Sprengel Stade, KK Stade | Patrozinium: Catharina und Johannes | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte
Neue Kirche, Ansicht von Südwesten, 1948

Neue Kirche, Ansicht von Südwesten, 1948

Ursprünglich altsächsische Siedlung an der Elbe im südlichen Land Kehdingen. Der älteste Sakralbau, eine der Pfarrkirche in Assel unterstellte Kapelle, wird auf die Zeit des heiligen Ansgar († 865) datiert. Unter dem Bremer Ebf. Friedrich I. (1104–1123) wurde die Deichlinie verlegt, die Gemeinde mit der Ansiedlung von holländischen Siedlern wesentlich vergrößert und infolgedessen im 12. Jh. eine neue Kirche errichtet, an die später an der Ostseite noch ein Anbau für die Bewohner der Insel Krautsand angefügt wurde. Als Geistliche werden erwähnt: Dierck (um 1300)1; Hermann (rector ecclesie, 1318)2; Hermannus (rector ecclesie, 1328)3; Diderich (kerkherr, 1366); Heinrich Marquardus (1400)4; Marquard Kyl (1424)5. 1446 stiftete Matthäus Dreyer, Rektor der Pfarrkirche in Drochtersen, in der Kapelle des Klosters St. Georg in Stade einen Altar zu Ehren der Muttergottes, des heiligen Antonius und aller Heiligen.6
Die Einführung der Reformation muss um 1529/30 erfolgt sein. Bei der Visitation von 1588 war P. Ludolph Alberus in seinem 29. Amtsjahr.7 Das Land Kehdingen kam mit dem Hzm. Bremen im Westfälischen Frieden unter schwedische Herrschaft, wurde 1712 dänisch besetzt und 1715/19 an Kurhannover abgetreten. Durch die Weihnachtsflut von 1717 wurde die Kirche beschädigt. Schon nach dem endgültigen Übergang an Hannover (1719) gab es konkrete Pläne für einen Neubau, doch wurde der mittelalterliche Bau erst 1778/80 durch die heutige Backsteinsaalkirche nach Plänen des Maurermeisters Steinhauer (Altona) ersetzt.
Seit 1. Januar 1980 ist die KG Drochtersen mit der KG Krautsand pfarramtlich verbunden.8

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: Vor 1597 (Vikariat, ab 1758 Pfarrstelle).

Umfang

Das Dorf Drochtersen, die Ortschaften Aschhorn, Dornbusch, Drochterser Moor, Gauensiek, Gauensieker Moor, Krummenweg, Mühlenhafen, Nindorf, Sietwende und Theisbrügge, die Landgüter Camphof und Hohenblöcken, die Insel Gauensieker Sand. Krautsand wurde 1682 von Drochtersen abgetrennt.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Dompropsts. – Unter schwedischer Herrschaft 1651 zur Präpositur des Landes Kehdingen und mit Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden am 1. Januar 1827 zur Insp. (1924: KK) Land Kehdingen (Suptur.-Sitz ab 1875 in Oederquart, 1905 in Drochtersen). Mit dem 1. Januar 1976 wurde der KK Kehdingen in den KK Stade eingegliedert.

Patronat

Für die erste Pfarrstelle der bremische Dompropst (belegt 1384), dann der Landesherr (bis 1871). Für die zweite Pfarrstelle die Gemeinde.

Kirchenbau
Neue Kirche, Grundriss, 1935

Neue Kirche, Grundriss, 1935

Rechteckige Backsteinsaalkirche mit rundbogigen Sprossenfenstern (1780). Der Innenraum wird durch eine flache Voutendecke geschlossen. Dreiseitig umlaufende Empore.

Turm

Achtseitiger Dachreiter mit offener Laterne.

Ausstattung

Einheitliche Ausstattung aus der Erbauungszeit. Barocker Kanzelaltar, Kastengestühl und Priechen 1780 von Zimmermeister Moritz Thießen. – Farbig gefasste, hölzerne Taufe mit balusterartigem Pfeiler auf quadratischem Sockel als linker Pfosten der Altarschranke; rechts der gleich gestaltete Opferstock.

neue Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Mai 1960

Neue Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Mai 1960

Orgel

Eine Orgel wird in Drochtersen bereits 1581/83 erwähnt.9 1768 baute Johann Daniel Busch der Jüngere (Itzehoe), wohl unter Verwendung wesentlicher Teile des Vorgängers, ein neues Instrument auf einer Orgelprieche an der Nordseite der alten Kirche; 26 II/P (HW, UW). Ihr Prospekt ist erhalten und steht unter Denkmalschutz. 1778–80 wurde die Orgel abgebaut und in der neuen Kirche auf der Westempore wieder errichtet. 1850 Reparatur durch Georg Wilhelm (Stade). 1895/96 Neubau des Werks im historischen Gehäuse durch Heinrich Röver (Stade), 22 II/P, mechanische und pneumatische Spieltraktur, pneumatische Regierwerk, Röver-Kastenladen/Hängeventilladen. 1917 Ablieferung der Prospektpfeifen. 1934 Einbau eines elektrischen Gebläses und Ersatz der Prospektpfeifen durch Firma Faber & Söhne (Salzhemmendorf). 1990–92 Restaurierung und Erweiterung zu 23 II/P durch Martin Haspelmath (Walsrode).

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1839 durch L. Kovatsay, Walsrode); II: fis’/g’ (Gj. 1930, Gebrüder Radler, Hildesheim). – Eine SG in dis’’ (Bronze, um 1430) . – Früherer Bestand: Die heutige LG I ist ein Umguss aus einer älteren Glocke von Haupner, Stade (Gj. 1692).

Weitere kirchliche Gebäude

Neues Gemeindehaus (Bj. 2002, Architekten: Uwe Schüch/Holger Cassau).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. 1860 im Zuge des Straßenausbaus aufgegeben und an der Sietwender Straße neu angelegt. FKap. In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 422–441 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 552 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1833–1841 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2624–2625 (Visitationen).

Literatur

A: Albrecht, Denkmaltopographie Lkr. Stade, S. 112–115; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 99, Nr. 85; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 403; Pape, Haspelmath, S. 229–231; Golon/Kröncke, Orgeln, S. 95–97.


Fußnoten

  1. Poppe, Kehdingen, S. 92.
  2. Bremer UB II, Nr. 182.
  3. UB St. Georg Stade, Nr. 71.
  4. UB Zeven, Nr. 110.
  5. UB Zeven, Nr. 137.
  6. UB St. Georg Stade, Nr. 430 f.
  7. Wolters, Kirchenvisitation IV, S. 115.
  8. KABl. 1980, S. 16.
  9. Poppe, Kehdingen, S. 109.