Sprengel Lüneburg, KK Hittfeld | Patrozinium: Nikolaus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Elstorf, 1244 erstmals erwähnt, gehörte im 14. Jh. zum linkselbischen Besitz der Gf. von Schwerin, später zum Fsm. Lüneburg und war seit dem 17. Jh. Sitz einer Amtsvogtei des Amts Moisburg (ab 1859 Amt Tostedt). – Seit 1972 Ortsteil von Neu Wulmstorf.

Kirche, Ansicht von Norden, 1928

Kirche, Ansicht von Norden, 1928

Der erste Sakralbau entstand wohl um 1200 auf einer kleinen Anhöhe als Kapelle des Ksp. Hollenstedt. Ein in der Literatur für das Jahr 1281 angeführter Beleg für eine Pfarrkirche1 bezieht sich auf die Kirche in Elsdorf.2 Die Kapelle wird noch 1474 und 1518 als solche bezeichnet. Pfarrrechte erhielt Elstorf. erst zur Reformationszeit (Einführung des luth. Bekenntnisses um 1530). Als erster P. wird der im Visitationsprotokoll von 1543 genannte Bernardus Witick geführt3, 1571 Bernhardus Lagemann, dem wohl 1572 Christopher Frohne und sein gleichnamiger Sohn folgten. Mit Henricus Mechovius (amt. 1616–1638) und Christoph Bauknecht (amt. 1638–1671) beginnt die gesicherte Series pastorum.
Neben der Pfarrkirche in Elstorf wurde ab etwa 1900 auch die Schule in Scheideholz zwischen Fischbek und Neugraben für GD genutzt. Nach der Umgliederung der damaligen politischen Gemeinde Neugraben von der KG Sinstorf nach Elstorf wurde dort 1903 eine zweite Pfarrstelle errichtet und ihr Pfarrsprengel 1924 verselbständigt ( Hamburg-Neugraben).
P. Emil Boes (amt. 1900–1910) gründete 1907 eine Fortbildungsschule für Handwerkslehrlinge. Seit 1928 war eine Gemeindeschwester in Elstorf tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde von der Diakoniestation Hollenstedt-Neu Wulmstorf und der Sozialstation Buxtehude versorgt.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Juli 19034; 1. April 1924 auf die neu errichtete KG Neugraben-Fischbek übertragen.5

Umfang

Die Dörfer Ardestorf, Altkloster, Daerstorf, Elstorf, Eilendorf, Fischbek, Immenbeck, Ketzendorf, Moor, Neuengraben, Ovelgönne, Vorwerk Ovelgönne, Schwiederstorf und Wulmstorf, der Hof Lüneburger Schanze. Am 1. Juli 1903 wurde die politische Gemeinde Neugraben einschließlich Hausbruch, Alt- und Neuwiedenthal aus der KG Sinstorf in die KG Elstorf umgegliedert,6 am 1. April 1924 das Gebiet der politischen Gemeinden Fischbek mit Scheideholz und Neugraben mit Alt- und Neu-Wiedenthal und Hausbruch, letzteres soweit es bisher zu Elstorf gehörte, aus der KG Elstorf ausgepfarrt und zur KG Neugraben-Fischbek erhoben.7 Am 1. Oktober 1958 wurde die KG Neu Wulmstorf ausgegliedert und verselbständigt.8 Zur Parochie gehören heute noch die Dörfer Elstorf, Schwiederstorf, Daerstorf, Wulmstorf, Ardestorf, Ketzendorf, Ovelgönne, Immenbeck und Eilendorf.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hollenstedt der Diözese Verden; später Archidiakonat des Andreasstifts in Verden. – Nach einem Synodalprotokoll von 1588 gehörte Elstorf damals zum Kirchenbezirk des Fsm. Harburg9, später Insp. Harburg. 1. September 1922 in die neu gebildete Insp. (1924: KK) Hittfeld umgegliedert.10

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Saalkirche aus Feldsteinen mit fünfseitigem Ostschluss, im Kern vielleicht spätromanisch (um 1200). Die Fenster wurden in gotischer Zeit verändert. Als die ursprünglich Kirche zu klein geworden war, wurde sie um 1700 im barocken Stil grundlegend erneuert, das Schiff vergrößert, das Innere durch eine flachbogige Balkendecke geschlossen. Orgelempore an der Westseite. Innenrenovierung 1953.

Turm

Ursprünglich ein wohl freistehender Glockenturm. 1729 wurde der Kirche der heutige hölzerne Westturm mit oktogonalem Glockengeschoss vorgebaut. Helm über einer barocken Haube.

Ausstattung

Durch Säulen gegliederter, barocker Kanzelaltar mit geschlossener Empore (1701), Sprenggiebel bekrönt durch den auferstandenen Christus, begleitet von zwei Engeln mit den Leidenswerkzeugen. Über der Altarmensa ein Abendmahlsbild. Zu den Seiten der Kanzel Darstellung der Kreuzigung und Auferstehung. – Hölzerne Barocktaufe (1692) mit Figur Johannes des Täufers auf dem Deckel. Silberne Taufschale, gestiftet 1929 durch die Gemeinde Immenbeck. – Gemälde Luthers und Melanchthons unter der Orgelempore (zuvor an Emporenbrüstung beiderseits des Altars). – Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs unter der Orgelempore. – Grabplatte des P. Justus Konrad Wedekind (amt. 1725–1774) links im Altarraum.

