Sprengel Stade, KK Verden | Patrozinium: Johannes der Täufer1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Nördlich des Verdener Dombezirks, dem Süderende, entwickelte sich mit der sogenannten Norderstadt das zweite Zentrum der heutigen Stadt Verden. Erst in schwedischer Zeit wurden beide Städte vereinigt (1667). Den Kern der 1192 erstmals als Stadt erwähnten Siedlung (in civitate Verdensi) bildeten das Rathaus und die Marktkirche St. Johannis.2 Die mittelalterliche Bevölkerung setzte sich überwiegend aus Ackerbürgern, Handwerkern und Kaufleuten zusammen. Im Gegensatz zu den Verdener Gemeinden Dom und St. Andreas war die Johannisgemeinde bis zur Einpfarrung von Dauelsen und Eissel im Jahr 1999 eine rein städtische Gemeinde. 1947 schrieb der Ortspfarrer: „In der sozialen Struktur der Gemeinde überwiegt des Kleinbürgertum. Es gibt viele Beamte, Angestellte und Geschäftsleute, Arbeiter, von denen ein grosser Teil nach Bremen zur Arbeit fährt, und zwei Bauern und zwei Landwirte.“3 1972 stellte der Sup. „einen besonders hohen Prozentsatz von Akademikern“ fest.4

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1910, Postkarte

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1910, Postkarte

Die heutige St. Johanniskirche wurde um 1150 als einschiffige Saalkirche errichtet und gilt als ältester Backsteinbau Norddeutschlands. Bei archäologischen Untersuchungen konnten zwei Vorgängerbauten nachgewiesen werden: Ein Holzbau und ein Massivbau.5 Nach Erweiterungen um ein nördliches und ein südliches Seitenschiff im 13./14. Jh. sowie dem Bau des großen Satteldachs, das Mittel- und Seitenschiff überspannt, blieb die äußere Form der Kirche seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. weitgehend unverändert. Die letzte Neuerung war der Bau des barocken Turmhelms 1697. Der Chor und der Turm der Kirche stammen größtenteils aus der ersten Bauphase um 1150; die Pfeiler des Mittelschiffs bilden die Reste der ursprünglichen Seitenwände.
Schriftlich ist die St. Johanniskirche erstmals im Jahr 1236 nachweisbar: In der Zeugenliste einer Urkunde Bf. Luders von Verden (amt. 1231–1251) ist ein Olrico forensis ecclesie v[icar]io genannt (Ulrich, Vikar der Marktkirche).6 1354 ist ein Pfarrer belegt, dessen Name jedoch ungenannt bleibt.7 Der erste namentlich bekannte Pfarrer ist der 1367, 1378 und 1383 nachgewiesene Johannes, rectorem ecclesie sancti Johannis Verdensis (Pfarrer der Kirche St. Johannis in Verden).8 Zwischen 1398 und 1435 lässt sich dominus Daniel Spade als rector parrochialis ecclesie sancti Johannis Verdensis belegen; er war 1398 auch Kaplan des Verdener Bf. Dietrich (amt. 1395–1398).9 Im Jahr 1425 hatte sich ein Johannes Morsel alias de Witing um die Pfarrpfründe an St. Johannis bemüht, die er „nach Absetzung des Daniel Spade“ zu übernehmen hoffte.10 Mit Gerhardus ist 1475 ein weiterer vorref. Pfarrer der Johanniskirche bekannt.11 Neben dem Hauptaltar lassen sich im Mittelalter weitere Vikarien und Altäre in der Johanniskirche nachweisen: St. Johannes und Thomas, St. Katharina, St. Philippus und Jakobus, St. Peter und Paul (angeblich 1315 gestiftet), 10.000 Märtyrer (vor 1367), St. Maria, Erasmus und Gertrud (wohl 1409, später nur noch St. Gertrud) und St. Antonius (um 1470).12 Der Gertrudenaltar war der Altar der Bruderschaft Unser leven Frouwen. Eine St. Johannisbruderschaft lässt sich schon seit der ersten Hälfte des 14. Jh. belegen.13 Im Jahr 1476 stiftete Bf. Berthold von Landsberg im Pfarrbezirk der Johanniskirche das Augustinerinnenkloster Mariengarten, das einzige innerstädtische Kloster Verdens.14 Das in der ersten Hälfte des 14. Jh. belegte und 1551 im Schmalkaldischen Krieg zerstörte St. Georg-Hospital wird 1561 als Filiale der St. Johanniskirche bezeichnet; Bf. Georg von Verden (amt. 1558–1566) übertrug in diesem Jahr das Vermögen des Hospitals auf die Johannispfarre.15

Verden, Johannis, Kirchturm, Ansicht von Nordnordwesten

Kirchturm, Ansicht von Nordnordwesten, 2021, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Bf. Georgs Bruder und Vorgänger, Bf. Christoph (amt. 1502–1558), war ein entschiedener Gegner der Reformation und so konnte sich der neue Glaube in Stadt und Hochstift Verden erst spät und nur allmählich durchsetzen.16 Bf. Georg hingegen duldete die luth. Lehre, berief einen ev. Kanzler, vermutlich auch einen ev. Hofprediger und bestimmte im Jahr 1564 zusammen mit dem Verdener Domkapitel den Protestanten Eberhard von Holle zu seinem Nachfolger. Bereits im Jahr seines Amtsantritts übertrug er dem ev. P. Henricus Buschius (amt. 1561–1591) Predigtdienste an der Johanniskirche. Nachdem er erstmals am Sonntag Estomihi 1558 in der Kirche gepredigt hatte, übernahm P. Buschius drei Jahre später die Pfarrstelle und wurde damit zum ersten luth. Pfarrer der Stadt Verden.17 Ab 1591 lässt sich die zweite Pfarrstelle an der Johanniskirche belegen (Diakonat, Kaplanei), über die der Rat der Stadt Verden das Patronat besaß.
Die neue Lehre fand auch Eingang in die Ausgestaltung der Johanniskirche: Um 1580 wurden die spätgotischen Apostelbilder im Gewölbe des Mittelschiffs um Inschriftentafeln ergänzt, auf denen das Glaubensbekenntnis in deutscher Sprache zu lesen war. Während der Amtszeit von P. Caspar Krüger (amt. 1591–1610, ab 1598 erster Pfarrer) veränderte sich der Innenraum der Johanniskirche weiter: Bf. Philipp Sigismund (amt. 1586–1623) stiftete das große Stuckrelief am Triumphbogen (Darstellung des Jüngsten Gerichts), ließ das Gewölbe des Chors ausmalen, zählte zu den Stiftern der neuen Kanzel und schenkte der Kirche einen neuen Altar.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1938, vor 1967

