Seit 1942 Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Als villa Durnede 1000 in einer Urkunde Ks. Ottos III. erwähnt1; gehörte später zum hildesheimischen Amt Liebenburg und fiel mit diesem nach der Stiftsfehde 1523 an das Hzm. Braunschweig-Wolfenbüttel. 1643 zurück an das Hochstift Hildesheim (Amt Liebenburg).

Kirche, Ansicht von Südwesten, Zeichnung von H. Hildebrandt, 1940

Kirche, Ansicht von Südwesten, Zeichnung von H. Hildebrandt, 1940

Die auf die Zeit um 1100 datierte Kirche wird 1133 erstmals urkundlich genannt (ecclesia in Thorntune).2 Als erster Geistlicher erscheint 1258 Godescalccus sacerdos de Dhornede als Zeuge eines Güterverkaufs des Bf. Johann von Hildesheim.3 Nach der Vertreibung Heinrichs des Jüngeren durch die Koalition des Schmalkaldischen Bundes wurde 1542 die Reformation eingeführt. Pfarrer waren 1542 Otto Krenk, 1542 bis 1551 Hermann Picht (durch die Hauptleute der Liebenburg angestellt und 1543 durch den GSup. bestätigt, 1545 auch mit der Versehung von Jerstedt beauftragt4), 1551 Andreas Limpe, der wieder altgläubig predigte, danach bis 1568 Andreas Meinher (luth.). Endgültig setzte sich die Reformation mit dem Regierungsantritt Hzg. Julius 1568 durch. 1568 und 1590 war Jodocus (Jost) Brackman Inhaber der Pfarrstelle, früher Konventuale zu St. Georgenberg und ab 1583 Propst des Klosters Grauhof. Die Pfarre blieb auch nach der Restitution des Großen Stifts an das Fbm. Hildesheim 1643 luth.
Als „bedeutendster in der Reihe der Dörntener Pastoren“ wird P. Friedrich Ulrich (Huldreich) Rosenberg (amt. 1673–1726) bezeichnet5, weniger als Seelsorger und Theologe, als wegen seiner sorgsamen Verwaltung der Pfarrstelle. Er ließ die Kirche (1681 renoviert, 1712 erweitert), das Pfarrhaus (erbaut 1651, 1675–80 renoviert) und Wirtschaftsgebäude instand setzen, setzte eine Neuvermessung der Pfarrländereien durch, die in den Jahrzehnten zuvor durch andere Grundbesitzer geschmälert worden waren, kümmerte sich um eine rationellere Bewirtschaftung der Pfarrgüter und begründete 1680 das Pfarrwittum in Dörnten. 1676 begann er mit der Führung der ersten Kirchenbücher. Rosenberg, der offenbar über umfangreiche Finanzmittel verfügte, sorgte auch für die Neuausstattung der Kirche. Altarretabel, Emporenbilder und vielleicht der Taufengel wurden von ihm gestiftet. 1712 wurde ihm sein Schwiegersohn Johannes Martin Chrysander adjungiert, der aber schon nach fünfjähriger Amtszeit 1717 starb, danach P. Heinrich Öding (bis 1740). Unter seiner Ägide wurde wohl 1733 das Pfarrwitwenhaus erbaut (1902 verkauft).

Umfang

Die Dörfer Dörnten (mit der Eisenhütte Kunigunde) und Hahndorf.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Haringen der Diözese Hildesheim. – 1569 zur Suptur. (Insp.) Salzliebenhall der Generaldiözese Gandersheim, zu der es 1594/99 noch gehörte.6 Kam wohl nach der Restituierung des Großen Stifts an das Hochstift Hildesheim (1643), jedenfalls vor 1651 zur Insp. Bockenem7 und bei der Aufteilung des Aufsichtsbezirks Bockenem 1806 zur neu errichteten8 Insp. (1924: KK) Salzgitter. 1. Oktober 1942 in die braunschweigische Landeskirche umgegliedert (Propstei Goslar).9

Patronat

Das Patronat hatten zunächst die Herren von Dörnten, die mit Arnold und Liudger von Thorntunen 1133 erstmals erscheinen und sich nach dem Erhalt von Burgdorf als Reichslehen und der Übersiedlung nach dort um 1142 von Burgdorf nannten. Im 14. Jh. wurde es von den Brüdern Willekin, Ludolf und Johann von Burgdorf an das Stift St. Georgenberg bei Goslar übertragen, dessen Untervögte (später Obervögte) die von Burgdorf seit Mitte des 12. Jh. waren. Als Nachfolger des Stifts nahm seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. das Kloster Grauhof das Patronatsrecht in Anspruch, das 1568 letztmalig damit belehnt wurde und es 1803 noch ausübte. Danach der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Verputzter Bruchsteinsaal mit dreiseitigem Ostschluss. Ältester Teil ist der um 1000 errichtete Turm (Wehrturm), an den etwa 100 Jahre später das erste, möglicherweise noch hölzerne Kirchenschiff angebaut wurde. Um 1440 wurde das Leichenhaus (jetzt Eingangsvorbau an der Südseite) angebaut, 1681 die Fenster vergrößert, 1712 das Schiff nach Osten erweitert. West-, Nord- und Ostempore (17. Jh.), die Westempore 1835 für den Einbau der Orgel vergrößert. Gründliche Instandsetzung der Kirche 1970.

