Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Petrus | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Ersterwähnung 990 in einer Schenkungsurkunde Ottos III. zugunsten seiner Schwester Sophia als Hadiluingarod […] in pago Lisgouue.1 Später welfischer Besitz (Fsm. Grubenhagen, Amt Herzberg). Auf die Existenz einer Kirche lässt sich erstmals aus einer Urkunde des Gf. Heidenreich von Lutterberg aus dem Jahr 1228 schließen, in der mit Rudolff plebanus in Eluelingerode auch der erste namentlich bekannte Geistliche erwähnt wird.2 Um 1250 erscheint ein H. sacerdos de Helwelinherod als Zeuge3, als weitere Geistliche 1270 der Priester Henrich in Helwelingerode, 1303 – in einer Urkunde des Klosters Katlenburg – der Pleban Hermann. Wohl 1354 führte Johann von Westenem, Pfarrer zu Elbingerode, bei Papst Innozenz VI. darüber Klage, dass er seiner Pfarrkirche beraubt worden und durch den Pfarrer Konrad Rasoris ersetzt worden sei.4 Als letzter altgläubiger Pfarrer erscheint um 1523 Heinrich Wiesen.
Elbingerode war wohl unter den ersten grubenhagenschen Kirchorten, in denen nach der luth. Lehre gepredigt wurde, denn Hzg. Philipp I. ließ sich und seine Familie auf Schloss Herzberg durch den auf der Universität Erfurt ausgebildeten Elbingeröder Pfarrer Andreas Brinkmann († 1561) im luth. Bekenntnis unterrichten. 1534 trat Philipp zur neuen Lehre über. Nach Brinkmanns Tod folgte Valentin Hoffmann (1567 als Pfarrer genannt). 1617 führten die GSup. Johannes Arnd (Celle) und Conrad Steinmann (Herzberg) eine Generalvisitation durch.5
Nach 1519 wurde Elbingerode mater combinata der St.-Nicolai-KG in Hörden, die zuvor dem in der Reformationszeit aufgehobenen St.-Jacobi-Kloster in Osterode inkorporiert war. 1670 wird Elbingerode als mater, Hörden als filia bezeichnet.6 Der für beide Gemeinden zuständige Pfarrer nahm seinen Dienstsitz im Elbingeröder Pfarrhaus. Auch die gemeinschaftliche Schule befand sich zunächst in Elbingerode. Erst ab 1670 gab es auch in Hörden eine Küsterschule.
Standort der mittelalterlichen Kirche war im sogenannten Alten Dorf. Wann das massive KGb errichtet wurde, ist unbekannt. Wegen Baufälligkeit wurde es 1747 abgebrochen und an neuem Standort gegenüber dem Edelhof die heutige Fachwerkkirche erbaut.7
Unter den P. der nachref. Ära ragt Friedrich Wilhelm Block (amt. 1768–1806) heraus, früher Feldprediger im Siebenjährigen Krieg und P. zu Fürstenhagen, der sich mit biblischer Exegese, Dogmatik und Moral beschäftigte.8
P. Walter Schlie (amt. 1934–1962) war Mitglied der BK und erlitt unter dem NS-Regime mehrfach Repressionen (Verhör durch die Gestapo; Redeverbot außerhalb des kirchlichen Raums). Der Visitationsbericht von 1968 attestierte der Gemeinde noch den „Charakter eines Bauerndorfes“, ganz im Gegensatz zur Filialgemeinde in Hörden, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg bereits zur Pendlergemeinde für Industriearbeiter aus Herzberg entwickelt und hinsichtlich der Einwohnerzahl die Muttergemeinde überflügelt hatte (Elbingerode: etwa 340, Hörden: etwa 1.110 Gemeindeglieder). Elbingerode (abgesehen von den Diasporagemeinden des Eichsfelds) war noch 1974 stark von der kirchlichen Tradition geprägt.9 In politische Beziehung wurden bei der Gebietsreform von 1972 Elbingerode und Hörden selbständige Gemeinden der Samtgemeinde Hattorf am Harz, während das Außendorf Düna als Ortsteil der Stadt Osterode eingegliedert wurde. Die kirchlichen Strukturen blieben jedoch unverändert.
Seit 2008 besteht zur Unterstützung des Gemeindelebens der Förderverein „Unsere Kirche lebt“ für die KG Elbingerode und Hörden.