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1938, vor 1967

Während des Dreißigjährigen Krieges hatten Stadt und Hochstift Verden mit Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) kurzzeitig wieder einen kath. Landesherrn. Nachdem kaiserliche Truppen die Stadt besetzt hatten, musste P. Anton Grubenhagen (amt. 1611–1642), Verden verlassen; er kehrte erst 1639 zurück.18 Ein Konvent der Franziskaner-Observanten übernahm das ehemalige Kloster Mariengarten, dessen Kapelle jedoch bereits abgebrochen war.19 Die Franziskaner konnten durchsetzen, dass ihnen die St. Johanniskirche als Klosterkirche übergeben wurde; die Stadtgemeinde musste auf die Nikolaikirche ausweichen. Mit dem Einzug schwedischer Truppen im Jahre 1631 endete diese Episode jedoch schnell wieder.
Das erste Kirchenbuch der Gemeinde legte P. Christoph Neubauer (amt. 1659–1677) an. Etwa um 1680 wurde die Johannisschule gegründet.20 In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1682 heißt es, die Johannisgemeinde sei die ärmste Kirche im Hzm. Verden, „weil die freigiebige Hand der bischöflichen Zeit fehlt“.21 Die Gemeinde sammelte Schulden an, die erst im 19. Jh. abgebaut werden konnten. Seit etwa 1810 bis Ende der 1860er Jahre diente St. Johannis auch als Garnisonkirche (vorher St. Nikolai).22 Das nördliche Seitenschiff erhielt 1826 eine Empore, um mehr Plätze zu schaffen, einige Zeit später auch das südliche. Um 1868/69 wechselte die Garnison zum Dom. Im Jahr 1865 wählte die Johannisgemeinde erstmals einen KV; das Gremium setzte sich aus dem Pastor, den gewählten Kirchenvorstehern und einem vom Magistrat berufenen Mitglied zusammen.23
Neue Formen kirchengemeindlichen Lebens entwickelten sich während der Amtszeit von P. Christian Wallmann (amt. 1886–1910). P. Wallmann führte die gesungene Liturgie ein, lud zu Bibelstunden ein, rief einen Kirchenchor ins Leben (1942 aufgelöst), hielt Kindergottesdienste und gründete einen Jungmädchenkreis.24 Er zählte überdies zu den Mitgründern des Vereins „Herberge zur Heimat“, der laut Satzung von 1888 Unterkünfte für „arbeitslose Wanderer, reisende Arbeiter und Handwerksgesellen“ bot (seit 1996 Haus St. Georg).25 Auch die Mitte der 1880er Jahre gegründete ‚Warteschule‘ entstand in Verbindung mit der Johannisgemeinde; der Kindergarten war zunächst im ehemaligen Dormitorium am Dom untergebracht, später im Haus am Johanniswall. Noch 1947 erinnerte der Sup. des KK Verden im Visitationsbericht daran, dass P. Wallmann „eine erweckliche Auswirkung auf die ganze Stadt Verden gehabt habe“.26
1933/34 stand die Johannisgemeinde „in grosser Gefahr, ihre Selbständigkeit zu verlieren“: Nach der Emeritierung von P. Hermann Bohne (amt. 1911–1933) erschien die Wiederbesetzung der Pfarrstelle unwahrscheinlich, da die Gemeinde zu klein war.27 Zum 1. Oktober 1934 wechselte – nach „langen, ausserordentlich schwierigen Verhandlungen“ – ein Teil der Domgemeinde zur Johannisgemeinde (Bremer Straße und Nebenstraßen), deren Gemeindegliederzahl dadurch auf 2.700 stieg und sich damit fast verdoppelt hatte.28 Im Jahr 1941 zog Sup. Ernst Lienhop ein positives Fazit: Die Gemeinde sei aufgrund der Vergrößerung „nicht nur finanziell lebensfähig geblieben, sondern hat auch an innerem Leben gewonnen“.29

