Seit 1982 Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (2009: Ev. Kirche in Mitteldeutschland) | Patrozinium: Jakobus | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Gebiet um Elbingerode gehörte ursprünglich zum Bereich des königlichen Jagdhofs Bodfeld, den Ks. Heinrich II. 1008 samt Zubehör dem Stift Gandersheim schenkte. Elbingerode selbst bestand als Ortschaft zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es trat wohl die Nachfolge des Ende des 12./Anfang des 13. Jh. aufgegebenen Dorfs Bodfeld an und wird 1206 als Alvelingeroth in einer Bestätigungsurkunde Papst Innozenz III. für das Stift Gandersheim erstmals urkundlich erwähnt. Um 1209 gehörte Elbingerode zu den Lehnsgütern des Gf. Siegfried II. von Blankenburg, 1247 kam es als Lehen des Stifts Gandersheim in welfischen Besitz, 1343 als braunschweigisches Afterlehen an die Gf. von Wernigerode bzw. Stolberg-Wernigerode. Um diese Zeit entstand auch das Amt Elbingerode. Spätestens 1422 ging Elbingerode wohl von der braunschweigischen an die grubenhagenschen Linie des Welfenhauses über.1 1427 belehnte Hzg. Erich zu Braunschweig-Grubenhagen den Stolberger Gf. Botho mit Schloss und Flecken. 1564 wird Elbingerode erstmals als Stadt bezeichnet. 1653 nahmen die Braunschweiger Hzg. das Amt Elbingerode wieder in eigenen Besitz. 1704 kam es zum Kfsm. Hannover und wurde 1842 der Berghauptmannschaft Clausthal unterstellt. 1885 zum Kr. Ilfeld und mit diesem 1932 von der Provinz Hannover in die Provinz Sachsen umgegliedert.
In der Gandersheimer Urkunde von 1206 wird Elbingerode „mit Kirchen und einer Münze genannt“. Die Mehrzahl der Kirchen bezieht sich neben der Jakobikirche auf die zum Ksp. gehörigen Kirchen zu Bodfeld (St. Andreas) und in dem abgegangenen Ort Erdfelde südlich von Elbingerode (vor Anfang des 15. Jh. wüst). Überreste eines mittelalterlichen KGb sind in Elbingerode nicht mehr erhalten. Die Ruine der Andreaskirche in Bodfeld, in der auch nach dem Wüstfallen des Dorfes der Elbingeröder Pfarrer nachweislich noch 1258 GD hielt, wurde 1870 ergraben.
1516 übergaben Gf. Botho zu Stolberg sowie Rat und Gemeine des Fleckens Elbingerode der dortigen Kirche vier rheinische Gulden als Zinsen eines durch den Elbingeröder Pfarrer Hildebrand Koch gestifteten Vermächtnisses. Weitere Nachrichten über vorref. Geistliche liegen nicht vor. Wann genau und wie die Reformation in Elbingerode Einzug hielt, ist unbekannt. Das Memorienbuch der Primariatpfarre führt 1535/45 Lucas Kruse als ersten luth. P. Ihm folgte Henningus Wedding (vorher Prediger in Wernigerode). Unter den P. sind außerdem erwähnenswert: M. Justus Philipp Meyenburg (amt. 1668-1695), später GSup. in Clausthal; Johann Mathias Meyenberg (amt. 1707-1710), später GSup. in Clausthal, sowie Christian Leopold Josua Illing (amt. 1770-1779), nachher GSup. und Konsistorialrat in Alfeld. Dr. August Friedrich Goldmann (amt. 1826-1830), später P. in Braunschweig. Groß Dahlum, galt als „berühmter Kanzelredner“, hatte aber als Anhänger einer rationalistischen Theologie in Elbingerode schwere Auseinandersetzungen mit seiner Gemeinde zu bestehen.2
Wohl schon in der Reformationszeit bekam Elbingerode eine Knabenschule, deren Rektorat bis 1694 mit der zweiten Pfarrstelle verbunden war. Die Kirche wurde bei Stadtbränden 1610, 1753 und 1858 zerstört. 1753 wurde nur ein Provisorium errichtet, das 1766 abgebrochen und durch einen zunächst turmlosen Neubau ersetzt wurde. Der Turm wurde 1831 errichtet. Nach dem Brand von 1858 lieferte u. a. auch Friedrich August Ludwig Hellner zwei Entwürfe. Realisiert wurde dann jedoch ein neugotischer Neubau nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase3 (eingeweiht 25. Oktober 1863), bei dem der Turmstumpf des Vorgängerbaus erhalten blieb. Der Turm ist bis heute Eigentum der Kommune.
Das Wirtschaftsleben bestimmten im 19. Jh. Land- und Forstwirtschaft, Steinbrüche und Kalkwerk sowie die Hüttenwerke in Rothehütte, Königshof und Elend; später auch zunehmend der Tourismus. Vor allem die prosperierende Hüttenindustrie zog vermehrt Arbeitskräfte an, die eine eigene seelsorgerliche Betreuung notwendig machten. 1880 fanden in den Hüttenorten jährlich zehn GD statt (die Hälfte durch den 1ersten und zweiten Pfarrer in Elbingerode): vier in Königshof, vier in Rothesütte, zwei in Elend. An den übrigen Sonn-, Buß- und Festtagen gab es GD mit Predigtvorlesung durch die Hüttenlehrer sowie monatliche Missionsstunden im Winterhalbjahr.4 Da die Versorgung dennoch als unzureichend empfunden wurde, gab es mehrfach (u. a. 1900/01, 1927) Bestrebungen zur Loslösung der drei Hüttenorte einschließlich der zugehörigen Wohnplätze von der Parochie Elbingerode. In Rothehütte sollte ein neuer Pfarrsitz entstehen. Der Bau eines Pfarrhauses war dort 1914 geplant, wurde aber durch den Ausbruch des Weltkriegs verhindert. Zu einer Umsetzung kam es auch nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr.5
1921 übersiedelten die Diakonissen des 1899 gegründeten Diakonissen-Mutterhauses Vandsberg (Westpreußen), deren Heimat nach dem Ersten Weltkrieg an Polen gefallen war, nach Elbingerode und errichteten dort ein neues Mutterhaus (Neuvandsberg). Das im Deutschen Gemeinschafts-Diakonie-Verband organisierte Haus, das innerhalb der Parochie Elbingerode lag, verfügte über drei eigene P., die zur Ortsgemeinde gute Beziehungen pflegten. Bei Vakanzen und zur Urlaubszeit übernahmen die Pfarrer des Mutterhauses auch die Vertretung der Ortsgeistlichen.6
Zwischen 1953 und 1958 wurde das schon vierzig Jahre zuvor geplante Pfarr- und Gemeindehaus in Königshütte errichtet, in dem der zweite P. seinen Dienstsitz nahm. 1983 wurde die bisherige KapG Königshütte als KG verselbständigt. Einsparungen erzwangen aber bereits 1994 wieder die Verbindung unter einem gemeinsamen Pfarramt, das auch die Kapelle in Elend einschließt. Das vorübergehend von Elbingerode aus versorgte Schierke wurde wieder nach Hasserode umgegliedert.
Seit dem Mauerbau (1961) war die Verbindung mit dem LKA und mit der Sup. in Clausthal wesentlich erschwert. Durch eine Notverordnung des Kirchensenats wurden deshalb die KG Elbingerode, Kaarßen, Neuhaus (Elbe), Stapel, Tripkau und Wehningen sowie die KapG Stiepelse und Nettgau/Wendisch-Brome dem Aufsichtsbezirk und KK-Verband Ilfeld angeschlossen, der nach Bildung des Bundes der Ev. Kirchen in der DDR ab 1. April 1969 durch die sächsische Landeskirche verwaltet wurde. Für die innerkirchlichen Zuständigkeiten und Aufgaben blieb weiter das Konsistorium in Ilfeld verantwortlich. Mit dem 1. Januar 1974 wurde die KG Elbingerode ganz in die Ev.-luth. Landeskirche Sachsens eingegliedert. Am 1. Januar 1982 kam es zur Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (seit 1. Januar 2009: Ev. Kirche in Mitteldeutschland). Der KV sprach sich 1992 gegen eine Rückgliederung in die hannoversche Landeskirche aus.
Seit 1986 pflegt die KG eine Partnerschaft mit der niederländischen Gemeinde Oost-Souburg.