Turm

Westturm aus Bruchsteinen auf quadratischem Grundriss. Errichtet um 1000. Neuer Türdurchbruch um 1100. (Teil-)Erneuerung des Mauerwerks um 1300, 1430/40 und nach dem Dreißigjährigen Krieg. Den Turm schließt ein Achteck überführter Spitzhelm ab (neu 1861, zunächst in Schiefer, ab 1932 mit Kupferblech eingedeckt).

Grablege

Unter dem Chor befanden sich Grabstätten der P. sowie u. a. der Familie des Betriebsleiters Völger der Eisenhütte.10

Ausstattung

Vorref. Altarmensa mit Weihekreuzen. Retabel 1713/14 aus der Werkstatt von Jobst Heinrich Lessen (Goslar)11, gestiftet von P. Friedrich Ulrich Rosenberg und seiner Frau. Architektonischer Aufbau mit weinumrankten Säulen, in der Predella das Abendmahl, im Zentrum die Kreuzigung, flankiert von Figuren der Propheten Elia und Daniel. 1962 restauriert und die Anordnung der Prophetenfiguren verändert. Als Bekrönung Christus als Weltenherrscher; zu seinen Seiten die Evangelisten Matthäus und Markus. – Schlichte, barocke Kanzel aus der Werkstatt von Lessen, 1713/14. 1962 verändert (Schalldeckel entfernt), auf der Brüstung jetzt eine früher zum Altar gehörige Mosesfigur. – Taufengel, 1694 erstmals erwähnt12, eventuell aus der Lessen-Werkstatt. Wurde um 1831/47 abgehängt und auf dem Kirchenboden deponiert. 1962 restauriert (dabei die Arme ohne Taufschale ergänzt) und als Verkündigungsengel im südlichen Chorbereich aufgehängt. – Sandsteintaufe von 1903 – Bilder an den Emporenbrüstungen, nach 1713 von Johann Christoph Rullio: Passionsgeschichte, Christus als Salvator, und die zwölf Apostel. – Gruppe von Bildern auf Leinwand im Altarraum, entstanden nach 1695 (der auferstandene Christus, Himmelfahrt, alttestamentarische Szenen). – Grabplatten für Jodocus (Jost) Brackman († 1538), P. in Dörnten, und seinen Sohn Johannes Brackman († 1593).

Orgel

Die erste Orgel erhielt die Kirche 1835 von Ernst Lindrum (Goslar). 1952 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1966 Neubau durch Firma Emil Hammer (Arnum), 20 Reg. 1996 renoviert.

Geläut

Zwei LG I: f’ (Bronze, 1953, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: as’ (Bronze, Gj. 1953, Friedrich Wilhelm Schilling Heidelberg). – Früherer Bestand: Die Kirche hatte Ende des 16. Jh. zwei Glocken. Eine ursprünglich wohl um 1550 gegossene und später geborstene LG wurde 1682 durch Heiso Meyer (Wolfenbüttel) umgegossen; 1942 zu Rüstungszwecken abgegeben. Sie ist bei der Rückführung vom Glockenfriedhof 1948 geborsten und wurde 1953 umgegossen (LG I). Die kleine LG ist ebenfalls ein Umguss aus einer älteren Bronzeglocke (Gj. zwischen 1568 und 1599, umgegossen 1876 von J. J. Radler, Hildesheim, erneuter Umguss 1953 auf Kosten der Ilseder Hütte). – Eine SG in g’’ (Bronze, Gj. 1876, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim), wurde 1942 zur Rüstungszwecken abgeliefert.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrwitwenhaus (erbaut 1733, 1902 verkauft).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche, 1844 vor dem Dorf neu angelegt. In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2272–2273 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 795 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1769 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 459–462 (Visitationen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 239, Nr. 13; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 392; Kiecker/Borchers, KD Lkr. Goslar, S. 49–53; Zobel, Heimatbuch Lkr. Goslar.
B: 1000 Jahre Dörntener Kirche, [Dörnten 2010]; H. Vandré und Hans Georg Fett: Festschrift zur 900-Jahrfeier Dörnten, [Goslar] 1953; Rudolf Vandré: Einige Nachrichten über die Kirche in Dörnten, in: JbGNK 105 (2007), 209–216; Rudolf Vandré: Die Kirche in Dörnten: Altar, Taufengel und Emporenbilder, [Liebenburg 2011]; Rudolf Vandré: Ein Pfarrstellenwechsel in Dörnten vor fast 340 Jahre, in: JbGNK 109 (2011), S. 75–82.


Fußnoten

  1. MGH DD O III 365. Vgl. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 48.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 202.
  3. UB HS Hildesheim II, Nr. 1087.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 147.
  5. Vandré, Pfarrstellenwechsel, S. 79.
  6. Reller, Kirchenverfassung, S. 222.
  7. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  8. LkAH, A 6, Nr. 7263.
  9. KABl. 1943, S. 1–4.
  10. Vandré, Einige Nachrichten, S. 213.
  11. Vandré, Einige Nachrichten, S. 210.
  12. 1000 Jahre, S. 43.