Sprengel Osnabrück, KK Syke-Hoya | Patrozinium: Willehad (seit 1961) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Eystrup wird als Estorpe 1025 erstmals erwähnt. Mit der Gft. Hoya kam es 1582 unter welfische Herrschaft. Das adelige freie Gut befand sich 1576 im Besitz der von Fulde, fiel später im Erbgang an die von Prettlach und wurde 1687 an den holsteinischen Kammerjunker Johann Caspar von Bequer veräußert.1 Seither häufig wechselnde Besitzer.
Die wohl von Bremen aus gegründete Kirche erscheint 1179 (ecclesiam parochialem Estorp) in der Bestätigungsurkunde Papst Alexanders für das Bremer Stift.2 1380 wird das Kerspel zu Eystrup erwähnt. Die Einführung der Reformation wurde in der Gft. Hoya in den 1530er Jahren vollzogen Als erster nachref. P. gilt Siegfried Ziegler († 1576). Ein Küster wird 1616 im Kirchenbuch erwähnt.
P. Justus Wilhelm Dannemann (amt. 1820-1854) befasste sich mit religionspädagogischen Fragen und veröffentlichte dazu einen Aufsatz in den Vierteljährlichen Nachrichten.3 Gegen Ende seiner Amtszeit begann der wirtschaftliche Aufschwung der Gemeinde. Der Bau der Hauptbahn Wunstorf–Bremen (1847) zog Industriebetriebe (Senf- und Marmeladenfabrik) an, durch die Eystrup seinen bisher ausgesprochen ländlichen Charakter verlor. Eine Gemeindeschwester übernahm ab 1893 sozial-diakonische Aufgaben. Der Kirchenkampf hatte mit Ausnahme einer größeren Kundgebung der BK kaum Auswirkungen auf die Gemeinde. Nachteilig auf Kirchenbesuch und Gemeindeleben wirkte sich dagegen die veränderte Bevölkerungsstruktur aus: Mit 3,6 Prozent Kirchenbesuchern im Wochendurchschnitt galt Eystrup 1959 als die unkirchlichste Gemeinde im Kirchenkreis, verfügte aber über einen „lebendigen Gemeindekern“ und eine erfolgreiche Jugendarbeit.4
Zur KG gehörte bis 1992 die KapG Haßbergen. Sie wurde am 1. Mai 1992 verselbständigt, blieb jedoch mit Eystrup pfarramtlich verbunden. Zum 1. Januar 2012 wurde die Verbindung um die KG Hassel erweitert und die zweite Pfarrstelle Eystrup/Haßbergen mit der von Hassel zu einer einzigen Pfarrstelle zusammengelegt.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Juli 19695 (seit 1. April 1961 Pfarrvikarstelle6, Sitz in Haßbergen).

Umfang

Die Dörfer Alhusen, Anderten, Dornhausen, Eystrup, Gandesbergen, Haßbergen, Hohenholz und Mahlen; das Vorwerk Hämelsee und der Hof Hoppe. Wegen der großen Entfernung vom Kirchort wurde mit dem 1. Oktober 1904 die Ortschaft Anderten mit Hämelsee und Andertenburg nach Heemsen umgepfarrt.7 Die KapG Haßbergen wurde mit dem 1. Mai 1992 abgetrennt und verselbständigt. Die KG umfasst heute noch Eystrup, Mahlen, Gandesbergen und Teile von Hämelhausen.

Aufsichtsbezirk

Praepositur S. Willehadi der Erzdiözese Bremen. – Nach der Reformation zur Insp. Nienburg der Gft. Hoya; bei deren Teilung in den 1580er Jahren zur Insp. Nienburg; 1747 in die Insp. (1924: KK) Hoya umgegliedert (1. Januar 2001 mit dem KK Syke zum KK Syke-Hoya vereinigt).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Kirche am Rand des Dorfes. Das Schiff mit verputztem Mauerwerk auf Werksteinsockel ist im Kern noch romanisch. Mitte des 18. Jh. wurde der Bau barock umgestaltet. Krüppelwalm an der Ostseite. Das ursprüngliche Gewölbe wurde 1750-52 durch eine geputzte, durchgehende, hölzerne Tonne ersetzt. Doppelgeschossige Emporenanlage an Nord-, Süd- und Westseite (1757). 1957/58 Umgestaltung des Innenraums mit Teilrückbau der Emporen. Erneute Renovierung 1987/88.