Kirche, Blick zum Altar, nach 1969

Kirche, Blick zum Altar, nach 1969

Während der NS-Zeit betreuten nacheinander P. Bohne und P. Erich Leßke (amt. 1934–1955) die Verdener Johannisgemeinde. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende schrieb P. Leßke rückblickend, P. Bohne habe als Ireniker kirchenpolitisch weder der BK noch den DC angehört, während er selbst „Mitglied der Bekenntnisgemeinschaft von ihren ersten Anfängen an“ gewesen sei (Obmann seit 1935).30 Bei der Neuwahl des Kirchenvorstandes 1933 konnte die Einflussnahme der NSDAP „erfolgreich durchkreuzt“ werden. Zwei der Neugewählten hätten der NSDAP angehört, aber positiv mitgearbeitet. Insgesamt seien 95 Gemeindeglieder aus der Kirche ausgetreten, überwiegend in den Jahren 1937–39 und 1942 (1935: 2.700 Gemeindeglieder).31 Die Jugendarbeit der Johannisgemeinde sei „durch HJ“ zerstört worden. Insgesamt habe sich der Kirchenkampf positiv auf die KG ausgewirkt, da er zu einer „Weckung und Sammlung der bekenntnistreuen Gemeindeglieder“ geführt habe; 1935 kam es zur Gründung der Ortsgruppe Verden der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft.32
In der Nachkriegszeit stieg die Zahl der Gemeindeglieder durch den Zuzug Geflüchteter schnell an und lag 1947 bei etwa 3.900; zusammenfassend schrieb der Sup. nach der Visitation, die Johannisgemeinde sei, wie auch andere Kleinstadtgemeinden, von „passiver Kirchlichkeit“ geprägt.33 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Hannovers und Sachsens (seit 1949) baute die Johannisgemeinde in den 1950er Jahren Kontakte zur Zentralstelle der Inneren Mission in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) auf.34
Der Verein „Herberge zur Heimat“, dessen Vorsitz P. Dietrich Roeder (amt. 1956–1967) von seinem Vorgänger P. Leßke übernommen hatte, eröffnete 1958 in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche das Altersheim St. Johannis.35 Die Seniorenwohnanlage befindet sich mittlerweile in Trägerschaft des Nachfolgevereins St. Johannisheim e. V. Verden, zu dessen Mitgliedern auch die Domgemeinde zählt. Der Verein unterhält auch das Haus St. Georg für nichtsesshafte und wohnungslose Menschen. Seit 1995 werden die Gottesdienste aus der Johanniskirche ins Johannisheim übertragen. Seit 2005 unterhält die Gemeinde zusammen mit dem Johannisheim eine Partnerschaft mit Emseni Old Age Home in Rorkeʼs Drift (Südafrika). In den 1980er und 1990er Jahren organisierte die ökumenische Schalomgruppe regelmäßige Friedensgebete in der Johanniskirche (1983 Stationierung Pershing II Raketen, 1990/91 Zweiter Golfkrieg, 1998/99 Kosovokrieg).36
Im Jahr 1974 konnte die Johannisgemeinde das neue Stadtkirchenzentrum einweihen, das neben der Pfarrwohnung auch Gemeinderäume beherbergt, die zunächst auch von Dom- und Andreasgemeinde genutzt wurden.37 In den 2000er Jahren übernahm der Kirchenkreis einen Teil der Räumlichkeiten. Schon in den 1970er Jahren, als im Norden Verdens das Neubaugebiet Maulhoop entstand, erwog der KV der Johannisgemeinde, hier einen „kirchlichen Stützpunkt“ zu errichten. Aus finanziellen Gründen konnten die Pläne nicht verwirklicht werden; der KV beschloss daraufhin 1979, zumindest einen regelmäßigen Abholdienst für den Gottesdienst einzurichten.38 Mittlerweile ist die Johannisgemeinde Trägerin des 1997 eröffneten Begegnungszentrums „Haus am Oderplatz“. In Kooperation mit der Stadt Verden betreibt die KG hier stadtteilbezogene, sozial-diakonische Arbeit mit Angeboten für alle Altersgruppen („Initiative Gemeinwesendiakonie“).
Seit 1999 ist die Johannisgemeinde pfarramtlich mit der Nikolaigemeinde verbunden.39 Das gleiche Jahr brachte eine grundlegende strukturelle Veränderung für die Gemeinde: Die Ortschaften Dauelsen und Eissel wurden vom Dom nach St. Johannis umgepfarrt.40 Seitdem reicht das Gebiet der KG weit über den eigentlichen Stadtbereich hinaus; in Dauelsen und Eissel finden u. a. Heilig-Abend- und Erntedankgottesdienste statt. Gemeinsam gründeten die vier Verdener ev. KG im Jahr 2003 die „Ev. Kirchenstiftung Verden“, die sich zum Ziel gesetzt hat, die kirchliche Arbeit der vier Gemeinden zu unterstützen.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1591–1816 (Diakonat bzw. Kaplanei, seit 1636 mit dem Konrektorat der Domschule verbunden).41

Umfang

Der nördliche Teil der Altstadt Verden (Norderstadt). Seit 1934 Bremer Straße einschließlich Nebenstraßen (zuvor Domgemeinde).42 Seit 1999 auch Dauelsen und Eissel (zuvor Domgemeinde).43

Aufsichtsbezirk

1573 GSuptur. für das Hochstift Verden.44 Mitte des 17. Jh. Geistliches Ministerium der Stadt Verden unter Vorsitz des Sup. (erster Domprediger). Seit 1827 Insp. Verden (1924: KK).

Patronat

Für die erste Pfarrstelle der Bf. von Verden bzw. der Landesherr (bis 1871). Für die zweite Pfarrstelle (Diakonat) der Rat der Stadt Verden (bis 1934).45 Der Rat der Stadt setzte auch die Juraten ein (bis 1865, dann KV-Wahlen).46

Kirchenbau
Kirche, Ansicht von Südosten, Aquarell (?) von E. Wessel, Verden, Postkarte, nach 1938

Kirche, Ansicht von Südosten, Aquarell (?) von E. Wessel, Verden, Postkarte, nach 1938

