Sprengel Lüneburg, KK Wolfsburg-Wittingen | Patrozinium: Unser lieben Frauen1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das an der Ohre gelegene Dorf, Standort einer braunschweigischen Grenzburg, gehörte zum welfischen Allodialbesitz und wird 1203 in einer Urkunde des Pfalzgrafen Heinrich über die Teilung des Erbes Heinrichs des Löwen erstmals genannt. 1236 kaufte Hzg. Otto das Kind dem Gf. von Osterburg dessen Eigentumsrechte an Gut und Leuten im Grenzgebiet ab. In der Fehde zwischen Heinrich von Braunschweig-Grubenhagen einerseits sowie Otto dem Strengen von Braunschweig und Lüneburg und Markgraf Otto von Brandenburg andererseits wurde das Land Brome von lüneburgischen und brandenburgischen Truppen besetzt und im Vertrag von Vorsfelde (18. Dezember 1309) zwischen Lüneburg und Brandenburg geteilt. Brome fiel an Brandenburg, kam durch Eheschließung Hzg. Ottos des Milden von Braunschweig und Lüneburg mit Agnes von Brandenburg aber wieder unter welfische Herrschaft. Eine vorübergehende Episode blieb der Kauf durch Ks. Karl IV. (für seinen Sohn Wenzel, 1376). Seit 1428 war die Burg endgültig im Besitz der Lüneburger Hzg. Als Lehensnehmer erscheinen in der ersten Hälfte des 14. Jh. die von dem Knesebeck, doch waren Burg und Dorf in der Folgezeit wiederholt verpfändet, u. a. an die von Bartensleben (1360) und an die Stadt Lüneburg (1438-1488). Berthold von Mahrenholtz erscheint zeitweilig als Unterpfandinhaber. 1492 wurden die von der Schulenburg, 1548 erneut die von dem Knesebeck, 1583 die von Bartensleben mit Brome belehnt. Mit deren Erlöschen im Mannesstamm kam die Burg 1742 an die Gf. von der Schulenburg. Der Marktflecken Brome war auch als Kreuzungspunkt zweier Altstraßen (Lüneburg – Magdeburg, Braunschweig – Salzwedel) von einiger Bedeutung. Die Verwaltung oblag dem adeligen Gericht Brome, das im Zuge der Verwaltungsreform von 1852 im Amt Knesebeck, 1859 im Amt Isenhagen aufging.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1969

