Frühere Gemeinde | Sprengel Hannover, KK Grafschaft Schaumburg | Patrozinium: Cosmas und Damian | KO: Schaumburger KO von 1614

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort Exten wird 896 in der Bestätigungsurkunde für das Kloster Möllenbeck als Achriste erstmals erwähnt. Aus einem Sattelhof, Mittelpunkt einer mindenschen Villikation, ging im 13. Jh. das heutige Rittergut hervor. Er war als mindensches Lehen im Besitz der Familie von Eckersten, ab 1543 von Wartensleben, 1809 von Wardenburg und wurde 1814 durch den Bremer Kaufmann Wilhelm Grimmell erworben, dessen Erben (von Meien) das Gut heute noch besitzen. – Die Landesherrschaft erlangten die Gf. von Schaumburg. Bei der Teilung der Gft. 1647/48 fiel Exten an den hessischen Teil und gehörte damit von 1821 bis 1866 zum Kfsm. Hessen(-Kassel), ab 1867 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. 1932 erfolgte die Umgliederung in die Provinz Hannover.
Die um 700 von Würzburger Missionaren gegründete Kirche in Exten ist die älteste im schaumburgischen Wesertal. Sie war ein Zentrum der Sachsenmission und eine Ur- bzw. Taufkirche des nachmaligen Archidiakonats Ohsen. Ein erstes, vermutlich hölzernes KGb wurde zwischen 770 und 790 errichtet. Die Aufsicht ging später auf das Bm. Paderborn und schließlich das Bm. Minden über. Im April 1297 (nicht: 1287) vertauschte Bf. Ludolf von Minden die Kirche in Exten samt Zubehör gegen den Zehnten in Oldenrinteln an das Rintelner Jakobskloster1, das die Versorgung der Gemeinde bis zur Reformation einem Vikar oder Vizepleban überließ. Zu besonderen Anlässen wurden Amtshandlungen auch durch den Rintelner Klosterpropst vorgenommen.
Geweiht war die Kirche ursprünglich dem Würzburger Diözesanheiligen Kilian (noch um 1280 nachgewiesen).2 Im 13. Jh. wurde er durch die Heiligen Cosmas und Damian abgelöst. Der Wechsel des Patroziniums zu den beiden frühchristlichen Märtyrerärzten stand möglicherweise im Zusammenhang mit einer Pestepidemie.
Unter den vorref. Geistlichen werden genannt: Lubbert (1291/99); Johann von Rottorf (1299-1344); Siegfried von Bardeleben (1344-1407); Henricus de Althen, plebanus in Eckersten (1373)3; Hermann Everdingh († 1471); Johann Kruckeberg (ab 14714, vor 1507 Propst des Klosters Rinteln5); Johann Meier (1495); Johann Rennemann; Anton Nachtigall (1549). 1518 verpflichtete sich Johann Wengke, karchere to Extern, gegenüber Propst, Äbtissin und Konvent des Klosters Rinteln zu gegebener Zeit gegen Empfang einer Leibzucht auf seine Pfarrstelle zu verzichten.6
1559 führte Gf. Otto IV. die Reformation in der Gft. Schaumburg ein. 1563 wurde das Jakobskloster aufgehoben und damit auch die Bindung der Kirche in Exten gelöst. Erster bekannter luth. Geistlicher war Arend Flöge (bis 1604). Zwischen 1683 und 1831 war die Pfarrstelle über vier Generationen im Besitz der Familie Rottmann. Die Geistlichen von Exten nahmen im 18. Jh. auch Abendmahlsfeiern für die luth. Einwohner von Bösingfeld (Lippe-Detmold) vor7 sowie ab 1782 zweimal jährlich in der sonst ref. Gemeinde Möllenbeck, die sich später allerdings mehr zu Rinteln hielt.8
Obwohl die Gutsbesitzer kein Anrecht auf das Patronat hatten, waren Kirche und Pfarre eng verbunden und hatten in der Kirche ihr Erbbegräbnis. Elmerhaus von Wartensleben stiftete 1702 außerdem das Pfarrwittum.9
In der NS-Zeit amtierte in Exten P. Sommerlath (ab 1928), der keine bestimmte kirchenpolitische Haltung einnahm. Der Ortsbürgermeister war zunächst Mitglied des KV, trat aber 1944 aus der Kirche aus. Die Bekenntnisschule wurde 1936 in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.
Partnerschaften bestanden zur KG Mavhola im KK Devhula (Südafrika) und zur KG Glauchau in Sachsen.
Zum 1. Januar 2006 erfolgte der Zusammenschluss der KG Exten und Hohenrode zur „Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Exten-Hohenrode in Rinteln“.10

