Sprengel Lüneburg, KK Lüchow-Dannenberg | Patrozinium: Paulus | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Flecken Bergen, entstanden als zweizeilige Reihensiedlung an einem Übergang über die Dumme, ist alter welfischer Besitz und wird in dem 1203 zu Paderborn zwischen den Söhnen Heinrichs des Löwen geschlossenen Teilungsvertrag erstmals erwähnt. Die landesherrliche Burg hatte im 12/13. Jh. das Adelsgeschlecht de Berghe zu Lehen, später – gleichfalls als herzogliche Lehnsleute – die Familien von Knesebeck, von Estorf und von Bodenteich. Durch den Teilungsvertrag zwischen den Hzg. Bernhard und Wilhelm kam sie 1427 zum Lüneburgischen Landesteil. Bis ins 19. Jh. war Bergen vorwiegend von Ackerbürgern und Handwerkern bewohnt. Im 18. und 19. Jh. entwickelte es sich zu einem Zentrum der vorindustriellen Leinenproduktion.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Kirchlich war Bergen anfangs eher zur Altmark hin orientiert. Mönche aus dem Kloster Diesdorf förderten wohl die Christianisierung der Region. Von dort aus wurde vermutlich auch die erste Kapelle/Kirche errichtet. Ob der 1338 in einem Lüneburger Notariatsinstrument genannte Bertoldus rector ecclesie in Berghen hierher gehört, ist unsicher.1 Die erste sichere Nennung der Kirche datiert aus dem Jahr 1340, als die von Kröcher dem Kloster zum Heiligen Geist zu Salzwedel ein Vermächtnis zur Versorgung der Kirche in Bergen mit Wein und Oblaten überließen. 1359 hatte der Pfarrer zu Bergen eine halbe Hufe aus dem Besitz des Klosters Diesdorf in Kultur.
Die Reformation wurde 1527 durch Hzg. Ernst den Bekenner eingeführt. Erste luth. Prediger waren Titus (1534), Veit Reinboldt (1552), Johann Wolter (1564) und Christoph Kröger (1567). Neben der Pfarrkirche bestanden innerhalb des Ksp. mindestens drei nicht mehr erhaltene Kapellen: in Belau (1543 genannt, nur noch als Flurname nachweisbar), in Malsleben (Fundamentreste 1920 beseitigt) und in Spithal (vor 1770 verfallen, nur als Ruine erhalten).
Seit dem 1. Januar 2006 ist die Paulus-KG in Bergen mit der St.-Michaelis-KG in Schnega pfarramtlich verbunden.2

Umfang

Der Flecken Bergen, die Dörfer Banzau, Belau, Jiggel, Malsleben, Wöhningen und Spithal, die Mühle Brüchau.

Aufsichtsbezirk

Propstei Schnega der Diözese Verden.3 – Nach der Reformation zunächst keiner Insp. zugeteilt und unter die Kirchen im Amt Warpe gerechnet, dann zur Insp. Lüchow. Von 1829 bis 1869 war Bergen Sitz einer Suptur., deren Insp. die KG Bergen, Bülitz, Clenze, Krummasel, Schnega und Zebelin umfasste. Nach ihrer Aufhebung 1869 wieder zur Insp. (1924: KK) Lüchow. Seit 1. Januar 2006 KK Lüchow-Dannenberg.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Der Standort der ersten Kirche war im östlichen Teil des Ortes. Sie wurde 1380 oder 1438 abgebrochen und nachher durch einen gotischen Feldsteinsaalbau am heutigen Platz ersetzt. Um 1496 entstand ein bretterverschalter Westturm, der 1621 noch einmal erneuert wurde. Bei einem Dorfbrand wurde die alte Kirche 1651 zerstört und kurz darauf wieder aufgebaut. Dank der florierenden Leineweberei wuchs die Gemeinde beständig und machte mehrfach Um- und Erweiterungsbauten notwendig. Wegen erneuten Raummangels und des schlechten Bauzustandes beschloss der KV schließlich einen Neubau. Ein erster Entwurf des Lüneburger Landbaumeisters Pampel (1829) wurde verworfen und statt seiner 1836 Friedrich August Ludwig Hellner mit der Erstellung der Pläne beauftragt. Der Neubau wurde am 21. Juli 1839 eingeweiht, bei einem Großbrand am 2. Mai 1840, dem weite Teile des Fleckens zu Opfer fielen, bis auf die Außenmauern zerstört. Nach Wiederaufbau wurde sie am 21. Juni 1842 erneut eingeweiht. Rechteckige, klassizistische Saalkirche mit auf der Nordseite vorgelagertem Querhaus. Schiff mit Walmdach, der Querriegel mit tempelartigen Giebeldreiecken. Innen eine dreiseitig umlaufende Empore auf Holzsäulen mit korinth. Kapitellen. 1982 Innenrenovierung.