Dreischiffiger Backsteinbau mit Rechteckchor und Sakristeianbau an Nordseite des Chors, älteste Teile erbaut vermutlich um 1150 (Chor, Teile des Turms, Pfeiler des Mittelschiffs als Reste der ehemaligen Seitenwände). Satteldächer über Schiff und Chor, Schleppdach über Sakristei; Backsteinmauerwerk; am vierjochigen Langhaus Strebepfeiler und große Spitzbogenfenster mit Mittelsteg, spitzbogige Portale im westlichen Joch, Fenster- und Türleibungen mit glasierten Ziegeln verziert; rundbogige Fenster und Strebepfeiler am Chor; Ostgiebel verziert mit weiß ausgemalten Blendnischen. Im Innern Kreuzrippengewölbe im Schiff, Tonnengewölbe im Chor; Westempore; im nördlichen Seitenschiff Gewölbeschlusssteine mit Reliefs verziert (Maria mit Kind, Johannes der Täufer, Lamm Gottes, Löwe mit Jungen), Konsolensteine mit maskenähnlichen Köpfen, spitzbogige Wandnischen unterhalb der Fenster; im Chor über der Sakristeitür romanisches Rundbogenfenster; zwischen Chor und Schiff spitzbogiger Triumphbogen mit Stuckrelief (um 1594/96, vermutlich Gerhard Schmidt, Rotenburg): Darstellung des Jüngsten Gerichts, eines „der Erstlingswerke deutscher Stuckplastik“ und „fraglos der bedeutendste künstlerische Schmuck der Kirche“;47 Wandgemälde an Nordwand des Chors (um 1400, fragmentarisch erhalten): Auffindung des Kreuzes; Wand- und Deckengemälde im Chor (wohl 1598 oder spätestens 1623, vermutlich Jürgen Berger, Verden)48: im Gewölbe Traum Jakobs (1 Mos 28,12–17), Inschrift: „Scala ad coelum Christus“ (Christus ist die Leiter zum Himmel), Jakobs Kampf mit dem Engel (1 Mos 32,23–33), Inschrift: „Fidei vis invicta“ (Die Kraft des Glaubens ist unbesiegbar), Geburt Christi (Lk 2,15), Inschrift: „Principivm et finis ad Christvm“ (Anfang und Ende weisen auf Christus) sowie Josef und seine Brüder (1 Mos 41–45), Inschrift: „Vincit qvi partitvr“ (Es siegt, wer aushält), an Westwand Steinigung des hl. Stephanus (Apg 7,57–60), Inschrift: „Merces sublimis honorum“ (Der höchste Lohn der Ehren), die übrigen Wände rot ausgemalt; Heiligendarstellungen an den Pfeilern des südlichen Seitenschiffs (Mitte 14. Jh.): u. a. Johannes der Täufer, Karl der Große, Bf. Suitbert von Verden, Simon Zelotes (Schutzheiliger der Gerber und Färber), Andreas (Schutzheiliger der Fischer, Metzger und Seiler), Cosmas und Damian (Schutzheilige der Ärzte und Apotheker), Jacobus (erster Bf. von Jerusalem) und Philippus (Schutzheiliger der Hutmacher und Walker), Elisabeth (Schutzheilige der Armen und Bedürftigen), möglicherweise Kg. Ludwig IX. von Frankreich, Jacobus der Ältere (Schutzheiliger der Pilger), Gottesbote (Angelus dei) sowie die Märtyrer Bartholomäus und Laurentius; Gemälde an südlicher Ostwand: Kreuzigungsszene (um 1300, um 1400 ergänzt) und der hl. Christophorus (spätes 14. Jh.); Deckenmalereien in den Gewölben des Mittelschiffs: Apostel Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Simon, Johannes, Jakobus, Andreas und Petrus, bei den Aposteln Inschriftentafeln mit Abschnitten des Glaubensbekenntnisses in deutscher Sprache (Ende 15. Jh., um 1580 erneuert und um Inschriftentafeln ergänzt, fragmentarisch erhalten);49 im nördlichen Seitenschiff gemalte Weihekreuze an den Wänden und im Gewölbe Rankenmalerei (um 1325).

Verden, Johanniskirche

Kirche, Ansicht von Süden, 2021, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Baugeschichte

Die um 1150 errichtete Saalkirche erhielt im 13. Jh. ein neues, steileres Satteldach.50 Ende des 13. Jh. romanische Saalkirche um Sakristei und nördliches Seitenschiff erweitert (vollendet vermutlich erst nach Fertigstellung des später begonnenen südlichen Seitenschiffs). Anfang des 14. Jh. südliches Seitenschiff errichtet. Nach 1367 Tonnengewölbe im Mittelschiff abgebrochen, östlicher Giebel erhöht und die drei Satteldächer von Mittel- und Seitenschiffen durch ein Satteldach ersetzt, Kreuzrippengewölbe über Mittelschiff errichtet.51 Um 1600 Neugestaltung Innenraum (Stuckrelief, Ausmalung Chorgewölbe). 1735 Empore an Nordseite des Chors errichtet. 1738 Innenraum weiß ausgemalt (u. a. Stuckrelief übertüncht). 1826 Empore im nördlichen Seitenschiff, später auch im südlichen (Plätze für Garnison). 1836 bei Sturm Backsteinmaßwerk einiger Fenster des Schiffs zerstört und daraufhin bei allen entfernt. 1851 großes Rundbogenfenster im Osten (zuvor Fenstergruppe aus „drei schlanken spitzbogigen Öffnungen“).52 1870 Backsteinmaßwerk der Langhausfenster entfernt. 1874 Empore aus Chorraum entfernt. 1938/39 Renovierung und Umgestaltung (u. a. Emporen in den Seitenschiffen entfernt, neue Westempore, neues Gestühl, Altar entfernt, Ostfenster vermauert, Kreuzigungsgruppe an Ostwand angebracht, Malereien im südlichen Seitenschiff freigelegt). Herbst 1945 Kriegsschäden behoben (bei Sprengung der Allerbrücken Fenster zerstört und Nordseite des Daches abgedeckt). 1967–69 Statische Sicherung der Kirche und Restaurierung (u. a. Fenster mit Mittelsteg versehen, Ausmalung im Chor und Farbfassung des Stuckreliefs freigelegt).53 2010 Restaurierung.

Fenster

Figürlich gestaltetes Buntglasfenster in Ostwand der Sakristei. – Abstraktes Buntglasfenster in Taufkapelle (1969), gestiftet von der Stadt Verden. – Zwei farbig gestaltete Südfenster im Chor (1900, Ferdinand Müller, Quedlinburg), 1945 zerstört. – Dreiteiliges Fenster in der Ostwand des Altarraums (1904, Ferdinand Müller, Quedlinburg), in der Mitte figürliche Darstellung des auferstandenen Christus mit zwei schlafenden Soldaten, seitlich Petrus und Paulus; Fenster gestiftet von Beatrix Schröder, 1938 entfernt und vermauert.54