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1969

Die Burgherren veranlassten wohl den Bau einer Kapelle, an der ein dem Pfarrer in Altendorf nachgeordneter Vikar Dienst tat. Das älteste KapGb fiel vielleicht der Zerstörung der Burg durch Ebf. Albrecht von Magdeburg (1219) zum Opfer. Möglicherweise wurde es aber auch erst im 14. oder 15. Jh. durch einen kleinen Neubau am heutigen Standort (ursprünglich Gelände eines adeligen Freihofs) ersetzt. Als im 14. Jh. der östliche Teil des Bromer Landes unter brandenburgische Hoheit kam, entstand in Steimke eine weitere Filialkirche von Altendorf. Wenngleich der Bau in Brome in den meisten Quellen (noch 1534 im Lüneburgischen Pfründenregister2 und 1583 im Visitationsbescheid3) als Kapelle bezeichnet wird, nennt das Patronatsverzeichnis der Hzg. Otto und Friedrich aus den Jahren 1434-46 Brome als curatum, was auf eine eigenständige Pfarre hinweist.4 Die Veränderung ist vielleicht mit einer Brandzerstörung der Altendorfer Kirche in Verbindung zu bringen, nach der die GD abwechselnd in Brome und Steimke stattfanden. Vermutlich wurde in dieser Zeit die Kirche in Brome erweitert, um die größere Zahl von Gottesdienstbesuchern aufzunehmen. Pfarrsitz blieb zunächst der Pfarrhof in Altendorf. Auch die Beisetzungen fanden weiterhin auf dem dortigen Friedhof statt.
Die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg erfolgte 1527 durch Ernst den Bekenner als Landesherrn. Als erster luth. Geistlicher gilt der 1531 in Celle durch Martin Ondermarck ordinierte P. Petrus Oldelandt5, der die Reformation vermutlich mit Unterstützung der Herren von der Schulenburg (als Patronatsinhaber) durchführte. Sein gleichnamiger Sohn studierte in Wittenberg bei Luther und Melanchthon und folgte dem Vater um 1540 nach. Noch im 16. Jh. wurde der Pfarrsitz endgültig nach Brome verlegt. P. Johann Marschall (amt. seit 1585) ließ dort 1586 ein neues Pfarrhaus errichten. Als Gottesdienststätten dienten weiterhin alternierend die Kirchen in Brome, Steimke und die inzwischen erneuerte Kirche in Altendorf. Mitte des 17. Jh. wurden die Pfarren von Brome und Altendorf vereinigt. Altendorf wurde Filial von Brome.
P. Johann Jakob Brammer (amt. 1916-1929) gründete den Posaunenchor und einen Jungfrauen- und Frauenverein. Seit 1917 gab er das Gemeindeblatt „Heimatglocken aus dem Ohretal“ heraus. In die Amtszeit von P. Hermann Meyer (amt. 1930-1939) fällt die Phase des Kirchenkampfs. Er selbst war kurzzeitig DC-Mitglied, wechselte dann zur BK und war ein scharfer Gegner des Nationalsozialismus. Im Herbst 1937 fand in Brome unter starker Beteiligung der Gemeinde eine BK-Versammlung mit P. Martin Niemöller statt. Auch sein Nachfolger, P. Martin Bohne (amt. ab 1940) war in seiner Arbeit durch die BK geprägt. Er absolvierte sein Vikariat beim Bruderrat der BK in Sachsen und besuchte 1937/38 das Predigerseminar der BK in Bielefeld. Unter ihm konnte die zwischenzeitlich eingestellt Jungmädchenarbeit neu aufgebaut werden. Eine Gruppe der Männerarbeit wurde erst 1945 gegründet.

Kirche, Blick zum Altar, 1931

Kirche, Blick zum Altar, 1931

Nach dem Krieg umfasste das Ksp. neun Dörfer mit etwa 5.500 Gemeindegliedern, dazu zwei nicht zu pastorierende Dörfer im Bereich der SBZ (Wendischbrome und Nettgau, betreut von der KG Jübar, heute Pfarrbereich Rohrberg). Zu schaffen machten der Gemeinde zunehmend konkurrierende Angebote durch eine baptistische Gemeinde und durch die Landeskirchliche Gemeinschaft. Ein Antrag auf Errichtung einer ständigen Pfarrkollaboratur zur Stärkung der Gemeindearbeit (Januar 1948) wurde vom LKA jedoch abgelehnt.6
Mit dem 1. Oktober 1958 wurde die KapG Tülau-Fahrenhorst aus der KG Altendorf ausgegliedert, in eine KG umgewandelt und mit der KG Brome unter dem Pfarramt in Brome verbunden.7 Am 1. Januar 1974 wurden die KG Altendorf und Tülau-Fahrenhorst in die KG Brome eingegliedert.8 Im Rahmen der Neuaufteilung der Pfarrsprengel wurde dem Inhaber der zweiten Pfarrstelle (1970 neu errichtet) die Betreuung von Tülau-Fahrenhorst, Voitze, Croya und Wiswedel übertragen (bis zur Aufhebung der Pfarrstelle 2000).
Seit 1. Oktober 2003 sind die Liebfrauen-KG Brome und die St.-Michaelis-KG Ehra pfarramtlich verbunden. Die Pfarrstelle der KG Brome wurde erste Pfarrstelle, die Pfarrstelle in Ehra zweite Pfarrstelle.9 Gemäß Beschluss des KV vom 24. September 2009 wurde der Name der KG zum 1. November 2010 in Ev.-luth. KG Brome-Tülau geändert.10

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 30. Januar 1901, 1910 mit Ehra verselbständigt; 1. April 1970 neu errichtet11; 1. August 2000 aufgehoben.12

