Seit 1942 Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig | Patrozinium: Johannes der Täufer und Catharina1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die Entstehung des Dorfs (seit 1958 amtlich Werlaburgdorf, ab 2013 Ortsteil von Schladen-Werla) ist eng mit der nahegelegenen Königspfalz Werla zu sehen. Burgdorf lag an der Kreuzung der Heerstraße von Werla nach der Okerfurt bei Ohrum mit dem Tal der Warne und war Standort eines befestigten Vorwerks der Pfalz, in dessen Schutz sich die bäuerliche Siedlung entwickelte. 1174 wird sie unter der Bezeichnung Burchthorp erstmals erwähnt. Damals übertrug Bf. Adelog von Hildesheim dem Kloster Heiningen den Bann in Burgdorf Die nach dem Ort benannte Familie dagegen ist schon 1142 mit dem Ritter Arnold von Burgdorf in einer hildesheimischen Urkunde belegt. Sie waren ursprünglich Reichsministeriale und wurden 1157 gemäß eines Abkommens zwischen Ks. Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen welfische Dienstmannen, wobei sie Burgdorf samt Kirche und Patronatsrecht weiterhin als Reichslehen besaßen. Die Landesherrschaft übten ab 1494 die Hildesheimer Bf. aus. Im Quedlinburger Rezess kam Burgdorf 1523 an Braunschweig-Wolfenbüttel, 1643 wieder an das Hochstift Hildesheim (bis 1802). Als die von Burgdorf im 15. Jh. ausstarben, kam das Lehen an die Herren von Steinbergund um 1570 an den braunschweigischen Kanzler Mynsinger von Frundeck. 1629 wurde der Goslarer Bürgermeister Henning Cramer von Clausbruch damit belehnt.
Ein erster Hinweis auf die Existenz einer Kirche findet sich in der Urkunde von 1174.2 1178 wird sie explizit als Pfarrkirche bezeichnet. Als vorref. Geistliche sind bekannt: Willelmus (sacerdos, 1220)3, Albertus (plebanus, um 1260)4, Ludolphus (plebanus, 1267)5 und Arnold Ysernhud (1396).6 Die Pfarre befand sich später im Besitz des Klosters Heiningen, dessen Propst dort einen mercenarius unterhielt (noch 1544). Die Reformation wurde erstmals 1542/44 durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes eingeführt, setzte sich aber erst 1568 unter Hzg. Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel endgültig durch. Die Pfarre war eine der bestdotierten der Umgegend und wurde deshalb 1569 Sitz einer Suptur. Ende des 17. Jh. war Burgdorf mit Neuenkirchen verbunden. Im Januar 1733 wurde die Verbindung gelöst und durch eine Verbindung Dorstadt (bis 1791) und Heiningen abgelöst. Mit dem 1. Oktober 1942 wurde die KG in die braunschweigische Landeskirche umgegliedert.7

Umfang

Das Dorf Burgdorf und das Landgut Altenrode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Neuenkirchen der Diözese Hildesheim. – Burgdorf wurde 1542 der Suptur. Wolfenbüttel unterstellt und wurde nach der endgültigen Einführung des luth. Bekenntnisses 1569 Sitz einer Suptur. für die Gerichte Schladen, Wiedelah, Vienenburg und Harzburg (19 Dörfer mit 14 Pfarren). Später zur Insp. Salzgitter, 1826 zur Insp. im Okertal mit Sitz in Vienenburg (1. Februar 1937 mit dem KK Goslar zum KK Goslar-Vienenburg vereinigt). 1. Oktober 1942 in die Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig umgegliedert (Propstei Vienenburg, später Schöppenstedt).

Patronat

Die Herren von Burgdorf bis Ende des 15. Jh., dann das Stift SS. Simeonis et Judae in Goslar, nach 1594/99 die Mynsinger von Frundeck8, ab 1629 Familienpatronat der Cramer von Clausbruch. Mit Aufhebung des Ritterguts (nach 1937) erloschen.

Kirchenbau

Das Schiff wurde im 16. Jh. im spätgotischen Stil neu errichtet. Spätmittelalterlich-romanische Bruchsteinkirche mit rechteckigem Chor, Mitte des 17. Jh. umgebaut. Bei einem Großbrand wurden 1686 weite Teile des Dorfes eingeäschert, die Kirche jedoch verschont. Vom ursprünglichen Baubestand sind u. a. das ehemalige Südportal und mehrere vermauerte Fenster erhalten. Der Innenraum ist durch eine flache Holzbalkendecke geschlossen, im Chor eine hölzerne Segmentbogendecke. Emporen an der Nord-, West- und Südseite. 1880 grundlegende Instandsetzung des Kirchenschiffs und Vergrößerung der Fenster. Bei einer Innenrenovierung 1929 wurden die Priechen entfernt und die Kanzel wieder an die Südseite verlegt.

