Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Petrus (2003) | KO: Keine Kirchenordnung
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist der Ort erstmals 1139 als Langene belegt.1 Langen gehörte zur Börde Debstedt in der Herrschaft Bederkesa, die 1381 und 1411 schrittweise in den Besitz der Stadt Bremen kam (Amt Bederkesa). 1654 fiel das Gebiet an das Kgr. Schweden (Stader Vergleich), und wurde Teil der vereinigten Herzogtümer Bremen-Verden. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die Hzm. Bremen und Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In französischer Zeit zählte Langen im Jahr 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann zum Kaiserreich Frankreich (Département des Bouches du Weser, Arrondissement Bremerlehe, Kanton Bremerlehe, 1811–1814). Ab 1815 war Langen, nun im Kgr. Hannover, erneut Teil des Amtes Bederkesa, das 1859 im Amt Lehe aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel der Ort 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Langen zum Kr. Lehe, der 1932 im Lkr. Wesermünde aufging; dieser wiederum ging 1977 im neuen Lkr. Cuxhaven auf. 1974 wurden Debstedt, Holßel, Hymendorf, Imsum, Krempel, Neuenwalde und Sievern nach Langen eingemeindet; die Gemeinde Langen erhielt 1990 Stadtrechte und schloss sich 2015 mit der Samtgemeinde Bederkesa zur Stadt Geestland zusammen. Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb das Pfarramt 1960: „Sehr viel Arbeiter 60 % der Gemeinde, 0,3 % Akademiker, 18 % Angestellte, 1 % Bauern, 8 % Rentner, 12,5 % Handwerksmeister“.2 1990 heißt es, Langen sei „zu einer ‚Schlafstatt‘ Bremerhavens“ geworden.3 Um 1810 lebten knapp 290 Menschen in Langen, 1910 rund 1.040, 1950 etwa 3.930 und 2024 ungefähr 10.900.
Bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jh. gehörte Langen zum Kirchspiel Debstedt. Ab etwa 1938 fand in der Langener Schule Konfirmandenunterricht statt sowie eine wöchentliche Andacht.4 Seit Mai 1946 waren es zwei monatliche Gottesdienste, jeweils am ersten und dritten Sonntag.5 Mit P. Erich Rothe (amt. 1952–1967), zweiter Pastor im Pfarramt Debstedt und für den Pfarrbezirk Langen zuständig, erhielt die Gemeinde erstmals einen eigenen Geistlichen. 1955/56 ließ die KG Debstedt in Langen Gemeindehaus, Pfarrhaus und einen freistehenden Glockenturm errichten; Glocken erhielt der Turm erst 1961. Zum 1. Januar 1961 schied Langen aus dem Kirchspiel Debstedt aus und das LKA Hannover errichtete die eigenständige „Ev.-luth. KG Langen“. Von ihrer Muttergemeinde übernahm die neue Gemeinde eine Pfarrstelle.6 Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1964 bei 6.320, 1976 bei 8.500.7
Bereits 1963 hatte Langen eine zweite Pfarrstelle erhalten, die als erster P. coll. Volker Buttler (amt. 1963–1965) versah; 1977 folgte eine dritte, erstmals besetzt mit P. Hanns-Michael Stark (amt. 1978–1982).8 Mit dem 1973 eingeweihten „Haus der Begegnung“ am Taubenweg erhielt die KG Langen im Westen des Gemeindegebiets ein zweites Zentrum. Seit 1971 unterhielt die KG Langen einen Kinderspielkreis, aus dem später der ev. Kindergarten „Arche Noah“ hervorging.