Umfang

1583 gehörten zum Ksp. zwölf Ortschaften: der Flecken Brome, die Dörfer Altendorf, Benitz, Nerchow, Tülau und Zicherie auf lüneburgischer Seite sowie die altmärkischen Dörfer Steimke (mit Kapelle), Kunrau, Fahrenhorst, Bokewitz, Ehra, Voitze (teilweise), Wiswedel und Wendischbrome.13 1823 der Flecken Brome, die Dörfer Altendorf, Benitz, Croya, Ehra, Lessin (teilweise), Voitze, Wiswedel, Zicherie, Fahrenhorst und Tülau sowie die einzelnen Häuser Gödchensmühle, Kaiserwinkel, Kibitzmühle und Zollhaus. 1854 wurden die von Brome aus betreuten fünf altmärkischen Dörfer um Steimke abgetrennt. Mit dem 1. Januar 1910 wurde die KG Ehra (mit Lessien) verselbständigt.14 Wendischbrome und Nettgau gehörten seit 1949 zur DDR, wurden von der KG Jübar betreut, zählten aber noch 1966 formal zum Gebiet der KG Brome.15

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wittingen. – Gehörte nach Funke/Fricke 1568 zur Insp. Uelzen16, später zur Insp. Klötze, 1815 an die Insp. Fallersleben, 1849 Insp. (1924: KK) Wittingen (1. Januar 2013 mit dem KK Wolfsburg zum KK Wolfsburg-Wittingen vereinigt).

Patronat

Ursprünglich dingliches Patronat der Besitzer der Burg Brome, seit 1742 die von der Schulenburg, jetzt die Gf. von der Schulenburg-Wolfsburg. Durch Vereinbarung vom 15. August 1945 wurde das dingliche Patronat in ein Familienpatronat umgewandelt.17 Demnach wird das Patronatsrecht gemäß den geltenden kirchlichen Bestimmungen durch das jeweilige Familienglied ausgeübt, das Eigentümer oder Nutzungsberechtigter des Ritterguts Brome mit dem Vorwerk Kaiserwinkel ist. Sofern das Rittergut Brome in fremden Besitz übergeht, das Vorwerk Kaiserwinkel aber in Familienbesitz bleibt, ist der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte des Vorwerks Kaiserwinkel Patronatsberechtigter. Gehen beide Güter in fremden Besitz über, so ist der jeweilige Chef des Hauses Wolfsburg Patronatsberechtigter. Noch im Besitz der Familie.

Kirchenbau
Kirche, Ansicht von Nordosten, Zeichnung von Gerlinde Buddoick

Kirche, Ansicht von Nordosten, Zeichnung von Gerlinde Buddoick

Der mittelalterliche Kirchenraum war im 18. Jh. nicht mehr zweckentsprechend, galt als zu klein und baufällig. Trotz wiederholter Bitte um Abhilfe wurden nur notdürftige Instandhaltungen durchgeführt. Auch als die Kirche im Juli 1807 bei einem Brand bis auf die Grundmauern zerstört wurde, dauerte er mehr als 30 Jahre, bis ein Neubau errichtet wurde. Der Entwurf für die heutige Kirche stammt aus den Händen von Friedrich August Ludwig Hellner. Die Einweihung war am 4. Dezember 1842. Fünfachsiger rechteckiger Backsteinsaalbau in Nord-Süd-Ausrichtung (1841/42), innen durch eine umlaufende Empore in drei Schiffe gegliedert. Über dem Mittelschiff ein geputztes Spiegelgewölbe. 1926 wurde die Eingangshalle umgestaltet und mit einem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ausgestattet. Renovierung der Kirche 1995.

Turm

Massiver Fassadenturm an der Nordseite der Kirche mit verschiefertem Glockengeschoss und ins Achteck überführter Spitze (1862 erneuert). Bekrönung mit Kugel und Wetterfahne.