Turm

Quadrat. Westturm, im Kern romanisch (1213). Oberteil und der ins Achteck überführte Helm von 1766.

Ausstattung

Auf einem steinernen Blockaltar mit überkragender Mensa das Mittelteil eines dem Braunschweiger Madonnenmeister zugeschriebenen spätgotischen Schnitzaltars (1480/85), dessen Flügel bereits 1875 nicht mehr vorhanden waren. Im Zentrum der Gekreuzigte, links Maria und Johannes der Täufer, rechts der Evangelist Johannes und die heilige Katharina. 1804 wurden Kanzel und Altar zu einem Kanzelaltar vereinigt; bei einer Renovierung von 1963/65 wieder getrennt aufgestellt. – Kanzel aus dem 17. oder 18. Jh. mit Säulengliederung und Figuren der vier Evangelisten. – Taufe (11. Jh., wurde 1963 im Mauerwerk der Kirche wiederentdeckt und restauriert). – Großes Triumphkreuz über dem Altar (zweite Hälfte des 16. Jh.). – An der Herrschaftsprieche vier Evangelisten- und zwei Wappenbilder von L. J. Thomas (1720). – Epitaph des Sup. Johann Heinrich Menge († 1752). – In der Vorhalle eine steinerne Bischofsbüste (erste Hälfte des 14. Jh.)

Orgel

Um 1742 Neubau, vermutlich durch Johann Adolarius Papenius (Halberstadt), II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1764 und 1775 Reparaturen durch unbekannten Orgelbauer, 1812/14 durch Johann Friedrich Ernst Hüsemann (Wolfenbüttel), 1821 und später durch Bernhard Berger (de la Rivoire) (Peine), 1875–1883 durch Georg Breust (Goslar). Die Orgel wurde 1886 durch Heinrich Vieth (Celle) umgebaut zu 15 (17) II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (1925 von P. Furtwängler & Hammer, Hannover, ersetzt). 1948/50 erneuter Umbau durch Firma Emil Hammer (Empelde), 17 II/P (HW, UW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1969 Instandsetzung durch Wilfried Müller (Arpke). 1987/88 Instandsetzung durch Peter Reichmann (Braunschweig).

Geläut

Drei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg, Betglocke); II: g’ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg, Sonntags- und Sterbeglocke); III: a’ (Bronze, Gj. 1878, J. J. Radler, Hildesheim, Taufglocke). In der FKap hängt eine Patenglocke aus dem Kreis Sprottau in Schlesien (Bronze, Gj. 1714). – Früherer Bestand: Ursprünglich wohl drei LG, die im Dreißigjährigen Krieg geraubt wurden; u. a. wurde der Kirche 1626 nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge eine LG weggenommen. Sie wurde acht Jahre später durch einen Neuguss von Heinrich Borstelmann (Braunschweig) ersetzt. Ergänzt wurde sie 1725 durch eine zweite LG von Christian Ludwig Meyer (Braunschweig). Beide wurden 1828 durch Sigismund Lampe (Hildesheim) umgegossen. Nachdem die größere hiervon sprang (1877), gab die Gemeinde 1878 bei der Firma J. J. Radler (Hildesheim) ein neues Dreiergeläut mit den Schlagtönen d’, fis’ und a’ in Auftrag. Die hohe Qualität des Geläuts und Probleme beim Ausbau verhinderten die Beschlagnahme im Ersten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg wurden dagegen die beiden größeren Glocken eingeschmolzen. 1955 wurde das Geläut wieder auf drei LG ergänzt.

Friedhof

Am östlichen Ortsrand (Heininger Weg). In kirchlicher Trägerschaft. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1635–1662 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1332–13346 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 359–366 (Visitationen).

Literatur

A: Kiecker/Borchers, KD Lkr. Goslar, S. 46–49; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 325; Pape/Schirge, Papenius, S. 86–92; Zobel, Heimatbuch Lkr. Goslar, S. 150–155.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 889.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 366.
  3. UB HS Hildesheim I, Nr. 743.
  4. UB Dorstadt, Nr. 72.
  5. UB HS Hildesheim III, Nr. 160.
  6. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 1200.
  7. KABl. 1943, S. 1–4.
  8. Reller, Kirchenverfassung, S. 158.