Orgel

1853/54 Neubau durch Eduard Meyer (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1953 Veränderung der Disposition im Sinne der Orgelbewegung durch Walter Ritter (Hamburg), 14 II/P. 1967 durch E. Kemper & Sohn (Lübeck) generalüberholt; 15 II/P. Weitere Dispositionsänderung 1978 durch Firma Emil Hammer (Arnum), 16 II/P. 2006/07 Restaurierung durch die Firma Orgelbau in Ostfriesland (Martin ter Haseborg, Uplengen).

Geläut

Drei LG, I: g’ (bis 1968 in gis’, Nachstimmung durch Gebrüder Rincker; Bronze, Gj. 1819, Anton Keller, Tostedt); II: gis’ (Bronze, Gj. 1863, Friedrich Dreyer, Linden/Hannover); III: h’ (Bronze, Gj. 1968, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Die älteste bekannte LG war 1639 durch Pawel Voß (Lüneburg) aus einer älteren Glocke umgegossen worden, ist 1777 geborsten und wurde 1819 durch den Stückgießer Anton Keller zur jetzigen LG I umgegossen. Sie wurde 1942 zu Rüstungszwecken abgegeben, kehrte aber 1947 in die Gemeinde zurück. LG II wurde 1801 durch Christoph Heinrich Meyer (Bremen) und 1863 durch Dreyer (Linden/Hannover) umgegossen. Sie wurde 1917 abgeliefert und 1919 zurückgegeben. Das Geläut wurde erst 1968 von zwei auf drei Glocken ergänzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Neues Pfarrhaus 1742/45 an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 16. Jh. Pfarr- und Küsterhaus wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, das Pfarrhaus 1948/49 neu errichtet (2011 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt). – Die KG verfügte früher auch über ein Pfarrwitwenhaus (datiert 1701), das bereits 1902 veräußert und 1971 abgebrochen wurde. – Gemeindehaus (Bj. 1971/72, umgebaut und erwitert 1993).

Friedhof

Der Kirchhof wurde als Friedhof 1818 aufgegeben. Bereits 1814 war an der Daerstorfer Straße (heute Mühlenstraße) ein neuer Begräbnisplatz angelegt worden (erweitert 1849 und 1890). FKap (Bj. 1962). In Trägerschaft der KG. – Seit 1956 besteht außerdem ein kommunaler Friedhof in Immenbeck für die Gemeinden Eilendorf und Immenbeck. FKap (Bj. 1971).

Liste der Pastoren (bis 1940)

1543 Bernardus Witik. – 1571 Bernhard Lagemann. Christopher Frohne. Christopher Frohne, S. d. Vorigen. – 1616–1638 Henricus Mechovius. – 1638–1671 Christopher Bauknecht. – 1672–1776 Joachim Meincke. – 1676–1718 Christopherus Reibesthal. – 1715–1718 Bertholt Georg Hölscher. – 1718–1725 Georg Wilhelm Haber. – 1725–1774 Just Conrad Wedekind. – 1775–1800 Friedrich August Peters. – 1800–1807 Wilhelm Christian Eberhard Friedrich. – 1807–1826 Johann Samuel Ludwig Nöldeke. – 1826–1839 Johann Friedrich Karl Meyer. – 1839–1851 Christian Eduard Bühring. – 1851–1856 Leopold Julis Schultze. – 1856 Heinrich Friedrich Haccius. – 1856–1867 Johann Heinrich Louis Hoppe. – 1867–1877 Adolf Walbaum. – 1877–1887 Johannes Friedrich Kastropp. – 1888–1900 Gustav Adolf Oehlmann. – 1900–1911 Emil Boes. – 1912–1914 Klaus Oskar Umland. – 1915–1918 Hans Theodor Ernst Hoppe. – 1918–1929 Gerhard Schriever. – 1929–1936 Adolf Arnold Enno Langelotz. – 1937– Georg Hermann Karl Emil Jacobi.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 253–254

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3086–3099 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 431u. 451 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2198–2211 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 620–626 (Visitationen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 105 f., Nr. 95; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 440.
B: 800 Jahre Kirche Elstorf. 1000 Jahre Christentum in unserer Gemeinde (Festzeitschrift), [Elstorf 2000]; Wilhelm Marquardt: Chronik der Gemeinde Neu Wulmstorf Bd. IV: Elstorf, Rade, Mienenbüttel, [Neu Wulmstorf] 1986.


Fußnoten

  1. Meyer, Pastoren I, S. 253.
  2. Heyken, Bischofsurkunde, S. 57 ff.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 531.
  4. KABl. 1903, S. 30.
  5. KABl. 1924, S. 11.
  6. KABl. 1903, S. 30.
  7. KABl. 1924, S. 11.
  8. KABl. 1958, S. 200.
  9. Hennecke, Kirchenbezirk Harburg, S. 322.
  10. KABl. 1922, S. 107.