Ausstattung

Blockaltar. Darüber ein Altarbild mit der Grablegung Christi von Eduard Burchardt (Salzwedel, 1841). – Kanzel über dem Altar in der Emporenbrüstung – Achteckige pokalförmige Taufe. – Grabplatte des P. Johannes Praetorius († 1706) innen vor dem westlichen Eingang.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1975

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1975

Orgel

1675 stiftete der Patron Friedrich von Bartensleben eine Orgel, die 1692 um mehrere Stimmen erweitert wurde. Beim Brand der Kirche 1807 vollständig zerstört. 1842 Neubau durch Charles de Berger (Peine) mit 14 Stimmen. 1863 Instandsetzung und Umdisponierung durch Titus Lindrum (Braunschweig). 1940 Umbau durch Franz Dutkowski (Braunschweig), 30 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Klassizistischer Prospekt von Konsistorialbaumeister Fischer. 1971 Neubau durch Firma Schmidt & Thiemann (Hannover), 8½ I/P, mechanische Traktur, Schleifladen [2006].

Geläut

Vier LG, I: gis’; II: h’; III: cis’’; IV: e’’ (alle Bronze, Gj. 1953, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Zwei SG (Eisen). – Früherer Bestand: Zwei neue LG wurden nach dem Brand des Glockenturms von 1625 beschafft. 1842 kaufte die KG drei LG aus Gusseisen von der Königlich Eisengießerei in Berlin, von denen zwei später geborsten sind. Sie wurden 1869 durch ein neues Bronzegeläut des Braunschweiger Glockengießers W. Zack ersetzt. Die Gusseisenglocken wurden verkauft; die noch brauchbare mittlere Glocke ging an die KG Kunrau/Klötze. Die große und kleine Glocke wurden 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. Zwei 1927 bei der Firma Radler in Hildesheim gegossene LG wurden 1942 ebenfalls abgeliefert. 1953 erhielt die Kirche das heutige vierteilige Geläut.

Seit 1974 zudem Kirchen in Altendof und Tülau.

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche, dann Friedhof an Trüllberg; nach dem Brand von 1807 zweimal verlegt. Jetzt nördlich des Ohre-Sees an der Wendischbromer Straße. Der Friedhof befand sich zeitweilig hälftig in Trägerschaft der KG und der politischen Gemeinde, seit 2000 vollständig in kirchlicher Trägerschaft. Die Außendörfer verfügten mit Ausnahme von Benitz schon 1916 über eigene Friedhöfe.18

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1496-1504 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 924 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1217-1222 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 333-334 (Visitationen Brome).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 298; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 367; Müller, Kirchenbauten, S. 111 f.; Pape, Palandt, S. 392 f.; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 48.
B: Werner Blanke: Die Geschichte der Kirche zu Altendorf, [1982]; Johann Jakob Brammer: Als Pastor in Zasenbeck und Brome. Erinnerungen an die Jahre 1913 bis 1920 (= Bromer Schriften zur Volkskunde 1), Hamburg 2002; Thomas Michaelis: Geschichte der Burg Brome (= Bromer Museumsschriften 2), [Brome 1980]; Andreas Reucher: Die Geschichte der Liebfrauenkirche in Brome (= Bromer Schriften zur Volkskunde 2), Hamburg 2002.


Fußnoten

  1. Seit 1506 nachgewiesen.
  2. Salfeld, Pfründenregister, S. 94.
  3. LkAH, A 1, Nr. 1496.
  4. Blanke, S. 9.
  5. LkAH, A 1, Nr. 1496.
  6. LkAH, B 2 G 1/Brome, Bl. 1 ff. (KV Brome-Altendorf an LKA, 28.01.1948).
  7. KABl. 1958, S. 200.
  8. KABl. 1974, S. 28.
  9. KABl. 2003, S. 140.
  10. LKA, G 1/Brome-Tülau.
  11. KABl. 1970, S. 12.
  12. KABl. 2000, S. 142.
  13. LkAH, A 1, Nr. 1496.
  14. KABl. 1910, S. 40.
  15. Verzeichnis 1966, S. 62.
  16. Funke/Fricke, Pastoren KK Uelzen, S. 13.
  17. LKA, G 15/Brome.
  18. Bammer, S. 27.