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die KG Langen seit Ende der 1970er Jahre Kontakte zur Kirchgemeinde Mügeln.9 Zudem unterhielt die Gemeinde Langen zeitweise eine Partnerschaft mit der Gemeinde Umbonambi in Südafrika (ELCSA). Im Bereich der Ökumene entstanden in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre Verbindungen zur kath. St.-Ansgar-Gemeinde Leherheide (u. a. gegenseitiger Besuch der Frauen- und Männerkreise, erster gemeinsamer Gottesdienst Reformationsfest 1978).10 Seit Ende der 1970er Jahre nannte sich die KG Langen St.-Petri-KG, im Jahr 2003 erhielt sie den Namen offiziell.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Bau von Gemeindehaus und Glockenturm konnte die Langener Gemeinde am 3. Mai 1979 schließlich den Grundstein für ihre Kirche legen.11 Knapp ein Jahr später weihte sie am 26. April 1980 ihr neues Gotteshaus zusammen mit dem Loccumer Prior und Bf. Dieter Andersen ein. Das neue Kirchengebäude bezieht den älteren Glockenturm mit ein und ist baulich mit dem Gemeindehaus verbunden. Nach der Visitation 1984 schrieb der Sup des KK Wesermünde-Nord: „Das Gemeindeleben in Gottesdiensten, Arbeitsbereichen und Gruppen ist außerordentlich lebendig und ist bestimmt durch das starke Engagement der Hauptamtlichen und der zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die ihre Gruppen weithin selbständig leiten.“12 1984 gründete sich der „Orgelbau- und Kirchenmusikverein Langen“, um Spenden für eine Orgel zu sammeln.13 Sie konnte 1989 in der Kirche aufgestellt werden.
1998 zählte die Petrigemeinde Langen knapp 5.900 Gemeindeglieder.14 Anfang des neuen Jahrtausends konzentrierte sie die gemeindliche Arbeit auf das Areal bei der Kirche: 2001 verkaufte sie das „Haus der Begegnung“ und 2002/03 baute sie das Gemeindehaus neben der Kirche aus. 2016 trat die Gemeinde dem „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Wesermünde“ bei, auf den die Trägerschaft der ev. Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Langen überging.15 2019 trat sie wieder aus.16
Zusammen mit den KG Debstedt, Hymendorf, Neuenwalde und Spaden gründete die KG Langen zum 1. Januar 2024 die „Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Wesermünde Nord-West“ (vier Pfarrstellen).17 GKG ist Trägerin des Kindergartens Arche Noah.
Pfarrstellen
I: (1947) 1961.18 – II: 1963.19 – III: 1977, 1995 umgewandelt in eine halbe Stelle; seit 2001 vakant und 2013 als dauervakante Pfarrstelle aufgehoben.20
Umfang
Langen.
Aufsichtsbezirk
Mit Gründung der KG 1961 zum KK Wesermünde-Nord. Seit dessen Fusion mit dem KK Wesermünde-Süd gehört Langen seit 1. Januar 2013 zum KK Wesermünde.21
Kirchenbau
Schlichter Bau mit quadratischem Grundriss und südlicher Vorhalle, ausgerichtet nach Norden, erbaut 1980 (Architekten: Harald Leonhardt, Edgar Schirmer und Siegfried Meyer, Hannover). Kreuzdach, ziegelgedeckt; Flachdach über der Vorhalle. Außenwände verklinkert. Je ein vertikales Fensterband nach Westen und Süden (Sprossenfenster) und ein schmales, vertikales Fensterband nach Norden; mehrere bodentiefe Sprossenfenster nach Osten. Nach Süden Rechteckportal, Wandflächen links und rechts als Sprossenfenster gestaltet. Vorhalle als Verbindungstrakt zum Gemeindehaus nach Osten verlängert. Im Innern verklinkerte Wände, offener Dachstuhl, holzverschalte Deckenflächen; balkonartige Orgelempore im Süden. 1988 Empore über dem Eingang eingebaut.
Turm
An der Westseite dreiseitig umbauter, leicht aus der Fassade heraustretender Turm mit querrechteckigem Grundriss, erbaut 1956. Flach geneigtes Satteldach, Westgiebel bekrönt mit Kreuz. Ziegelmauerwerk, Ecklisenen. Im Glockengeschoss an jeder Seite rechteckige Schallfenster, die jeweils die gesamte Wandfläche zwischen den Ecklisenen einnehmen. Nach Westen Rechteckportal, darüber Kreisfenster.
