl. Wöbber, S. 20 f.
- KABl. 1896, S. 4
- Ahlers, Pfarrbuch (1909), S. 154.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 821, Bl. 12. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
- Dies und das folgende Zitat: LkAH, S 1 H III, Nr. 821, Bl. 12.
- LkAH, L 5g, Nr. 242 (Visitation 1944).
- LkAH, S 1 H III, Nr. 821, Bl. 12; LkAH, L 5g, Nr. 242 (Visitation 1951).
- LkAH, L 5g, Nr. 242 (Visitation 1974).
- LkAH, L 5g, Nr. 242 (Visitation 1980).
- LkAH, L 5g, unverz., Neuenwalde, Visitation 1988. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- KABl. 2023, S. 85 ff.
- KABl. 1953, S. 43.
- KABl. 2023, S. 85 ff.
- KABl. 1954, S. 114; vgl. auch Wagner, Entwicklung, S. 243.
- Ubbelohde, Repertorium, Abt. 4, S. 26; Ringklib, Übersicht 1852, S. 205.
- Hodenberg, Stader Copiar, S. 54 [Digitalisat].
- 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 9.
- KABl. 1940, S. 54.
- KABl. 2012, S. 311 f.
- UB Neuenwalde, S. 17; Pratje, S. 31 f. [Digitalisat].
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1080.
- UB Neuenwalde, Nr. 182; Behrens, S. 21.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1080.
- Specht, S. 8.
- LkAH, A 8 Nr. 306 [Digitalisat, Aufnahme 5].
- Skiebe, Röver, S. 53 und S. 13.
- LKA, G 9 B/Neuenwalde Bd. I, Bl. 6 und Bl. 29.
- Pape, Haspelmath, S. 166.
- LkAH, A 8 Nr. 306 [Digitalisat, Aufnahme 7].
- Graf, S. 109.