Turm

Über dem Querhaus ein quadratischer Turm mit ins Achteck überführtem, kupfergedecktem Helm.

Ausstattung

Klassizistische Altarwand mit Kanzel aus der Erbauungszeit (1840/42). – Klassizistischer Taufstein in Kelchform (1884); ersetzte eine 1842 beim Neubau der Kirche beschaffte viereckige Taufe, die Teil der Altarschranken war und später zu einem Lesepult umgearbeitet wurde. – Ehemaliges Predellabild mit Darstellung des Heiligen Abendmahls nach Leonardo da Vinci, jetzt in der Sakristei. – Tonrelief (Arche Noah mit Regenbogen), Geschenk der Partnergemeinde Freital-Hainsberg (damals DDR).

Orgel

1842 Neubau durch Hoforgelbauer Ernst Wilhelm Meyer (Hannover); 16 II/P; gemeinsam mit der wieder aufgebauten Kirche am 21. August 1842 eingeweiht. 1865 Instandsetzung durch Friedrich Altendorf (Hannover). 1894/95 Instandsetzung durch R. Voigt (Stendal). 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1949 Restaurierung durch Emil Hammer (Hannover); Einbau eines elektrischen Gebläses. Seit 1960 unter Denkmalschutz. Renovierungen 1968/69 und 1986 durch Albrecht Frerichs (Göttingen), 1992 durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Drei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1961, Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher); II: f’ (Bronze, Gj. 1929, Franz Schilling, Apolda); III: a’ (Bronze, Gj. 1961, Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher). – Früherer Bestand: Das alte Geläut wurde beim Brand von 1840 zerstört. Aus dem geborgenen Glockengut goss der Glockengießer J. C. J. Wicke (Braunschweig) 1841 zwei neue LG. Eine weitere LG lieferte 1870 oder früher Johann Jacob Radler (Hildesheim). Das heutige Geläut wurde nach den Abgaben in den beiden Weltkriegen neu angeschafft.

Friedhof

In Trägerschaft der KG; ursprünglich bei der Kirche (1821 geschlossen), später im Westen des Ortes (Dr.-Koch-Straße) neu angelegt. FKap (Bj. 1966).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 822–854 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 712–720 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 181–183 (Visitationen); D 79 (EphA Lüchow).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 71 f., Nr. 36; Behn, Wendland, S. 12–15; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 212; Müller, Kirchenbauten, S. 108–111; Osten, Propstei Schnega, S. 39–41; Jürries/Wachter, Wendland-Lexikon I, S. 62–65; Sänger, Denkmaltopographie Lkr. Lüchow-Dannenberg, S. 69.
B: 150 Jahre Paulus-Kirche Bergen an der Dumme 1839–1989, Lüchow [1989]; Wolfhard Düver: Die Paulus-Kirchengemeinde zu Bergen/Dumme, in: Wilhelm Meier-Peithmann (Hg.): Bei uns in Bergen an der Dumme, Bergen an der Dumme [2003], S. 91–110; Axel Fischer: Festschrift zum 150jährigen Jubiläum der Meyer-Orgel in der Paulus-Kirche zu Bergen an der Dumme, [Bergen an der Dumme 1992]; Axel Fischer: Die Meyer-Orgel in der Paulus-Kirche zu Bergen/Dumme, in Meier-Peithmann (Hg.): Bei uns in Bergen an der Dumme, Bergen an der Dumme [2003], S. 111–116; Otto Wolter: Die Kirche zu Bergen a. d. Dumme. Aus alten Chroniken und Pfarrbüchern, in: Am Webstuhl der Zeit 14 (1966), S. 2–3; Otto Wolter: Zur Geschichte des Kirchspiels Bergen, Am Webstuhl der Zeit 16 (1968), S. 2.


Fußnoten

  1. UB Hamburg IV, Nr. 27.
  2. KABl. 2006, S. 7 f.
  3. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 244; Osten, Propstei Schnega, S. 39.