Bis 2024 KapG der KG Neuenwalde | Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: – | KO: keine Kirchenordnung
Im Jahr 1829 ließen sich die ersten Siedlerfamilien in der neu angelegten Moorkolonie Hymendorf nieder, die beidseitig des Moordamms insgesamt 40 Anbauplätze zählte.1 Fünf Jahre später lebten hier zehn Familien. Anfang der 1840er Jahre war „die Lage der Kolonisten derart trostlos geworden, daß die Landdrostei Stade ernstlich an eine Aufhebung der Kolonie dachte“; sie gab den Plan jedoch auf, da „alsdann die Regierung sämtliche Kolonistenfamilien zu ernähren“ hätte.2 Hymendorf gehörte zum Amt Bederkesa im Kgr. Hannover. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel das Dorf 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Hymendorf zum Kr. Lehe, der 1932 im Lkr. Wesermünde aufging; dieser wiederum ging 1977 im neuen Lkr. Cuxhaven auf. 1974 wurde Hymendorf nach Langen eingemeindet; seit 2015 ist die ehemalige Moorkolonie Ortsteil der neuen Stadt Geestland. Im Jahr 1833 lebten rund gut 40 Menschen in Hymendorf, 1925 knapp 300, 1950 etwa 470 und 2017 fast 500.
Kirchlich gehörte die kleine Moorkolonie zunächst zum Kirchspiel Debstedt.3 Da dort „nicht genügend Kirchstühle“ vorhanden waren, endete diese Zugehörigkeit 1837. Die Kolonistenfamilien besuchten fortan ein Jahrzehnt lang den Gottesdienst in Neuenwalde, ohne formal in diese Parochie eingepfarrt zu sein. Seither fanden die Gottesdienste in Hymendorf selbst statt: Alle zwei Wochen kam der Pastor aus Neuenwalde, an den übrigen Sonntagen las der Hymendorfer Lehrer eine Predigt vor (Lesegottesdienst).4 Erstmals kam P. Christian Heinrich Colpe (amt. 1843–1852) am 10. Januar 1847 in das kleine Moordorf, hielt einen Gottesdienst in der Diele des Anbauers Claus Ropers und taufte anschließend den zwölf Tage zuvor geborenen Berend Jürgens im Haus seiner Eltern. Seit 1850 fanden die Gottesdienste im neu errichteten Schulhaus statt; der Fachwerkbau trug die Hausinschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. 29. Juny 1850“.5 Seit 1853 führte das Neuenwalder Pfarramt eigene Kirchenbücher für Hymendorf. In den 1880er Jahren schenkte die Bremerhavener Kreuz-KG Hymendorf einen Altar, P. Heinrich Rüther (amt. 1892–1911) beschaffte 1900 eine kleine Glocke.6 Seit 1888 besteht in Hymendorf ein Posaunenchor.
Zum 1. April 1896 regelte das Konsistorium Stade die kirchlichen Verhältnisse neu und errichtete innerhalb der KG Neuenwalde die KapG Hymendorf.7 Am 19. April wählte die neue Gemeinde ihren Kapellenvorstand. Drei Jahre später erbaute Hymendorf ein neues Schulgebäude, das gleichzeitig als Kapelle diente. Als Altarraum erhielt es an der Nordseite einen Standerker mit schlankem Dachreiter. Der Hymendorfer Lehrer versah weiterhin Küster- und Organistendienste und hielt alle zwei Wochen einen Lesegottesdienst. Auch die Abtrennung dieser kirchlichen Dienste von der Schulstelle im Jahr 1920 und das Ende der organischen Verbindung von Schul- und Kirchenamt im April 1930 änderte daran nichts. Erst seit 1953 hielten die Hymendorfer Lehrer keine Lesegottesdienste mehr.
Im Jahr 1963 erwarb die Kapellengemeinde Hymendorf das Schulgebäude, das seit Herbst 1967 nur noch als Kapelle dient. Im Jahr 1990 lag die Zahl der Gemeindeglieder bei 350, Gottesdienste fanden alle zwei Wochen statt.8 Zusammen mit den KG Debstedt, Langen, Neuenwalde und Spaden gründete die KapG Hymendorf zum 1. Januar 2024 die „Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Wesermünde Nord-West“.9 Gleichzeitig erhob das LAK Hannover die bisherige KapG zur „Ev.-luth. KG Hymendorf“ (Ortskirchengemeinde in der Gesamtkirchengemeinde).