Pfarrstellen

I. Vorref. – II: 1604.

Umfang

Die Stadt Elbingerode, die Dörfer Königshof (Kapelle 1607 erwähnt), Lucashof und Neuehütte, die Eisenhütten Rothehütte, Lüdershof, Basthütte, Mandelholz und Elend, die Viehhöfe Rase und Wiethfeld sowie die einzelnen Häuser im Mühlenthal. Mit dem 1. Oktober 1933 wurden die luth. Einwohner der in die Landgemeinde Schierke eingemeindeten Kolonie Barenberg und der Försterei Winterberg aus der KG Elbingerode und der KapG Elend entlassen.7

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Utzleben der Diözese Halberstadt. – Elbingerode unterstand dem Sup. des Fsm. Grubenhagen. 1680 wurde es der Aufsicht des Pastor primus Jordan in Clausthal unterstellt. Bei der Neueinteilung der grubenhagenschen Aufsichtsbezirke 1708 kam es endgültig zur Insp. (1924: KK) Clausthal.8 Nach Umgliederung in Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (bzw. Ev. Kirche in Mitteldeutschland) gehört die Gemeinde dem KK Halberstadt an.

Patronat

1605 wird Gf. Wolfgang Ernst zu Wernigerode in einem Schreiben des Rats als Patron bezeichnet.9 1630 erfolgte die Präsentation durch Philipp Adolph von Münchhausen „auf gnediges verschreiben des […] Fürsten und herrn Georgius, Hertzogen zu Br. und Lüneb.“10 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Dreischiffige, gotisierende Hallenbasilika auf kreuzförmigem Grundriss (1860-63), das Langhaus mit Seitengiebeln. Einwölbung mit Kreuzrippengewölbe. Als Baumaterial diente Grünstein (Basalt) von einem Steinbruch bei Königshütte. 1955-57 Einbau einer Winterkirche unter der Orgelempore. Sanierung 2003-13.