Ausstattung
Schlichter Altar (1980), Metallgestell mit Holzmensa. – Holzkreuz an der Altarwand. – An der Nordwand ebenerdige, polygonale Kanzel (1980), gemauerte Brüstung. – Schlichter Taufständer (1980), Metallgestell, hölzerne Schale. – Skulpturaler Gebetsleuchter aus Holz. – Großflächiges Gemälde an der Ostwand des Turms (2010/11, Horst Poppe, Bremen).
Orgel
Harmonium, erbaut um 1888, seit 1947 bei Schulgottesdiensten genutzt, 1956 im Gemeindesaal aufgestellt.221962 gebrauchtes Harmonium erworben. 1974 elektronische Orgel erworben, Modell C 25 der Firma Ahlborn (Heimerdingen), 32 II/P. 1988/89 Orgelneubau für die 1980 erbaute Kirche, ausgeführt von Rudolf von Beckerath (Hamburg), 19 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. 2014 Generalüberholung.
Geläut
Drei LG, I: b’; II: c’’; III: d’’ (alle Bronze, Gj. 1961, F. Otto, Bremen-Hemelingen).
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus I, Kapellenweg (Bj. 1956). – Pfarrhaus II, Taubenweg (Bj. 1966, nach 2012 verkauft). – Gemeindehaus. Kapellenweg (Bj. 1956; 2002/03 ausgebaut). – Haus der Begegnung, Taubenweg (Bj. 1973; 2001 verkauft).
Friedhof
Kommunaler Friedhof in Langen (Trägerschaft der Stadt Geestland).
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 5 Nr. 574 (Spec. Landeskons.); B 2 G 9 Nr. 1807–1812 (Baupflege und Bauwesen); L 5g Nr. 218, 445, 916 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1573 (Presseausschnittsammlung).
Literatur & Links
A: 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 40–42; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 124–125; Pratje, Bremen und Verden XI, S. 147 (= Nachricht von dem Amt Bederkesa und den Kirchspielen desselben. Zweites Stück) [Digitalisat].
B: Festschrift anlässlich der Einweihung der St. Petri-Kirche Langen – am 26. April 1980, hrsg. vom Kirchenvorstand der St.-Petri-Gemeinde, Langen 1980; Festschrift zur Weihe der Beckerath-Orgel in der St. Petri-Kirche Langen, hrsg. vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Langen, Langen 1989; Langener Lesebuch. 850 Jahre Langen. 1139–1989, hrsg. vom Ortsrat Langen, Langen 1989, bes. S. 60–63; Jörg Martens (Hg.): Wir sind, was wir waren! Langener Geschichten und Momentaufnahmen zwischen gestern und heute, Langen 2000.
GND
16103878-5, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sankt Petri (Langen, Cuxhaven); 1214619851, Sankt-Petri-Kirche Langen (Geestland).
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Bremisches UB, Nr. 30 [Digitalisat]; vgl. auch Lesebuch, S. 2 ff. (Text und Übersetzung).
- LkAH, L 5g, Nr. 518 (Visitation 1964).
- 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 41.
- Festschrift Einweihung, S. 9.
- Lesebuch, S. 61.
- KABl. 1961, S. 5.
- LkAH, L 5g, Nr. 218 (Visitationen 1964 und 1976).
- KABl. 1963, S. 14; KABl. 1977, S. 57.
- Festschrift Einweihung, S. 5 und S. 24 ff. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- Festschrift Einweihung, S. 17.
- Festschrift Einweihung, S. 2. Zum Konzept des Baus vgl. ebd., S. 21 f.
- LkAH, L 5g, unverz., Langen, Visitation 1984.
- Festschrift Beckerath-Orgel, S. 14 und S. 19 ff.
- LkAH, L 5g, unverz., Langen, Visitation 1998.
- KABl. 2016, S. 27.
- KABl. 2019, S. 325.
- KABl. 2023, S. 85 ff.
- KABl. 1961, S. 5.
- KABl. 1963, S. 14.
- KABl. 1977, S. 57; KABl. 1995, S. 32; KABl. 2010, S. 156 ff (Kirchengesetz zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) und anderer Kirchengesetze, Art. 6).
- KABl. 2012, S. 311 f.
- Festschrift Beckerath-Orgel, S. 12 ff.