Umfang

Die Dörfer Elbingerode und Hörden, die Ziegelhütte, das Vorwerk Düna und das Wirtshaus Aschenhütte.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Berka10) der Erzdiözese Mainz. – Nach Einführung der Reformation der Suptur./General-Suptur. des Fsm. Grubenhagen mit Sitz in Osterode unterstellt. 1. Dezember 1868 in die Insp. (ab 1924: KK) Herzberg umgegliedert.11 Seit 1. Januar 2013 zum KK Harzer Land.

Patronat

Das Kloster Pöhlde12; später, wohl nach der Vereinnahmung der Klostergüter durch Hzg. Philipp I. von Braunschweig-Grubenhagen (1533), der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Fachwerksaalkirche (1750/51) mit im Westen abgewalmtem Dach. U-förmige Empore. Flache Bretterdecke.

Turm

Über der Ostseite der Kirche ein achtseitiger, verschieferter Dachreiter mit welscher Haube.

Ausstattung

Schlichter, spätbarocker/klassizistischer Kanzelaltar. – Barocker hölzerner Taufständer mit Taufschale aus Zinn (nach 1751). – Pastorenporträt des 18. Jh.

Orgel

Die Gemeinde kaufte 1868 eine gebrauchte, 1856 durch Friedrich Schulze (Paulinzella) erbaute Orgel mit klassizistischem Prospekt aus der St.-Georg-Marien-Kirche in Ilfeld an; 7 I/P, mechanische Traktur. 1943 Ausbau der stummen Prospektpfeifen. 1961 Umbau durch Gebrüder Krell (Duderstadt). 1990 Restaurierung (u. a. Wiederherstellung des historischen Prospekts) durch Albrecht Frerichs (Göttingen), 7 (davon eine Transmission im Pedal) I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: a’; II: h’ (beide Bronze, Gj. 1974, Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher). – Eine SG: a’’ (Bronze, um 1500). – Früherer Bestand: Beim Neubau der Kirche (1750/51) waren die Glocken des Vorgängerbaus (deren größte von 1652 oder 1452) übernommen worden. Neu- bzw. Umgüsse sind 1818 und 1836 belegt. Die 1836 gegossene LG wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben. An ihrer Stelle erhielt die Kirche 1927 eine Eisengussglocke in g’ der Firma Ulrich & Weule (Apolda/Bockenem). Weitere Abgabe wohl im Zweiten Weltkrieg. Eine weitere Eisenhartgussglocke in h’ 1948 von J. F. Weule.13 Beide wurden 1974 durch Bronzeglocken ersetzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Altes Pfarrhaus (Fachwerk, Bj. 1751), seit 1962 nicht mehr genutzt, 2010/11 mit Hilfe der Pfarrhaus-Stiftung Harz als neuem Eigentümer saniert; jetzt Wohn- und Gemeindehaus. – Neues Pfarrhaus (Bj. 1964).

Friedhof

Eigentum der KG; ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt am nordöstlichen Ortsrand. – Eigener (kommunaler) Friedhof seit 1951 in Düna.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2906–2914 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 497 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2135–2142 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 598–601 (Visitationen); D 98 (EphA Herzberg); S 1 H III Nr. 416 (Kirchenkampfdokumentation).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 102 f., Nr. 91; Gemeindebuch KK Herzberg, S. 26–28.
B: Klaus Gehmlich: Elbingerode, 3 Bde., Elbingerode 1986–2005; Walter Gödeke: 250 Jahre St. Petri-Kirche Elbingerode, [Elbingerode] o. J.


Fußnoten

  1. MGH DO III 67. Vgl. auch Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Osterode, S. 46.
  2. Köhler, Ilfelder Regesten, Nr. 23.
  3. UB Eichsfeld I, Nr. 343.
  4. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 900.
  5. Spanuth, Generalvisitation, S. 55.
  6. LkAH, A 8/Elbingerode (Corpus bonorum 1670).
  7. LkAH, D 98 Spec. Elbingerode 511.
  8. Rotermund, Das gelehrte Hannover I, S. 190.
  9. LkAH, L 5c, unverz., Elbingerode, Visitation 1974.
  10. Kayser, Registrum II, S. 274.
  11. LkAH, D 45a, Gen. A Har 140.
  12. Gehmlich, S. 21.
  13. Hardege, Glockenneuerwerbungen, S. 49.