Turm

Romanischer Westturm aus Raseneisensteinquadern, das Erdgeschoss im 15. Jh. eingewölbt; zum Saal im Rundbogen geöffnet. Nach Brand (Blitzschlag) 1884 neu aufgeführt. Pyramidenhelm.

Ausstattung

Kanzelaltar im Rokokostil (1750-52). – Pokalförmige Taufe mit Beschlagwerk und Engelsköpfen (1599), Deckel aus Messing.8 – Im Vorbau Gedenktafeln für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. – Mehrere Grabsteine an der Außenwand.

Orgel

Eine Orgel war 1850 bereits vorhanden und wurde in diesem Jahr instand gesetzt. Nach dem Konkurs der Firma P. Furtwängler & Söhne (Elze) kaufte der KV 1884 aus Königslutter mit Unterstützung des Majors von Kronenfeldt in Doenhausen eine von der Firma gebaute Interimsorgel und ließ sie nach Eystrup überführen.9 Später erhielt die Kirche einen Orgelneubau der Firma Steinmann (Vlotho), II/P, pneumatische Traktur. 1959-61 Neubau auf der oberen Westempore durch Firma Paul Ott (Göttingen), 23 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen.10 Disposition von KMD Alfred Hoppe (Verden). 2006 Instandsetzung und Umbau durch Orgelbauwerkstatt Heiko Lorenz (Wilhelmshaven), noch 21 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.11

Geläut

Zwei LG, I: h; II: d’ (beide Gussstahl, Gj. 1925, Bochumer Verein). – Eine SG in fis’’ (Bronze). – Früherer Bestand: 1664 stiftete Friedrich von Fulde als Besitzer des Ritterguts in Eystrup 20 Reichstaler für die Beschaffung einer neuen Glocke. Eine kleinere Glocke wurde 1895 umgegossen.

Weitere kirchliche Gebäude

Altes Pfarrhaus (anderthalbgeschossiger Ziegelverblendbau, Bj. 1802), 1969 durch Brand zerstört. Neubau eines Pfarr- und Gemeindehauses 1970.

Friedhof

Friedhof in Eystrup auf dem Kirchhof; um 1915 und 1960 erweitert. Zweiter Friedhof in der Hämelheide. Eigentum der KG. 1954 wurde das 1890 errichtete Mausoleum der Familie von Kronenfeldt in Eystrup durch die KG erworben und zur FKap umgebaut.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3297-3312 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 547 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2394-2404 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 683-686 (Visitationen); D 7 (EphA Hoya).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 463; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 187; Gade, Gft. Hoya und Diepholz I, S. 346-350; Rödiger, Kirchen im Hoyaer Land, S. 36-40.
B: Ein Dorf im Wandel der Zeiten, [Eystrup 1995].


Fußnoten

  1. Neubert-Preine, Rittergüter, S. 86 f.
  2. UB Hoyer VIII, Nr. 27.
  3. Rotermund, Das gelehrte Hannover II, S. 678.
  4. LkAH, L 5a, Nr. 10 (Eystrup, Visitation 1959, Bericht von Sup. Tidow).
  5. KABl. 1969, S. 156.
  6. KABl. 1961, S. 22; LkAH, D 7, Spec. Eystrup 102.
  7. KABl. 1904, S. 41 f.
  8. Mathies, Taufbecken, S. 122.
  9. LkAH, D 7, Spec. Eystrup 5131.
  10. LkAH, B 2 G 9 B/Eystrup (Orgelabnahmeprüfung, 04.07.1961).
  11. Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 76.