Turm

Westturm, Baubeginn gleichzeitig mit Schiff, um 1150. Backsteinmauerwerk mit Eckquaderung an Westseite; achtseitiger barocker Turmhelm mit Uhrziffernblättern und offener Laterne, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Im Glockengeschoss rundbogige Zwillingsarkaden mit Teilungssäulchen als Schallöffnungen, darüber Rundbogenfries; in den Geschossen darunter kleine Rechteckfenster mit Sandsteinlaibungen und Dreieckssturz nach Norden und Süden, im Erdgeschoss Rechteckfenster nach Westen, im Sturz Inschrift: „Anno D[omi]ni MDCCXXXIX Jussu Amplissimi Senatus Verdensis sub Praesidio Consulis J. C. Schultz & Cura Praefectorum Aerarii Christ. Pollitz & Joh. Horn turris haec quae riunam versus occidentem minitabatur reparata est“ (Im Jahre des Herrn 1739 ist auf Anordnung des erlauchten Senats Verdens unter dem Vorsitz des Konsuls J. C. Schultz und der Mithilfe der Vorsteher Christ. Pollitz und des Joh. Horn dieser Turm, der nach Westen hin einzustürzen drohte, repariert worden), darüber Inschriftenstein: „Brun Hains, Johan Munstermann P. T. Ivraten 1648“; an Südseite Beinhaus (Anfang 18. Jh.). Im Innern Turmhalle mit romanischem Kreuzgratgewölbe und Buntglasfenster (seit 1938/39 Taufkapelle). Im 15. Jh. Westseite neu verblendet. 1697 barocker Turmhelm errichtet (nach Brand 1695). 1701 erste Turmuhr. 1739 statische Sicherung. 1806/07 statische Sicherung. 1855 (oberer Teil) und 1867 (unterer Teil) Kupferdeckung des Turmhelms, unterer Teil der Kupferdeckung im Ersten Weltkrieg entfernt und zu Rüstungszwecken abgegeben.55 1969 Turmhelm saniert (u. a. neue Kupferdeckung).56

Vorgängerbauten

Unmittelbar südöstlich des Turms 1967/68 Reste eines abgebrannten Holzbauwerks archäologisch nachgewiesen, datiert auf Zeit zwischen 1030 und 1230.57 Nach Boeck & Marschalleck erster Steinbau vermutlich nach 1050 errichtet, Rechteckbau (etwa 15,2 x 8,3 Meter) mit eingezogenem Rechteckchor (etwa 8 x 6,2 Meter).58

Kirche, Blick zum Altar, nach 1939, vor 1967

Kirche, Blick zum Altar, nach 1939, vor 1967

Ausstattung

Schlichter, gemauerter Altar mit Sandsteinmensa (um 1600). – In Ostwand reich verziertes Renaissanceepitaph als Altarbild (um 1600, restauriert 1967–69, Reinhard Meyer, Bremen), architektonische Gliederung, im Mittelfeld der auferstandene Christus mit Maria Magdalena (Joh 20,14–17), im Aufsatz Kreuzigungsszene mit kniendem Stifterpaar (wohl Ehepaar Adelheid von Behr und Reinecke von dem Born).59 – Sechseckige, reichverzierte und farbig gefasste Kanzel mit Schalldeckel (um 1600, restauriert 1967–69, Reinhard Meyer, Bremen), Kanzelkorb von zierlicher Säule getragen, vor den Ecken des Kanzelkorbs Hermen und Karyatidhermen; an den Seiten unter Rundbögen Evangelistenreliefs sowie bischöfliches Wappen mit Inschrift: „Von Gottes Gnaden Philippvs Sigismvndvs postvlierter Bischof dero Stiffte Ossnabrvg vnd Verden, Domprobst zu Halberstadt vnd Herzog zv Bravnschweig vnd Lvnebvrg“; am Sockel Wappen Verdener Bürger. – Sandsteintaufe mit Rokoko-Deckel (1763), quadratischer Fuß, achtseitiger Schaft, achtseitiges Becken; Inschrift am Deckel: „Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes, Marc 10. V. 14“; Inschrift am Becken: „Nachdem die Sundfluth des frantzosischen Krieges anno Christi 1757 die hiesige Gegend überschwemmet und veranlasset hat, das dieses Gottes-Haus den Greuel der Verwustung bis 1762 ausgesetzet sein mussten, so ist dasselbe unter gottlichen Beystand 1763 wieder davon gereinigt und auch dieses Gefasse zum heiligen Gebrauch aufs neue zugerichtet worden“; Taufe bis etwa 1807 in der Nikolaikirche.60 – Hölzerner Taufständer (1989, Günther Hoffmann), für Taufen im Chorraum. – Auf einem Balken im Triumphbogen spätgotische Kreuzigungsgruppe (Ende 15. Jh., restauriert 1967–69, Reinhard Meyer, Bremen), Kruzifix farbig gefasst, Maria und Johannes unbemalt, Inschrift des Balkens (Neufassung von Urs Boeck, 1969): „Exornata es haec ecclesiae pars svmtibvs reverendissimi er illvstrissimi principis et domini dni Philippi Sigismvndi postvlati Osnabvrgensis et Verdensis praepositi Halberstadensis dvcis Brvnsvicennis et Lvnebvrgensis qvi anno 1623. 19. Martii circa horam 12 noctis Ibvrgi Placide in Christo obdormivit“ (Ausgeschmückt ist diese Kirche auf Kosten des hochwürdigen und erlauchten Fürsten und Herrn, Herrn Philipp Sigismund, des postulierten Bischofs von Osnabrück und Verden, Propstes von Halberstadt und Herzogs von Braunschweig und Lüneburg, der im Jahr 1623 um die Mitternachtsstunde zum 19. März in Iburg sanft in Christo entschlafen ist).61 – In der Nordwand des Chors Sakramentsnische mit Dreiecksgiebel (Anfang 14. Jh.). – In der Ostwand spätgotisches Sakramentshäuschen mit reich verzierter hölzerner Rahmung. – Hölzernes, überlebensgroßes Kruzifix (um 1500, 1735 von Verdener Bürgern gestiftet, bis 1984 an südöstlicher Außenwand der Kirche, dort seitdem eine Kopie). – Kreuzigungsgruppe (um 1623), Bekrönung des ehemaligen Altarretabels, seit 1938/39 in der Taufkapelle. – Chorgestühl (Südwand: Ende 16. Jh.; Nordwand: 1670, restauriert 1967–69, Reinhard Meyer, Bremen). – Grabplatten im Fußboden des Chors: u. a. für Heinrich Christoffer Hecht († 1716). – Zwei Grabplatten an Westwand: für Anna Dorothea von Wintheim, geb. Uffelmann († 1664) und für Oberst Johannes Walter († 1738). – An Westwand Grabsteine des Ehepaars Mette († 1708) und Lütken († 1713) Heimsoth. – In der Taufkapelle Grabplatte für Margarete Echelius († 1570), Ehefrau des Rentmeisters Henning Echelius (Eckleff). – Zwei Opferstöcke neben den Eingängen (1754 und 1768), der jüngere wohl 1811 aus der ehemaligen Nikolaikirche übernommen.62 – Außen am Beinhaus: Grabplatte von Gewandschneider Hermann Lange († 1730), lebensgroßes Relief des Verstorbenen. – Ehemalige Ausstattung: Kupferne Taufe (wohl 1610, Johann Rettingh, Minden) 1796 verkauft.63 – Altar (um 1623), gestiftet von Bf. Philipp Sigismund, 1938/39 entfernt; Bekrönung in Taufkapelle.64

