Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Emsland-Bentheim | Patrozinium: Frieden | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Ersterwähnung 1312 mit dem Pfarrherrn Grumbert in Emminchem.1 Seit 1440 dauerhaft zur Gft. Bentheim. Bis 1554 waren die meisten Kirchen der Gft. luth. geworden. 1588 nahm Gf. Adolf II. das ref. Bekenntnis an. Damit wurde auch die Kirche in Emlichheim ref., in der gesamten Gft. lebte nur noch eine kleine luth. Minderheit, die erst mit der Eingliederung in das Kgr. Hannover 1813 und dem Zuzug von luth. Beamten und Soldaten v. a. in die Städte Bentheim und Neuenhaus wieder anwuchs. Die seelsorgerliche Betreuung übernahm die KG Meppen. Für luth. GD stellten auch die ref. Gemeinden ihre KGb zur Verfügung.
Anfang des 20. Jh. gab es vermehrt Bemühungen, den Lutheranern in der Gft. Bentheim eine eigene kirchliche Heimat zu geben. 1912 wurde in Bentheim eine luth. Kirche eingeweiht (die erste in der Gft.), deren Einzugsbereich auch die luth. Einwohner von Emlichheim umfasste. Mit einem weiteren Zugang von Behördenmitarbeitern und als Folge des Zuzugs von Arbeitern für die expandierende Textilindustrie kam es nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal zu einem starken Wachstum des luth. Bevölkerungsanteils. Infolgedessen wurden 1924 in Bentheim (für die Obergrafschaft) und Nordhorn (für die Niedergrafschaft) die beiden ersten luth. KG gegründet, wobei nur Nordhorn als rechtlich selbständige KG geführt wurde. Die Lutheraner in Emlichheim wurden seither von Nordhorn aus mitbetreut, das 1930 mit der Kreuzkirche ebenfalls ein eigenes Gotteshaus erhielt. Die nördliche Nieder-Gft. war dabei noch ausgesprochenes Diasporagebiet. Bei Kriegsende lebten hier nur 25 Lutheraner (v. a. Zollbeamte und Erdölarbeiter). Durch den Zugang von Vertriebenen wuchs ihre Zahl aber schnell auf rund 3.200 (1948) an. Im Mai 1946 wurde innerhalb der KG Nordhorn für den Bereich von Laar bis Wilsum über Emlichheim und Hoogstede bis nach Neuringe und Adorf der Seelsorgebezirk „Niedergrafschaft Nord“ gebildet. Die pfarramtliche Versorgung übernahm der aus Schlesien vertriebene P. Günther Nitsche, der als P. der Landeskirche mit Dienstsitz in Emlichheim mit der Diasporaarbeit im Emsland beauftragt wurde.
Mit dem 1. Oktober 1949 wurde in Emlichheim eine KapG gebildet.2 Sie war KapG neuen Rechts, d. h. der KapV hatte die Rechte eines KV, die pfarramtliche Verbindung mit der Kreuzkirche in Nordhorn blieb jedoch bestehen. Am 1. April 1959 erfolgte die Umwandlung der KapG in eine KG und Errichtung einer Pfarrstelle.3 Nitsche wurde erster Gemeindepastor (bis 1976, † 2000). Er initiierte u. a. den Bau der Ev. Jugendbildungsstätte (1956, Betrieb Ende 2014 eingestellt).
Zur KG zählten 1963 etwa 1.500 Gemeindeglieder; dazu etwa 500 in Hoogestede, das 1960 mit der Thomaskirche ein eigenes KGb erhielt und mit dem 1. Januar 1963 als mater combinata der KG Emlichheim verselbständigt wurde.4

Umfang

Die 1948 gebildete KapG umfasste die Ortschaften Emlichheim, Volzel, Echteler, Vorwald, Laar, Heesterkante, Agterhorn, Eschebrügge, Klein-Ringe, Groß-Ringe, Alexisdorf-Neugnadenfeld, Neuringe, Hoogstede, Scheerhorn, Berge, Kalle, Tinholt, Adorf und Wilsum. Heute gehören zur KG die ev.-luth. Einwohner der politischen Gemeinden Emlichheim, Laar (mit den Ortsteilen Vorwald, Agterhorn, Hesterkante und Eschebrügge) und Ringe (mit Kleinringe).

Aufsichtsbezirk

Seit Errichtung der KG zum KK Emsland-Bentheim.

Kirchenbau

Das Grundstück für den Kirchenbau wurde der KG 1950 durch die Markengemeinde überlassen. Die darauf errichtete Friedenskirche (Architekt: Dipl.-Ing. Max Berling, Osnabrück; Einweihung am 7. November 1954) gehört zu den ersten Kirchenneubauten der Nachkriegszeit und steht unter Denkmalschutz. Der moderne Massivbau ist in seiner äußeren Form einem umgestülpten Schiff nachempfunden, die Grundkonstruktion besteht aus jeweils zu zweit zu einem Kasten verbundenen Nagelbindern. 1992/983 grundlegend renoviert.

Fenster

Farbiges Altarfenster nach Entwurf von Peter Berling (Sohn des Architekten); Ausführung von Firma Fritz Honsel (Osnabrück).

Turm

Freistehender offener Glockenträger; durch einen halboffenen überdachten Gang mit der Kirche verbunden.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar. Kanzel und Lesepult ursprünglich aus Beton. Der Altarraum wurde bei der Kirchenrenovierung von 1992/93 neu gestaltet (Kanzel, Lesepult und Taufständer aus Holz).

Orgel

1955 Neubau durch die Orgelbauanstalt Rudolf Haupt & Co. (Osnabrück) nach Plänen von KMD Ewert (Osnabrück) und Architekt Berling; 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1994 Neubau der Firma Flentrop Orgelbouw (Zaandam), 10 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: h’; II: d’’; III: e’’ (alle Bronze, Gj. 1954, Gebrüder Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Jugend- und Gemeindehaus (Bj. 1949). – KiGa (eingerichtet 1949, Neubau 1994). – Pfarrhaus (Bj. 1951/52, genutzt bis 1991). – Küsterhaus (Bj. 1955). – Grenzlandheim (Jugendbildungsstätte, Bj. 1956). – Gemeindehaus (Bj. 1988/89). – Neues Pfarrhaus (Bj. 1990/91).

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 80.
B: 50 Jahre Ev.-Luth. Friedenskirche Emlichheim, Emlichheim [2004].


Fußnoten

  1. Brüning/Schmidt, Historische Stätten, S. 139.
  2. KABl. 1949, S. 89.
  3. KABl. 1959, S. 54.
  4. KABl. 1963, S. 9 f.