Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Als Projekt des sozialen Wohnungsbaus begann 1968 das „Demonstrativbauvorhaben Holtenser Berg“ am nordwestlichen Rand von Göttingen. Es entstanden 1.400 Wohneinheiten für 5.000 Menschen.1 In den Unterlagen zur Visitation 1994 heißt es, der Holtenser Berg sei „ein sozialer Brennpunkt, gekennzeichnet von hoher Arbeitslosigkeit, hoher Zahl von Sozialhilfeempfängern, vielen unvollständigen Familien“.2
Die kirchliche Betreuung der neuen Großwohnsiedlung übernahm zunächst die Friedenskirchengemeinde Göttingen (formal gehörte das Gebiet bis 1985 zur KG Holtensen3). Die erste Geistliche auf dem Holtenser Berg war Pn. Ingrid Lindner (amt. 1970–1972, Hilfsgeistliche, Pn. der Landeskirche); als erste kirchliche Einrichtung eröffnete die Gemeinde im September 1973 einen ev. Kindergarten. Der Holtenser Berg bildete den zweiten Pfarrbezirk der Friedens-KG; die 1972 errichtete Pfarrstelle übernahm als erster P. Dietrich Schreckenbach (amt. 1972–1973), gefolgt von P. Harald Klemm (amt. 1974–1980).4
Die Planungen für kirchliche Gebäude fassten anfangs ein ökumenisches Gemeindezentrum für ev.-luth., ev.-ref. und kath. Gemeinde ins Auge.5 Die kath. Gemeinde zog sich aus dem Vorhaben zurück, die ev.-ref. Gemeinde hingegen beteiligte sich an den Baukosten für das „Kirchliche Kontaktzentrum Holtenser Berg“, das am ersten Advent 1974 eröffnet wurde. Der Name des modernen Flachbaus war „in seiner funktionalen Bedeutung bezeichnend für jene Zeit“ schrieb P. Gerhard Mercker (amt. 1952/54–1979) von der Friedensgemeinde rückblickend.6 Die Gemeinde wollte mit dem Gemeinschaftshaus ein „Zentrum sozialen, kulturellen, geselligen und religiösen Lebens schaffen, das grundsätzlich allen Bewohnern des Holtenser Berges offen stehen soll“.7
Zum 1. Juli 1987 schied der Holtenser Berg aus der Friedens-KG aus; das LKA Hannover errichtete die eigenständige „Ev.-luth. Bethlehem-KG Göttingen“.8 Von ihrer Muttergemeinde übernahm sie den Kindergarten und eine Pfarrstelle. Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1994 bei rund 2.000.9 Die Bethlehemgemeinde hat ein deutlich ausgeprägtes sozial-diakonisches Profil, so zählen etwa Beratungsstellen (Erziehungsberatung, Familienberatung, Sozialberatung) oder Deutschkurse zu ihren Angeboten. Seit 2003 unterstützt die „Stiftung Bethlehemgemeinde Holtenser Berg“ die gemeindliche Arbeit. Im Jahr 2014 trat die Bethlehem-KG dem „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-West“ bei, der die Trägerschaft der Bethlehem-Kita übernahm (2026 erweitert und umbenannt in „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).10 Seit 2023 gehört sie zum „Ev.-luth. KGV Göttingen-West“.11 2024 zählte die KG rund 1.050 Gemeindeglieder.
Umfang
Wohngebiet Holtenser Berg in der Stadt Göttingen.
Aufsichtsbezirk
Mit Errichtung der KG 1987 zum KK Göttingen-Stadt. Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.12 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.13
Kirchenbau
Kirchsaal im Gemeindezentrum. Mehrteiliger, moderner Bau mit Flachdächern, errichtet 1973/74. 2000 Renovierung und Umgestaltung.
Ausstattung
Schlichter Altartisch. – Vierteiliges Altarbild mit Landschaftsdarstellungen (2002, Cornelia Kaubisch, Göttingen), Wüste, Berg, Meer und das verheißene Land.
Orgel
1994 gebrauchte Orgel aus der ev. KG Mainz-Hechtsheim erworben, erbaut 1968 von Firma Gebrüder Oberlinger (Windesheim), 11 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1996 Änderung der Disposition, Siegfried Bürger (Braunschweig).
Geläut
Kein Geläut.
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. 1969).
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
S 09 rep Nr. 1140 (Presseausschnittsammlung).
Literatur
A: Bielefeld, Orgeln, S. 73–74.
B: Richard Engelhardt: Die vier evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in der Weststadt, in: 100 Jahre Göttingen und sein Museum. Texte und Materialien zur Ausstellung im Städtischen Museum und im Alten Rathaus, Göttingen 1989, S. 187–196; Gerhard Mercker: Es begann 1952… Eine evangelische Kirchengemeinde im gesellschaftlichen Wandel der Zeit, Göttingen 1986, ²2006, bes. S. 97–106.
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Böhme, Denecke u. a., Göttingen III, S. 310.
- LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Bethlehem, Visitation 1994.
- KABl. 1985, S. 2.
- KABl. 1972, S. 7.
- Mercker, S. 97.
- Mercker, S. 98.
- Zit. bei Engelhardt, S. 194.
- KABl. 1987, S. 95 f.
- LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Bethlehem, Visitation 1994.
- KABl. 2013, S. 216; KABl. 2025, S. 275.
- KABl. 2023, S. 126 ff. Zum KGV zählen die Gemeinden Bethlehem, Elliehausen, Hetjershausen, Holtensen, Jona, St. Petri (beide 2024 fusioniert zur KG Grone) und Weststadt.
- KABl. 2000, S. 150 f.
- KABl. 2022, S. 189 ff.