Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheim-Sarstedt | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

1884 errichtete P. Bernhard Isermeyer in Achtum bei Hildesheim ein Frauenheim, das 1888 in den Ort Himmelsthür umzog. Die seelsorgerliche Betreuung erfolgte zunächst nebenamtlich von Hildesheim aus. 1898 wurde für das Heim eine Pfarrkollaboratur errichtet, die bis 1912 der Michaelisgemeinde, dann der Christuskirche auf dem Moritzberg zugewiesen war.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1980

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1980

Erster Pastor in Himmelsthür war P. Bernhard Isermeyer (amt. 1898-1909), der die Einrichtung zugleich leitete. Auch sein Sohn P. Emil Isermeyer (amt. 1909-1939, Anstaltsleiter) sowie seine Enkel P. Hans-Georg (amt. 1937-1972, Anstaltsleiter) und P. Hermann Isermeyer (amt. 1953-1957, Pfarrer der Landeskirche) wirkten im Frauenheim. Seit 1956 gehörte die Anstalt zur neuen KG Himmelsthür. Das Frauenheim, eine Einrichtung der Inneren Mission, war keine eigenständige Anstaltsgemeinde.1 Allerdings zeigen die Visitationen 1917, 1923 und 1931, dass die Kirchenleitung die Einrichtung analog zu Anstaltsgemeinden behandelte.2 Die seelsorgerische Betreuung der Patientinnen und des Personals oblag überdies den Anstaltsgeistlichen (1966 insgesamt drei) und nicht den jeweiligen Ortspfarrern, die jedoch die Hauptkirchenbücher führten.3 1923 zählte das Frauenheim Himmelsthür 360 Gemeindeglieder und 1963 etwa 1.500 (Personal und Patienten).4 Mitte der 1970er Jahre verlegten die nunmehrigen Diakonischen Werke Himmelsthür ihren Hauptsitz in den Hildesheimer Stadtteil Sorsum. 1978 erwarb die serbisch-orthodoxe Kirche das Kapellengebäude und weihte es 1979 als „Kirche der Entschlafung der Gottesmutter“. Sie diente bis 2015 als Bischofskirche.

Umfang

Angehörige des Frauenheims Himmelsthür.

Kapellenbau

Dreigeschossiger, neugotischer Backsteinbau mit Satteldach, erbaut 1902 (Architekt: Adelbert Hotzen). Im Süden fünfseitiger, eingezogener Chor mit abgewalmtem Satteldach, an Nordostecke runder Treppenturm. Dreischiffiges Obergeschoss als Kapelle, untere Geschosse als Wirtschaftsräume genutzt.

Turm

Über Eck gestellter viereckiger Dachreiter mit Laterne und hohem Pyramidenhelm. 1979 Sanierung und Neugestaltung im Innern als serbisch-orthodoxer Kirchenraum.

Orgel

1906 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 12 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen (Opus 581). 1959 Dispositionsänderung durch Emil Hammer (Hannover).

Geläut

LG (Bronze, Gj. 1902, Radler, Hildesheim), Stiftung der Glockengießerei.

Friedhof

Frauenheimer Friedhof, 1941 als Heimfriedhof eröffnet.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 3707-3708 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1055 (Visitationen).

Literatur

A: Jürgens u. a., KD Lkr. Hildesheim, S. 126; Meyer, Pastoren I, S. 505; Twachtmann-Schlichter, Stadt Hildesheim, S. 251 f.; Pape, Organographia Historica Hildesiensis , S. 483-485; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 117.
B: Himmelsthür. Beiträge zur Geschichte, hrsg. von der Hildesheimer Volkshochschule e. V., Hildesheim 1999; Ernst Isermeyer: Das Frauenheim vor Hildesheim. Festschrift zum 25jährigen Bestehen, Frauenheim 1909; Hans-Walter Schmuhl, Ulrike Winkler: Vom Frauenasyl zur Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung. 130 Jahre Diakonie Himmelsthür (1884-2014), Bielefeld 2014.

GND

16101541-4, Frauenheim vor Hildesheim.


Fußnoten

  1. LkAH, B 2 G 9/(Frauenheim) Himmelsthür Bd. I, Bl. 8.
  2. LkAH, A 9 Nr. 1055; bei der Beantwortung der Visitationsfragen heißt es ebd. 1923, Frage 74, beispielsweise: „Die Anstaltsgemeinde ist evangelisch.“
  3. LkAH, A 9 Nr. 1055, Visitation 1923: „Ordnungsgemässe Kirchenbücher werden dagegen jetzt geführt, obwohl die amtlichen Eintragungen in die Moritzberger Kirchenbücher geschehen.“
  4. LkAH, A 9 Nr. 1055, Visitation 1923; LkAH, L 5h, unverz., Himmelsthür, Visitation 1963.