Umfang

1835: Exten mit den vier Eisenhämmern und dem adeligen Gut; die nordwestliche Hälfte von Strücken, der Hof Kehl, Uchtorf, Krankenhagen mit Mühle und Rottberg, der Hof Struvensiek, Friedrichshöhe, Volksen und Wöseberg sowie die im fürstlich-lippischen Amt Alverdissen gelegenen Orte Brembeck [Bremke] (einschließlich Mühle), Rott und Ösingfeld. 1926: Exten, Krankenhagen mit Rottberg und Friedrichshöhe, die westliche Hälfte von Strücken, Uchtdorf, Volksen und Wöseberg, die lippischen Bauernschaften Brembeck und Rott mit Ösingfeld. Mit dem 1. Juli 1959 wurden die luth. Einwohner der politischen Gemeinde Krankenhagen und der Exklave Klein-Uchtdorf der politische Gemeinde Uchtdorf aus der KG Exten ausgegliedert und zur KG Krankenhagen zusammengeschlossen, blieben aber vorläufig durch das Pfarramt in Exten mit der KG Exten verbunden.11 Mit der Errichtung einer eigenen Pfarrstelle wurde die Verbindung zwischen Krankenhagen und Exten zum 1. Juli 1960 gelöst.12

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – Mit dem Anfall an Kurhessen 1647 zur Diözese Rinteln bzw. KK Grafschaft Schaumburg (Klasse Rinteln). 1. April 1937 Umgliederung in die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, KK Schaumburg.13

Patronat

Unter dem 2. April 1484 verzichteten die Priester Johannes Singelking und Johannes Selter im Namen des Johannes Kruckeberg, Pfarrer zu Exten, und Johannes Weyge, Vikar des Altars Mariae Magdalenae zu Rinteln zugunsten des Klosters Rinteln auf das Patronatsrecht über die Kirche zu Exten.14 Wohl mit der Aufhebung des Klosters (1563) ging das Patronat auf den Landesherrn über (bis 1918).

Kirchenbau

Bei Renovierungsarbeiten wurde 1964/65 unter dem Fußboden eine drei mal sechs Meter große Steinplatte gefunden, die als Fundament der ersten Holzkirche gedeutet wird.15 Damit wäre eine Standortkontinuität von der Missionsphase bis heute nachgewiesen. Der jetzige einschiffige, romanische Saalbau mit eingezogenem, erhöhtem Chorraum und halbrunder Apsis stammt wohl aus dem ausgehenden 12. Jh.; 1964/65 saniert. Westempore (Orgelempore) mit vier Wappen der Gutsbesitzerfamilien (von Eckersten, von Wartensleben, Grimmel, von Meien) auf der Brüstung.

Fenster

In der Apsis hinter dem Altar drei Buntglasfenster von Werner Brenneisen (Hannover): Geburt Christi, Auferstehung und Pfingsten (1965).