Orgel

Orgel 1586 gestiftet von Bf. Eberhard von Holle, erbaut vermutlich von Andreas und Marten de Mare (Verden), 14 II/aP (HW, BW), mechanische Traktur (Zustand 1861).65 Reparaturen 1641 (Adolph Compenius, Hannover), 1667 (unbekannter Orgelbau), 1737 (Christian Solter, Verden), 1772/73 (Johann Hinrich Wenthin, Otterstedt), 1814 (Peter Tappe, Verden). 1863 Orgelneubau, ausgeführt von Philipp Furtwängler (Elze), 20 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 65).66 Zinnpfeifen des Prospekts während des Ersten Weltkriegs zu Rüstungszwecken abgegeben. 1938 Umbau und Änderung der Disposition, ausgeführt von Paul Ott (Göttingen), 22 II/P, pneumatische Traktur, Gehäuse entfernt (Freipfeifenprospekt). 1957 mechanische Traktur eingebaut, Paul Ott (Göttingen), 1967 Orgel abgebaut, Pfeifen später verkauft. Orgelneubau 1976, H. J. Vierdag (Enschede), 10 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: fisʼ (Bronze, Gj. um 1320), Inschrift: „Anna. Humilia pango, festaq clango, fulmina frango“ (Irdisches begleite ich, Feste verkünde ich, Blitze breche ich), Bilder: Heiliger Georg im Kampf mit Drachen, Medaillon mit auferstandenem Christus, Medaillon mit Adler; II: gisʼ (Bronze, Gj. um 1320), Inschrift: „Maria. Demones ango cordaq tango, funera plango“ (Dämonen ängstige ich, Herzen berühre ich, Tote beklage ich), Bild: Maria mit Kind, vier Medaillons; 1942 zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und 1947 zurückerhalten. 2005 Restaurierung beider LG (Firma Lachenmeyer, Nördlingen). – Früherer Bestand: Eine kleine Glocke, genannt Bingelglocke (Bronze, Gj. 1650), um 1820 verkauft.67 – Eine SG (Bronze, Gj. um 1701), zusammen mit Turmuhr gestiftet von der Stadt Verden.68 Eine neue SG (Bronze, Gj. wohl 1823, Kovatsay & Ehlermann, Rotenburg), Inschrift: „Durch patriotische Beiträge der Einwohner Verdens. Mich gossen Kovatsay und Ehlermann“, 1899 geborsten und durch neue SG ersetzt, ⌀ 42 Zentimeter (Bronze), wohl im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Zwei neue SG (Bronze, Gj. etwa 1918), wohl im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Zwei neue SG (Gj. 1951), in den 1960er Jahren aus Klang- und Sicherheitsgründen abgenommen (verrostet).69

Weitere kirchliche Gebäude

Stadtkirchenzentrum mit Gemeinderäumen und Pfarrwohnung (Bj. 1974). – Altes Pfarrhaus (Bj. 1900, 1972/74 zusammen mit Küsterhaus zur Rathauserweiterung an Stadt Verden abgegeben).70

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, 1807 geschlossen. Neuer kirchlicher St. Johannisfriedhof an der Bremer Straße, angelegt 1807, erweitert 1843, 1844 und 1876.71 Die kirchlichen Friedhöfe in Verden werden seit 2007 vom „Beratungszentrum für Dom-, St. Johannis- und Waldfriedhof“ verwaltet und befinden sich seit 2016 in Trägerschaft des „Kirchengemeindeverbandes Kirchliche Friedhöfe Verden“. – Kommunaler Friedhof in Dauelsen, FKap, Orgel 1974 von Dom KG erworben, Hillebrand, 4 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen. – Kommunaler Friedhof in Eissel.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1. Pfarrstelle: 1561–1591 Heinrich Busch. – 1591–1598 Magister Jacob Polemann. – 1598–1610 Magister Caspar Krüger. – 1611 bis 1642 Anton Grubenhagen. – 1642–1658 Johann von Sandbeck. – 1659–1677 Christoph Neubauer. – 1678–1705 Magister Georg Joachim Brinkmann. – 1705–1711 Magister Jacob Diecmann. – 1712– 1733 Johann Horn. – 1734–1762 Magister Johann Peter Horn. – 1763–1780 Johann Andreas Mestwerdt. – 1780–1808 Christian Gottlieb Pfannkuche. – 1809–1825 Friedrich Anton Lange. – 1826– 1843 August Wilhelm Becker. – 1843– 1854 Georg Heinrich Ferdinand Baring. – 1854–1885 Carl Siade Meyer. – 1886– 1910 Christian Friedrich Wallmann. – 1911–1933 Hermann Heinrich Wilhelm Bohne. – 1934–1955 August Wilhelm Erich Leßke.
2. Pfarrstelle: 1591–1598 Magister Caspar Krüger. – 1599 Heinrich Neuhaus. – 1600 Johann Dannemann. – 16..–16.. Heinrich Hancken (Hanecker). – 16..–1612 Magister Heinrich Huberinus. – 1612–1613 Heinrich Dornemann. – 1613–1623 Magister Andreas Polemann. – 1623–1627 Franz Flor. – 1628–1630 Hermann Schacht. – 1636–1659 Christoph Neubauer. – 1659–1678 Thomas Anton Witte. – 1678–1683 Johann Heinrich Crohn. – 1684–1688 Heinrich Dornemann. – 1688–1690 Peter Michaelis. – 1691–1704 Johann Hannies. – 1704–1726 Magister Nicolaus Crusius. – 1726 Tigedius. – 1727– 1734 Magister Johann Peter Horn. – 1734–1738 Georg Friedrich Steigerthal. – 1738–1742 Ernst Friedrich Mylius. – 1743–1753 Ludwig Carl Schnering. – 1754–1763 Johannes Andreas Mestwerdt. – 1764–1773 Caspar Kalkmann (Kolkmann). – 1773–1778 Johann Heinrich Voß. – 1778–1793 Friedrich David Werbe. – 1794–1816 Carl Heinrich Christoph Nordmeyer.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 459–460

