Sprengel Osnabrück, KK Grafschaft Diepholz | Patrozinium: Michael | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Die kirchliche Versorgung in Diepholz wurde bis nach dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich durch die St.-Nicolai-KG wahrgenommen. Doch kam es schon in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre durch den Bau des Fliegerhorsts (1935/36) und die Errichtung der Garnison zu einem starken Bevölkerungswachstum. Mit der Wiederinbetriebnahme des Flugplatzes durch die Bundeswehr (1956) entstanden für Militärangehörige und vom Standort abhängig Beschäftigte auf den alten Gemarkungen Willenberger Masch und Herrenweide im Südwesten der Stadt neue Siedlungen. Die Einwohnerzahl von Diepholz stieg von 9.062 (1955) auf 12.167 (1963).

Kirche, Ansicht von Südosten, 1980

Kirche, Ansicht von Südosten, 1980

Der KV der St.-Nicolai-KG beschloss im September 1959 den Bau eines Gemeindezentrums mit Kirche, Gemeindesaal/Jugendzentrum, KiGa und Pfarrhaus im Bereich des Neubaugebiets an der Lüderstraße. Das Raumprogramm wurde in Zusammenarbeit mit Ernst Witt durch den Architekten Werner Johannsen (Osnabrück) erarbeitet. Die Einweihung nahm am 14. Juli 1968 LSup. Degener vor.
Bereits zum 1. August 1960 war auf Antrag von Sup. Karl Bobzien an der St.-Nicolai-KG eine dritte Pfarrstelle für den Bezirk errichtet worden.1 Zum 1. Januar 1964 wurde die St.-Michaelis-KG verselbständigt und ihr die 1960 geschaffene Pfarrstelle zugewiesen.2 Mit dem Pfarramt wurde die Militärseelsorge auf dem Fliegerhorst Diepholz verbunden. Erster P. der Gemeinde (bis 1970) war der spätere LSup. Hein Spreckelsen. Zum 1. Januar 1969 folgte die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle.3 Die Abgrenzung zwischen den beiden Diepholzer KG wurde mit dem 1. April 1970 noch einmal revidiert.4 Neben dem schon 1963 eingerichteten KiGa betreibt die KG heute auch ein Altenzentrum und ein Alten- und Pflegeheim.
Eine Patenschaft besteht seit den 1970er Jahren mit der Luther-KG (jetzt St. Afra) in Meißen.
Zum 1. Januar 2001 wurde die St.-Michaelis-KG mit der St.-Nicolai-KG in Diepholz und der Kreuz-KG St.-Hülfe-Heede pfarramtlich verbunden.5 Das ehemalige Pfarrhaus wurde 2010 zu einer Kinderkrippe umgebaut.

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung zum KK Diepholz (seit 1. Januar 1969: KK Grafschaft Diepholz).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, vor 1970

Kirche, Blick zum Altar, vor 1970

Einschiffiger, basilikaler Bau aus hellen Handformbacksteinen. Taufkapelle an der Nordseite. Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören neben einer Altarwand aus polymorphen Marmorfragmenten Lichtbänder und ein Betonwabenfenster von Glasmaler Heinz Lilienthal (Bremen) an der Südseite.

Turm

Vor dem Ostgiebel, nach Süden aus der Achse verschoben ein sechsgeschossiger, 36 Meter hoher Glockenturm auf quadratischem Grundriss.

Ausstattung

Tischaltar und Taufe aus schwarzem Marmor (Lahnmarmor) aus dem Marmorbruch von Dyckerhoff und Neumann in Villmar (1963). – Engelsfigur aus Weidenholz, von Dieter Schröder, Venne (2005)

Orgel, nach 1971

Orgel, nach 1971

Orgel

Auf der Empore über der Taufkapelle, gebaut 1970/71 durch die Firma Hermann Hillebrand, (Altwarmbüchen), 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Fünf LG, I: fis’; II: ais’; III: h’; IV: cis’’; V: d’’ (alle Bronze, Gj. 1962, Gebrüder Rincker, Sinn). Schlagtonfolge nach Entwurf von KMD Alfred Hoppe (Verden).

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 155
B: 1963-2013. Fünf Jahrzehnte St. Michaelis. Mitten im Leben, hrsg. vom Kirchenvorstand der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis Diepholz, [Diepholz 2013]; 25 Jahre Evangelisch-lutherische St. Michaelis-Kirchengemeinde zu Diepholz 1963-1988, hrsg. vom Kirchenvorstand, [Diepholz 1988]; Emil Johannes Guttzeit: Von der Burgkapelle zur St. Michaeliskirche in Diepholz. Ein geschichtlicher Rückblick auf die Gotteshäuser der ev.-luth. Kirchengemeinde Diepholz, Diepholz 1963.


Fußnoten

  1. KABl. 1960, S. 99.
  2. KABl. 1964, S. 9.
  3. KABl. 1969, S. 15.
  4. KABl. 1970, S. 9.
  5. KABl. 2001, S. 13.