Turm

Quadratischer, spätgotischer Westturm mit ins Achteck überführtem Helm. Der Turm wurde nach teilweisem Einsturz 1548 wieder aufgebaut (inschriftlich dat.). Die dem Schiff zugewandte Seite zeigt noch die romanische Doppelschalluke des ursprünglichen Baus.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar mit vorref. Mensa. Ein geschnitztes Altarbild wurde 1883 an einen Düsseldorfer Kunsthändler verkauft und gilt als verschollen. – Kanzel im Bauernbarock, in den Brüstungsfeldern Christus und die vier Evangelisten (18. Jh.). – Sandsteintaufe mit hölzernem Deckel, Entstehungszeit unklar. Metallkreuz als Deckelbekrönung modern ergänzt. – Sakramentsschränkchen, bekrönt von einem Wimperg mit seitlichen Fialen; im Tympanon Relief der heiligen Veronika mit dem Schweißtuch (Mitte 15. Jh.).16 – Mittelalterliches Weihwasserbecken, im 20. Jh. auf einem Feld aufgefunden und wieder in die Kirche verbracht. – Zwei romanische Kruzifixe aus Exten (Darstellung der Heiligen Cosmas und Damian, 12./13. Jh.) wurden 1896 an das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Marburg verkauft.

Orgel

Ursprüngliches Baujahr unbekannt, die ältesten Pfeifen sollen aus dem 16. Jh. stammen. Prospekt und Werk wurden 1733 durch Christian Klausing (Herford) erneuert; 13 I/P. 1936 Neubau des Werks durch die Firma Klaßmeyer, 22 II/P, pneumatische Traktur. 1967/68 Neubau des Werks durch Firma Emil Hammer (Arnum), 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Der barocke Prospekt von 1733 steht unter Denkmalschutz.

Geläut

Vier LG, I: e’; II: g’; III: c’’; IV: d’’ (alle Bronze, Gj. 1968, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Die Kirche erhielt 1870 eine kleine Stahlglocke in des’’ des nachmaligen Bochumer Vereins (nicht mehr vorhanden). Vom historischen Geläut wurde im Ersten Weltkrieg eine Bronzeglocke (Gj. 1587) eingeschmolzen. 1925 erfolgte die Anschaffung von zwei Eisenhartgussglocken in f’ und a’ der Firma Ulrich & Weule (Apolda/Bockenem).

Weitere kirchliche Gebäude

Ein Pfarrhaus wurde 1608/09 neu errichtet und nach Beschädigung im Dreißigjährigen Krieg 1648/51 renoviert. Ein weiterer Neubau von 1815 brannte 1898 nieder und wurde noch im gleichen Jahr durch die jetzigen Pfarrgebäude ersetzt. Die ehemaligen Pfarrscheune (Bj. 1898) wurde 1968 zum Gemeindehaus mit Küsterwohnung und Jugendraum umgebaut.

Friedhof

Alle Friedhöfe im Ksp. in Trägerschaft der politischen Gemeinden.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 13 (Kirchenverwaltung der Gft. Schaumburg); D 34 a (EphA Rinteln).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 111, Nr. 106; Bach, Kirchenstatistik, S. 477 f.; Holscher, Bisthum Minden, S. 77 f.; Mooyer, Gft. Schaumburg, S. 23 f.; Paulus, Nachrichten, S. 119-144; Siebern, BKD Kr. Schaumburg, S. 38-40.
B: Helmuth Borutta: Die Kirche St. Cosmae und Damiani zu Exten, in: Schaumburger Heimat 14 (1983), S. 28-36.


Fußnoten

  1. Westfälisches UB VI, Nr. 1591.
  2. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 91.
  3. UB Rinteln, Nr. 144.
  4. UB Rinteln, Nr. 187.
  5. UB Rinteln, Nr. 217.
  6. UB Rinteln, Nr. 229.
  7. Bach, Kirchenstatistik, S. 510.
  8. UB Rinteln, S. 463.
  9. Paulus, Nachrichten, S. 124.
  10. KABl. 2006, S. 24 f.
  11. KABl. 1959, S. 104.
  12. KABl. 1960, S. 88.
  13. KABl. 1937, S. 85-88.
  14. UB Rinteln, Nr. 198.
  15. Borutta, S. 29.
  16. Müller, Sakramentsnischen, C 47.