KapG der KG Sankt Dionys | Sprengel Lüneburg, KK Lüneburg | Patrozinium: – | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das Haufendorf, das sich um einen angerähnlichen, ursprünglich mit einer Kapelle bestandenen Platz entwickelt hat, wird 1004 erstmals urkundlich erwähnt. Kirchlich gehörte es zu Bardowick, später zu St. Dionys, einer Tochtergemeinde der Bardowicker Domkirche. 1858 umfasste das Dorf 30 pflichtige Hausstellen, Schulhaus und eine Kapelle, „in der im Sommer die Kinderlehre und auf deren Hofe die Todten aus dem Dorfe zur Erde bestattet werden.“1 Über die Stiftung der auf das 12. oder 14. Jh. datierten Fachwerkkapelle liegen keine Nachrichten vor. Vielleicht war sie in vorref. Zeit Messstation an der Heerstraße Bardowick–Artlenburg. Über Kirchenstühle verfügten nur die Höfner und Kötner, nicht aber die Anbauern, die auch nicht zu ihrem Unterhalt beitrugen, aber den Friedhof mitnutzten. Der Pfarrer von St. Dionys hielt jährlich in der Kapelle eine Fastenpredigt sowie dreimal Jährlich Beichte und Abendmahl für Kranke und Schwache und zwischen Pfingsten und Michaelis zehnmal eine Katechismuslehre. Das KapGb wurde 1800 durch einen Brand teilweise zerstört2 und die westliche Giebelseite in massivem Mauerwerk erneuert. 1863 wurde es wegen Baufälligkeit abgebrochen. Das Kapellenvermögen wurde zugunsten der Schule verwendet. Das dreiflügelige barocke Altarretabel von 1658, ein Geschenk der Muttergemeinde St. Dionys, war schon 1858 abgebaut worden.
Die Brietlinger Schule wurde vor 1649 gegründet (erster Nachweis eines eigenen Schulmeisters). 1732 wurde das erste Schulgebäude errichtet, das 1837 vergrößert und um 1857 verkauft und durch einen Neubau ersetzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen auch wieder Überlegungen zur Schaffung einer Andachtsstätte auf. Anfang der 1960er Jahren lebten im Bereich der KG St. Dionys etwa 2.400 Gemeindeglieder, davon rund die Hälfte in Brietlingen, rund 600 im alten Bauerndorf und 500 in der südlich davon gelegenen, weiter wachsenden Flüchtlingssiedlung Neu-Brietlingen, jetzt Moorburg, die aus einem ehemaligen RAD-Lager am Bültenmoor entstanden war. GD fanden in der alten Schule statt. Realisiert wurde erst 1965 mit finanzieller Unterstützung der politischen Gemeinde eine auch zu gottesdienstlichen Zwecken genutzte FKap (Entwurf: Hans Rack, Lüneburg). Nach weiterem Anwachsen der Gemeindegliederzahl auf rund 1.600 Anfang der 1980er Jahre wurde 1985 eine Diakonenstelle mit pfarramtlichen Aufgaben eingerichtet.3 Im Ortsteil Moorburg entstand 1985/86 ein Gemeindehaus.

Kapellenbau

FKap mit Fassade aus gesandelten braunen Vormauersteinen (1965).

Turm

Offener Glockenträger aus Beton.

Geläut

Eine LG in h’’ (Bronze, Gj. 1949, F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Früherer Bestand: Die alte Bet- und Sterbeglocke aus der ersten Hälfte des 15. Jh. kam nach dem Abbruch der Kapelle in die Schule und wurde dort 1945 zerstört. Aus dem alten Material wurde 1949 eine neue Glocke gegossen, die sich seit den 1960er Jahren in einem freistehenden Turm bei der FKap befindet.

Friedhof

Ursprünglich im Ortszentrum bei der alten Kapelle, nach 1860 an den heutigen Standort am Kirchweg verlegt. In Trägerschaft der KapG.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus am Moorweg (Bj. 1986/88).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2220-2224 (Pfarroffizialsachen).

Literatur

A: Weiß, Denkmaltopographie Lkr. Lüneburg, S. 70; Wrede, Glocken I, S. 35 f.
B: Wilhelm Ernst Hoop: Die Brietlinger Kapelle, in: Gemeinde Brietlingen (Hg.): 1000 Jahre Brietlingen. Beiträge zur Geschichte des Dorfes und seiner Ortsteile, Brietlingen 2003, S. 222-227; Ernst Reinstorf: Geschichte der Dörfer Bütlingen, Barum, Brietlingen, Horburg, Lüdershausen und St. Dionys, Alvern 1951.


Fußnoten

  1. Manecke, Beschreibungen I, S. 295.
  2. LkAH, B 2 G 9/Brietlingen, Bl. 43 (Erläuterungsbericht zum Bau einer Kapelle auf dem Friedhof in Brietlingen, Kr. Lüneburg).
  3. LkAH, L 5e, unverz., (St. Dionys, Visitationsbescheid 1987).