Fenster

Im Chor drei Buntglasfenster (Christi Geburt, Kreuzigung und Auferstehung) der Firma Müller in Quedlinburg (1961).

Turm

Westturm, mit ins Achteck überführtem Helm (1999 saniert), flankiert von zwei niedrigeren achteckigen Treppentürmen. Turmuhr 1866 von P. Furtwängler (Elze).

Ausstattung

Hölzernes, neugotisches Altarretabel von Carl Dopmeyer: In der Mitte der Predella der seine Jungen mit seinem Blut nährende Pelikan (Christussymbol), flankiert von den vier Evangelisten; darüber ein Kruzifix in einer Mandorla. – Neugotische Kanzel mit Schalldeckel. – Achtseitiger kelchförmiger Taufstein aus der Erbauungszeit der Kirche. – Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Orgel

Eine Orgel war bereits in der Holzkirche von 1615 vorhanden. Neubau 1863 durch Carl Heyder (Heiligenstadt). 1937 und 1963 in der Disposition verändert; 23 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen.11 Neugotischer Prospekt. Die Orgel wurde in den 1950er Jahren durch Orgelbaumeister Söhnle (Halberstadt) nach barockem Vorbild neu disponiert. – In der Winterkirche befindet sich eine 1957 gebaute Orgel der Gebrüder Jehmlich (Dresden), 7 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Stahl, Gj. 1865, Bochumer Verein); II: ais’ (Stahl, Gj. 1858, Bochumer Verein); III: cis’’ (Stahl, Gj. 1865, Bochumer Verein). – Zwei SG (Gj. 1866). – Früherer Bestand: Von vier Anfang des 17. Jh. vorhandenen LG ist eine 1605 gesprungen. 1617 wurde die im Jahr zuvor gesprungene Vesper-Glocke auf Kosten der Gemeinde umgegossen (erneut 1644 in Wolfenbüttel). Beim Brand von 1858 wurde das Geläut zerstört. Eine noch im gleichen Jahr bei Gebrüder Ulrich (Apolda) aus dem Glockengut gegossene Glocke wurde 1901 nach Elend für die dortige Kapelle verkauft.

Weitere kirchliche Gebäude

Das Kirchengrundstück wird an Ostseite von den beiden Pfarrhäusern (Pfarrhaus I von 1858, noch als solches genutzt, mit Gemeinderäumen; Pfarrhaus II, Bj. 1859, seit 1992 im Eigentum der Kommune) und an der Westseite von zwei Schulhäusern (entworfen von Friedrich August Ludwig Hellner) begrenzt.

Friedhof

Eigentum der KG. Der ursprünglich auf dem Kirchhof befindliche Begräbnisplatz wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. auf das Areal zwischen Rohrbachstraße und Kahlenberg verlegt (1763 und 1783 vergrößert, 1811 geschlossen). 1811 wurde der Friedhof am heutigen Platz zwischen Mozartstraße und Waldhofstraße in Benutzung genommen und 1834, 1848 und 1880 erweitert. Die FKap ist seit 1975 an die kath. KG verpachtet (St.-Andraes-Kirche) und wird durch beide Konfessionen gemeinsam genutzt.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2876-2900 (Pfarroffizialsachen); A 4 Nr. 177-180 (Berghauptmannschaft Clausthal); A 5 Nr. 162-164 u. 172 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2113-2134 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 591-597 (Visitationen).

Literatur

A: Schreiber, Inspektion Clausthal, S. 40-51.
B: Festschrift 150 Jahre Sankt-Jakobi. Stadtkirche Elbingerode 1863-2013, [Elbingerode 2013]; Gustav Lindemann: Geschichte der Stadt Elbingerode i. H., Elbingerode 1909; Hans-Henning Lippe: Streifzüge durch die Kirchengeschichte von Elbingerode, in: Von Alvelingeroth bis Elbingerode. Die 800jährige Geschichte einer kleinen Harzer Stadt [Halberstadt 2006], S. 159-172.


Fußnoten

  1. Pischke, Grubenhagen, S. 156.
  2. Schreiber, Inspektion Clausthal, S. 46.
  3. Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 54.
  4. LkAH, A 9 Nr. 596 (Visitation 1880).
  5. LkAH, A 5 Nr. 164 (Die kirchliche Versorgung der Außenorte der Parochie Elbingerode); LkAH, A 9 Nr. 597 (Der GSup. an den Sup. in Clausthal, 30.11.1927).
  6. LkAH, L 5c, unverz., Elbingerode, Visitation 1949 (Visitationsfragen V.5).
  7. KABl. 1933, S. 175 f.
  8. Schlegel, Kirchenrecht II, S. 216.
  9. Schreiber, Inspektion Clausthal, S. 41.
  10. Schreiber, Inspektion Clausthal, S. 41.
  11. Mitteilung von KMD Dietmar Damm (Wernigerode) vom 25.08.2014.