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 8278–8283 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12g Nr. 21 (GSuptur. Stade); E 9 Nr. 1400–1407 (Amt für Bau- und Kunstpflege); Kons. Stade A 2 Nr. 1543, 1548–1550, 1560/01–02, 1560/11, 1560/20, 1560/25, 1560/28, 1560/30, 1560/44 (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 6 Nr. 8279–8282 (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 8 Ver (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 9 Nr. 2570–2574, 2769 (Akten des Konsistoriums in Stade); L 5g Nr. 317–318, 434, 866–867 (LSuptur. Stade); S 04a Nr. 2840–2841 (Baupläne, Bauzeichnungen); S 09 rep. Nr. 2207 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7735 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 210–211, Nr. 289; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1305–1307; Meyer, Pastoren II, S. 459–460; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 122–124; Osmers, Kirchen, S. 122–131; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 80–100; Topp, Orgelbau Lkr. Verden, S. 312–318.
B: Kirchliche Friedhöfe Verden. Ratgeber für den Trauerfall, Mering ²2011; St. Johannis Verden. Kirchenführer, hrsg. von der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis Verden, Verden [2013]; Urs Boeck: Wiedergewonnenes Kunsterbe in der Johanniskirche von Verden/Aller, Verden [1969]; Urs Boeck: Die St. Johannis-Kirche in Verden, ihre Wandmalereien und Stukkaturen, in: Niedersächsische Denkmalpflege 6 (1965–1969 [1970]), S. 175–184; Urs Boeck & Karl Heinz Marschalleck: Neue Ergebnisse zur mittelalterlichen Archäologie Verdens, in: Niedersächsische Denkmalpflege 6 (1965–1969 [1970]), S. 65–74; Ewald Günther: Bausicherungsmaßnahmen an der St. Johannis-Kirche zu Verden (Aller) in den Jahre 1968/69, in: Niedersächsische Denkmalpflege 6 (1965–1969 [1970]), S. 124–128; Enno Heyken: Christus als Weltenrichter in Darstellungen in und an den alten Kirchen Verdens, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 256–266; Walter Jarecki: Ein unbekanntes Verdener Vikarienverzeichnis, in: Rotenburger Schriften 91 (2011), S. 133–160; Heinrich Koch: St. Johannis in Verden – Heimatkalender für den Landkreis Verden 1964, S. 97–103; Erich Leßke: 800 Jahre St. Johanniskirche zu Verden (Aller). Festschrift zur Gedenkfeier Pfingsten 1950, Verden 1950; Edmund von Lührte, Jürgen Siemers, Ludolf Ulrich: 850 Jahre St. Johannis Verden, Verden 2000; Carl Meyer: St. Nikolai in Verden, Verden 1927; Edmund von Lührte: Die wechselhafte Geschichte von St. Nicolai in Verden/Aller, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1974, S. 32–35; Friedhelm Meyer: Johanniskirche Verden, Verden [1987]; Friedhelm Meyer & Ludolf Ulrich: Die ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis, Verden, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 241–241: Walter Schäfer: Johanniskirche Verden (= Große Baudenkmäler 298), München/Berlin 1976; Johann Thies: St. Johannis im Wandel der Zeiten, Verden/Aller 1969; Wilhelm Ziegeler: Die Johanniskirche zu Verden. Ein Beitrag zum norddeutschen Ziegelbau, Hannover 1916.

