Frühere Gemeinde | Sprengel Lüneburg, KK Lüneburg | Patrozinium: – | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Echem entstand vielleicht auf einer Talsanddüne neben der Burg, die Sitz des gleichnamigen Rittergeschlechts war. Mit dessen frühesten bekannten Vertreter, Gefrido de Echem, wird es 1234 in einer Schenkungsurkunde des Hzg. Otto von Braunschweig erstmals urkundlich erwähnt (nicht 1190 wie früher angenommen). 1249 überließ Bf. Luder von Verden dem von ihm gestifteten Kloster Steinbeck/Scharnebeck die Güter des Ritters Mangold von Estorf in Echem und Rolverstorpe (Rullstorf).1 1318 erscheint Echem im Lehnsbuch des Hzg. Otto.2 1368 verkauft Ludolf Rone Burg und Dorf an Hzg. Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, der beides umgehend an das Kloster Scharnebeck weiter veräußerte. Das Kloster hatte zuvor schon die umfangreichen Fischereirechte in der Gemarkung in seinen Besitz gebracht. Mit der Aufhebung des Kloster Scharnebeck 1531 ergriffen die Welfen von seinem Zubehör Besitz, der als Amt Scharnebeck 1569 der Linie Dannenberg zugewiesen wurde. Seit 1572 gehörte Echem zum Besitz der Hzgn. Ursula von Sachsen-Lauenburg (Witwe Heinrichs von Braunschweig-Dannenberg). 1671 fiel es wieder an die Celler Linie der Welfen (Amt Scharnebeck, 1825 Amt Artlenburg, 1859 Amt Lüne/Lüneburg).
Um 1322 erscheint die ecclesia echchum unter dem Patronat des Hzg. von Sachsen.3 1471 ist Johannes Beerman plebanus in Echem.4 Die Zuordnung ist unklar, denn nach Salfeld wurde die Kirche in Echem erst nach 1581 von Hittbergen aus gegründet, wohl zunächst als Kapelle. GD fanden anfangs nur quartalsweise statt. Später war Echem Filial von Scharnebeck. Erst in der ersten Hälfte des 17. Jh. wurde es zur eigenständigen Parochie erhoben. Als erster Geistlicher wird 1633 Christian Cleische genannt.5 Ein KGb aus Fachwerk mit einem freistehenden hölzernen Glockenturm entstand um 1600. Nach der Zerstörung der Kirche bei einem Dorfbrand ließ die Gemeinde 1870 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase einen Neubau im Stil der Hannoverschen Schule errichten.
Die Pfarrstelle war vor dem Zweiten Weltkrieg längere Zeit vakant und wurde von außerhalb versorgt. Die unzureichende Betreuung führte in den 1920er Jahren zu einer verstärkten Tätigkeit des Tannenbergbundes. Auch eine starke Neigung zum Nationalsozialismus lässt sich im Ort feststellen. P. Fricke aus Scharnebeck, der die Gemeinde vertretungsweise versah, erfuhr dort erhebliche Schwierigkeiten. Wegen Äußerungen im Konfirmandenunterricht wurde er zeitweilig inhaftiert. Nach dem Krieg wurde Echem durch einen beauftragten Ostpfarrer betreut.6
Mit dem 1. Januar 1978 wurden die KG Echem, Hittbergen und Lüdersburg zur KG Hittbergen-Echem zusammengefasst.7 Die Pfarrstelle blieb bis zum Ruhestand des Ortspastors in Lüdersburg und wurde dann nach Hittbergen verlegt.

Umfang

Das Dorf Echem, das Vorwerk Bullendorf und das Einzelgehöft Fischhausen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Salzhausen der Diözese Verden. – Nach der Reformation zur Insp. Lüne (ab 1924 KK Lüneburg). 1. Juli 1966 vom KK Lüneburg in den KK Bleckede umgegliedert.8 KK Bleckede und KK Lüneburg zum 1. Januar 2017 zum neuen KK Lüneburg zusammengelegt.9

Patronat

Das Michaeliskloster in Lüneburg, später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Vierjochiger, neugotischer Backsteinbau mit eingezogenem 5/8-Chorschluß (1870).

Turm

Westturm mit ins Achteck überführter, kupfergedeckter Spitze. Hohe spitzbogige Schallöffnungen im Glockengeschoss.

Ausstattung

Altar und Kanzel aus der Erbauungszeit (neugotisch).

Orgel

1876 Neubau durch P. Furtwängler & Söhne (Elze). 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (durch Zinkprospekt ersetzt). 1956 Instandsetzung und Veränderung der Disposition durch Firma Emil Hammer (Hannover). 1997 Restaurierung (u. a. Einbau von Prospektpfeifen aus Zinn) durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG c’’ (Bronze, Gj. 1871, Friedrich Dreyer, Linden/Hannover). – Eine SG b’’ (Eisen). – Früherer Bestand: Die Kirche hatte früher eine weitere LG (Betglocke) in a’ (Bronze, Gj. 1865, Friedrich Dreyer, Linden/Hannover) sowie eine SG von Dreyer aus dem Jahr 187010; wohl Kriegsverlust.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2569-2580 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1961-1967 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 517-521 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 418; Weiß, Denkmaltopographie Lkr. Lüneburg, S. 80; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 371; Wrede, Glocken I, S. 36 f.


Fußnoten

  1. Benecke, Kloster Scharnebeck, S. 10.
  2. Sudendorf, UB I, Nr. 303.
  3. Sudendorf, UB I, Nr. 370.
  4. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 288.
  5. Meyer, Pastoren I, S. 225.
  6. LkAH, L 5e, unverz., Echem, Visitation 1947.
  7. KABl. 1978, S. 4.
  8. KABl. 1966, S. 109.
  9. KABl. 2016, S. 168 f.
  10. Wrede, Glocken I, S. 36.