Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Emsland-Bentheim | Patrozinium: Christus | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1973 Stadtteil von Papenburg. – Aschendorf, im 9. Jh. als Ascanthorp1 erstmals schriftlich belegt, war Sitz einer alten Gaukirche, die um 800 vom heiligen Liudger gegründet und von Ludwig dem Deutschen († 876) dem Kloster Corvey überlassen wurde. 1538 setzte sich im Emsland zunächst das luth. Bekenntnis durch. Erster ev. Prediger in Aschendorf war Johannes Hermani. P. Henricus Bothe wurde nach Einleitung der Gegenreformation unter dem Münsteraner Bf. Ferdinand I. von Bayern 1614 vertrieben. Seither war die Region wieder kath.

Alte Kapelle von 1929, Außenansicht, vor 1956

Alte Kapelle von 1929, Außenansicht, vor 1956

Erst seit Ende des 18. Jh. lässt sich wieder eine zunehmende Zahl ev. Einwohner nachweisen, die, angezogen durch den Arbeitskräftebedarf bei der Torfgewinnung und im Schiffsbau, von Aschendorf aus Ostfriesland zuwanderten. 1803 kam Aschendorf zum Hzm. Arenberg-Meppen (ab 1815 als Standesherrschaft unter hannoverscher Landeshoheit). 1821 wurde die Seelsorge der ev. Einwohner des Herzogtums Arenberg-Meppen der KG Lingen übertragen. Von dort aus wurde im Herbst 1834 im Amtshaus Nienhaus (zwischen A. und Herbrum) der erste ev. GD gehalten. Ab 1846 bestand eine Schule für ev. Kinder. Seither fanden auch jährlich zwei (später vier) GD in Aschendorf und Papenburg statt. Wegen des Wachstums der Papenburger Gemeinde wurden die GD zunächst dorthin verlegt und 1859 die ev.-luth. KG Papenburg gebildet. Papenburg erhielt eine Pfarrwohnung und einen Betsaal. 1894 wurden die ev.-luth. Einwohner des Kreises Aschendorf auch offiziell in die KG Papenburg eingepfarrt.2
In Aschendorf gab es regelmäßige GD ab 1900 im Gasthaus „Einhaus“. Ein KapGb (Architekt: Regierungs-Baumeister a. D. Berck, Papenburg) mit Sakristei und Platz für 90 Besucher wurde am 1. Dezember 1929 von Lbf. Marahrens eingeweiht. Zum 1. April 1931 wurden die in Aschendorf und Umgebung wohnenden Glieder der KG Papenburg zu einer KapG zusammengeschlossen.3 In Aschendorf fanden seither vierzehntäglich GD statt, Kasualien aber weiterhin in Papenburg. Kriegsschäden an der Kapelle veranlassten die vorübergehende Verlegung in das kath. Amandushaus sowie zusätzlich in die alte Schule von Heede, wo sich eine größere Flüchtlingsgemeinde zusammengefunden hatte.

Kirche, Ansicht von Süden, 1957

Kirche, Ansicht von Süden, 1957

Der Seelsorgebezirk umfasste nach dem Krieg 1.315 ev. (luth. und ref.) Christen, davon 500 Einheimische und 815 Ostflüchtlinge und Vertriebene. 1948 berief das LKA den Flüchtlingspastor Otto Range nach Aschendorf (als P. der Landeskirche, 1960–1971 als Gemeindepfarrer). Unter seiner Ägide wurde 1953/54 ein Pfarrhaus, 1956/57 eine neue Kirche errichtet (Christuskirche, Entwurf: Werner Johannsen/Köhler; Einweihung am 31. März 1957 durch LSup. Degener). Mit der Schaffung einer eigenen Pfarrstelle wurde die bisherige KapG am 1. April 1960 verselbständigt.4 Durch die Erweiterung der alten Kapelle um einen Saalbau entstand 1984/85 das Gemeindezentrum Paul-Gerhardt-Haus.

Umfang

Bei ihrer Gründung umfasste die KapG nur die ev.-luth. Einwohner der Realgemeinde Aschendorf „und Umgebung“. Mit dem 1. Oktober 1951 wurde der Bezirk auf die Ortschaften Aschendorf, Tunxdorf-Nenndorf, Herbrum, Heede, Neurhede, Dersum, Neudersum, Lehe, Neulehe, Dörpen, Borßum und Neuherbrum ausgedehnt.5 Zum 1. Januar 1977 kamen die ev.-luth. Einwohner in den Ortsteilen Brual und Rhede der politischen Gemeinde Rhede (bisher zur Erlöser-KG Papenburg) hinzu.6 Mit dem 1. Januar 2000 wurden die in den der Samtgemeinde Dörpen angehörenden Mitgliedsgemeinden Dersum, Dörpen, Heede, Lehe und Neulehe wohnenden Gemeindeglieder der Christus-KG Aschendorf aus der KG ausgegliedert und zur ev.-luth. KG Dörpen zusammengeschlossen. Die Christus-KG Aschendorf und die KG Dörpen wurden pfarramtlich verbunden.7

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zum KK Emsland-Bentheim.

Kirchenbau

Die ursprüngliche Kapelle von 1929 ist ein zweigeschossiger Backsteinbau mit vorgesetztem, polygonalem, niedrigem Turmanbau. 1956/57 Neubau als einschiffiger fünfachsiger Backsteinbau mit abgesetztem Altarraum, Ostturm und angehängter Sakristei im Westen.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Ausstattung

Einfacher Blockaltar. – Runder Taufstein mit eingezogenem Fuß, aus Ibbenbürener Sandstein. – Über dem Altar hängend ein Triumphkreuz in Ankerform mit Bronzekorpus von Hans Gerd Ruwe (Osnabrück).

Orgel

1956 Neubau durch Alfred Führer (Wilhelmshaven), 7 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Instandsetzungen durch die Firmen Orgelbau Führer (1979) und Martin ter Haseborg (1996).

Geläut

Drei LG, I: des’’ (Bronze, Gj. 1975, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher); II: es’’; III: f’’ (II und III: Bronze, Gj. 1976, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher). – Früherer Bestand: I: c’’ (Eisen, Gj. 1929, Firma Schilling-Lattermann, Apolda; Glocke der früheren Kapelle). 1957 wurde das Geläut um zwei minderwertige Eisenhartgussglocken der Firma Wilhelmshütte (Bockenem) ergänzt (in d’’ und f’’; Ende 1974 wegen starker Rostschäden stillgelegt).

Friedhof

Friedhof an der Paul-Gerhardt-Straße, eröffnet 1952, später in einen Urnenfriedhof umgewandelt. Daneben besteht ein kommunaler Friedhof, der aus dem ehemaligen kath. Friedhof hervorgegangen ist.

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 74 f.
B: Dieter Simon: Chronik der evangelisch-lutherischen Christus-Kirchengemeinde anlässlich des 50jährigen Gemeindejubiläums 2001, [Aschendorf 2001].


Fußnoten

  1. MGH SS 2 419 (Vita S. Liudgeri, Ex vita II. Lib. I, cap. 28). Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte , S. 34.
  2. KABl. 1894, S. 22.
  3. KABl. 1931, S. 177.
  4. KABl. 1960, S. 65.
  5. KABl. 1951, S. 61.
  6. KABl. 1977, S. 17.
  7. KABl. 1999, S. 236 f.