GND

2109751-3, Evangelisch-Lutherische Sankt-Johannisgemeinde (Verden (Aller)); 5521944-5, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis (Verden (Aller)); 4607778-9, Johanniskirche Verden (Aller)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 268 f.; ebd. II, S. 136 f.
  2. UB Verden I, Nr. 179. Die bei Boeck & Marschalleck, S. 71, erwähnte urkundliche Ersterwähnung der St. Johanniskirche im Jahre 1192 beruht wohl auf einer Verwechslung mit dieser Ersterwähnung Verdens als Stadt.
  3. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1947).
  4. LkAH, L 5g, Nr. 318 (Visitation 1972).
  5. Boeck & Marschalleck, S. 71 f.
  6. UB Verden I, Nr. 345.
  7. UB Verden II, Nr. 716.
  8. 1367: Leßke, S. 10 (ohne Beleg); 1378: UB Verden II, Nr. 1044; 1383: UB Verden III, Nr. 29 (Zitat).
  9. UB Verden III, Nr. 333; siehe auch ebd., Nr. 621 (1409) und Vogell, Sammlung Behr, Nr. 48 (1435).
  10. RG Online, RG IV 08476, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/8476, 01.09.2020: „Johannes Morsel al. d. Witing (de Witing; J. M.) cler. Halberstad. de par. eccl. s. Johannis Verden. post priv. Danielis Spade“.
  11. Leßke, S. 10 (ohne Beleg).
  12. Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 82 f.; Thies, S. 22 ff.; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 80. Weitere Altäre genannt in: Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 136 f.
  13. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 81 f.
  14. Dolle, Klosterbuch III, S. 1460 ff., siehe auch http://www.landesgeschichte.uni-goettingen.de/kloester/website/artikel.php?id=756, 30.10.2020.
  15. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 78. Als Bürgerwitwenhaus in Verwaltung des Magistrats bestand das Georgshospital noch bis etwa 1904 (fünf bis sieben Plätze).
  16. Vgl. zum Folgenden: Jarecki, Reformation, S. 81 ff., sowie die Beiträge von Hans Otte, Matthias Nistal und Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation.
  17. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 82 ff.
  18. Leßke, S. 11.
  19. Dolle, Klosterbuch III, S. 1462 f., siehe auch http://www.landesgeschichte.uni-goettingen.de/kloester/website/artikel.php?id=760, 01.09.2020; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 84.
  20. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 79.
  21. Zit. bei Lührte, Siemers & Ulrich, S. 87. Vgl. auch Thies, S. 34 f.
  22. Meyer, Nikolai, S. 15; Thies, S. 39; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 84 f.
  23. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 88: Das Gesetz über Kirchen- und Schulvorstände von 1848 „ist in der Johannisgemeinde, die Ursache ist nicht bekannt, nicht umgesetzt worden“.
  24. Leßke, S. 13. P. Wallmann war auch einer der Bearbeiter des 1908 erschienenen Bandes V,1 der „Kunstdenkmäler der Provinz Hannover“, der die Kreise Verden, Rotenburg und Zeven behandelt (Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven).
  25. Zit. bei Lührte, Siemers & Ulrich, S. 85. Seit 1940 war P. Erich Leßke Vorsitzender des Vereins „Herberge zur Heimat“, vgl. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1954), seit 1956 sein Nachfolger P. Dietrich Roeder, vgl. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1960).
  26. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1947).
  27. Dies und das folgende Zitat: LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1935).
  28. KABl. 1934, S. 130.
  29. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1941).
  30. Dies und die folgenden Zitate: LkAH, S 1 H III Nr. 717, Bl. 31. Im Visitationsbericht 1941 merkte der Sup. des KK Verden überdies an: „Durch die Teilnahme an der vormilitärischen Erziehung durch die SA kommt er [P. Leßke] als ‚guter Kamerad‘ den Männern aller Kreise nahe“, LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1941). Tätigkeit als Obmann erwähnt in LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1954). Allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  31. LkAH L 5g, Nr. 317 (Visitation 1935).
  32. LkAH, S 1 H III Nr. 717, Bl. 37.
  33. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1947).
  34. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1960); ebd., Nr. 318 (Visitation 1966).
  35. LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1960).
  36. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 101.
  37. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 94.
  38. LkAH, L 5g, Nr. 318 (Visitation 1979).
  39. KABl. 1999, S. 78.
  40. KABl. 1999, S. 170.
  41. Leßke, S. 10; Thies, S. 59; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 91.
  42. KABl. 1934, S. 130; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 91 f.
  43. KABl. 1999, S. 170.
  44. Jarecki, Reformation, S. 100.
  45. Zum Patronat: Lührte, Siemers & Ulrich, S. 12 f. In den Unterlagen zur Visitation 1935 gab P. Leßke an: „Seit der Neuordnung der politischen Gemeindeordnung hat der Patron, d. h. die Stadt Verden, von ihrem Recht ein Mitglied [des KV] zu ernennen, keinen Gebrauch gemacht“, LkAH, L 5g, Nr. 317 (Visitation 1935).
  46. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 88.
  47. Boeck, Kunsterbe, [S. 6]. Insgesamt zur Ausmalung der Kirche vgl. Boeck, Wandmalereien, S. 175 ff.; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 26 ff und 58 ff. Vgl. auch Heyken, S. 262 ff.
  48. Boeck, Kunsterbe, [S. 7], Becker war Hofmaler des Bf. Philipp Sigismund.
  49. Bei Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1306, und Osmers, Kirchen, S. 129, irrtümlich 1850 statt 1580. Die Darstellungen der Apostel Thomas und Jakobus des Jüngeren (im Westen) sowie Judas Thaddaeus und Matthias (im Osten) sind verloren, vgl. Boeck, Kunsterbe, [S. 6].
  50. Zur Baugeschichte zuletzt: Lührte, Siemers & Ulrich, S. 14 f.; vgl. auch: Boeck & Marschalleck, S. 71 ff. Schematische Darstellung der Bauentwicklung bei Lührte, Siemers & Ulrich, S. 23.
  51. Bau des Kreuzrippengewölbes ermöglicht durch Spende Verdener Bürger thom Buwe der Kirche, vgl. Meyer, S. 4; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 25.
  52. Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 84.
  53. Vgl. Günther, S. 124 ff.; Thies, S. 41 ff. und Boeck, Wandmalereien, S. 175 ff.
  54. Thies, S. 37 und 40; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 84.
  55. Thies, S. 32.
  56. Thies, S. 45 f.
  57. Zum Folgenden: Boeck & Marschalleck, S. 71 ff.; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 14 f.
  58. Boeck & Marschalleck, S. 72: „Die Umrisse des Kirchengebäudes scheinen im wesentlichen von den Fundamenten der nächstjüngeren Bauzeit festgehalten zu werden, soweit diese nicht sogar Teile der Feldsteinpackung übernommen haben.“
  59. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 37: Magdalena von Behr.
  60. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 210 f., Nr. 289; Meyer, Johanniskirche, S. 17; Leßke, S. 9. Bei Meyer, Johanniskirche, S. 11, und Osmers, Kirchen, S. 129, ist irrtümlich 1814 angegeben.
  61. Der ursprüngliche Balken wurde 1734 gekürzt, wodurch Anfang und Ende der beiden Inschriftenzeilen verschwanden, vgl. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 39; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 100.
  62. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 49.
  63. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 41.
  64. Vgl. Thies, S. 30 f.; Lührte, Siemers & Ulrich, S. 35.
  65. Zum Folgenden: Topp, Orgelbau Lkr. Verden IV, S. 312 ff.; Topp/Pape, Tappe, S. 31.
  66. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 88.
  67. Leßke, S. 6.
  68. Zu den Sg vgl. Thies, S. 39.
  69. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 51.
  70. Lührte, Siemers & Ulrich, S. 93 ff.
  71. Friedhöfe Verden, S. 19.