Umfang
Hymendorf.
Aufsichtsbezirk
Mit Gründung der KG 2024 zum KK Wesermünde.
Kirchenbau
Rechteckbau mit Standerker an der Nordseite, errichtet 1899 (als Schule), 1993 vergrößert. Satteldach, über dem Standerker Krüppelwalmdach und vierseitiger Dachreiter mit hoch ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kreuz. Fachwerk, Ausfachung verputzt. Rechteckige Sprossenfenster; hochrechteckige Fenster an den Schmalseiten des Standerkers, an seiner Nordseite Inschriftentafel: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang, Psalm 111,10“; Portal nach Norden. Im Innern flache Decke, Segmentbogen vor Altarnische; Altarnische mit Schiebetür abtrennbar. 1963 KapG kauft Schule (bislang war nur der Altarraum kirchliches Eigentum); seit Ende des Schuljahrs 1966/67 nicht mehr als Schule genutzt.10 1977 Innenrenovierung. 1991/92 Kapelle saniert und nach Osten vergrößert.
Turm
Nordöstlich der Kapelle offener, hölzerner Glockenträger mit vierseitigem Pyramidenhelm (ziegelgedeckt), erbaut 1972.
Ausstattung
Kastenförmiger Holzaltar, farbig gefasst; hölzernes Retabel mit Gipsfiguren, farbig gefasst (1880er Jahre); im Mittelfeld Vierpass mit Gipsrelief des thronenden Christus’, in den Ecken Symbole der vier Evangelisten; in den Seitfeldern je zwei wimpergbekrönte Nischen mit jeweils einer Prophetenfigur; der Altar war ein Geschenk der ev.-luth. Kreuzkirchen-KG Bremerhaven. – Hölzernes Lesepult. – Hölzerner Taufständer. – Wandkruzifix, ursprünglich Teil des Altarretabels.
Orgel
Lehrer Johann Heinrich Engelhard (amt. 1876–1897) erwarb ein Harmonium, das er der Gemeinde zur Verfügung stellte.11 1904 kaufte die KapG ein Harmonium, kurze Zeit später gegen ein Harmonium der Firma Magnus Hofberg eingetauscht. 1950 neues Harmonium gekauft, Firma Müller (Werdau). 1989 elektronische Orgel vorhanden, Firma Philipps, 16 II/P. 1992 Elektronium erworben, Viscount Classic 3500, 24 II/P.
Geläut
Eine LG, b’’ (Bronze, Gj. 1873, Carl Friedrich Voß, Stettin), Inschrift: „Berlin-Hamburger Eisenbahn, gegossen von C. Voß in Stettin 1873“; seit 1900 in Hymendorf, zunächst in einem Glockenerker am Giebel des alten Schulhauses angebracht, seit 1972 im hölzernen Glockenträger neben der Kapelle.
Friedhof
Ehemals kirchlicher Friedhof (Eigentum der KapG), 1972 an die politische Gemeinde abgegeben, mittlerweile in Trägerschaft der Stadt Geestland; FKap (Bj. 1971).12
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 2 Nr. 1076/02 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 572 (Spec. Landeskons.); D 63 (EphA Wesermünde-Nord); S 09 rep Nr. 1490 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7531 (Findbuch PfA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1853
Trauungen: ab 1853
Begräbnisse: ab 1853
Kommunikanten: ab 1876
Konfirmationen: ab 1876
Taufen, Trauungen, Begräbnisse anfangs zum Teil in den Kirchenbüchern von Debstedt. Taufen, von 1834–1852 siehe Neuenwalde.
Literatur
A: 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 38–39; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 224; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 109–111.
B: Hans Hitzwebel: Chronik von Hymendorf (= Neue Reihe der Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern 4) Bremerhaven 1979, bes. S. 85–90.
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Hitzwebel, S. 33 ff.
- Hitzwebel, S. 64.
- Zum Folgenden: Hitzwebel, S. 85 ff.
- Schulunterricht fand in Hymendorf seit 1833 statt (Winterschule), vgl. Hitzwebel, S. 77 ff.
- Hitzwebel, S. 79.
- Hitzwebel, S. 88.
- KABl. 1896, S. 4.
- 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 39.
- KABl. 2023, S. 85 ff.
- Hitzwebel, S. 84.
- Hitzwebel, S. 87.
- Hitzwebel, S. 89.