Sprengel Stade, KK Stade | Patrozinium: Nikolaus | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Bützfleth ist seit 1972 Ortsteil der Hansestadt Stade. Der Ort wird Anfang des 12. Jh. in einer Schenkung für das Kloster Harsefeld erstmals erwähnt und kam 1236 mit dem Land Kehdingen unter die Oberhoheit des Erzstifts Bremen, das als Hzm. Bremen im Westfälischen Frieden (1648) an Schweden fiel (1712 unter dänischer Besatzung, 1715 an Kurhannover verkauft).

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1965

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1965

In der Stiftungsurkunde des St.-Georgs-Klosters in Stade von 1132/37 soll u. a. die zu St. Willehadi gehörige Kapelle in Bützfleth dem St.-Georgen-Kloster übertragen worden sein.1 Die fragliche Urkunde ist jedoch nur als Insert in einer verfälschten Bestätigung aus dem Jahr 1257 überliefert. Die tatsächliche Gründung der Kapelle ist wohl später, aber vor 1257 zu datierten.2 1328 war Nycolaus in Buttesvlete Vikar in Bützfleth.3 1463 erscheinen Johann Moller als Pfarrer und Ulrich de Liid als ewiger Vikar der Pfarrkirche.4 Die Einführung der Reformation dürfte auf die Zeit um 1529 zu datieren sein. Ein luth. Geistlicher wird jedoch erst gegen Ende des 16. Jh. mit Ernst von Ahlefeld (amt. 1571–1583) genannt. Von den späteren Inhabern der Pfarrstelle ist der während des Dreißigjährigen Krieges aus Hessen vertriebene P. Johannes Hoffmann (amt. 1667–1690, seit 1661 schon Adj. in Bützfleth) zu nennen, der 1679 zum Propst des Landes Kehdingen ernannt wurde.5
Der Zuzug von Flüchtlingen, umfangreiche Industrieansiedlungen und die Eröffnung des Stader Hafens (1972) führten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem nachhaltigen Strukturwandel. Der Industriehafen ist seit 1986 Standort einer Niederlassung der Deutschen Seemannsmission. 2007 wurde die KG Bützfleth in den Gesamtverband Stade eingegliedert und mit dem 1. Januar 2011 mit der St.-Wilhadi-KG (Stade, St. Wilhadi) und der St.-Cosmae-und-St.-Nicolai-KG (Stade, St. Cosmae) in Stade pfarramtlich verbunden.6

Umfang

Das Dorf Bützfleth, die Ortschaften Abbenfleth, Außendeich, Borstel, Bützflether Moor, Depenbeck, Fleeth und Götzdorf, das Landgut Groverort (Grauer Ort); die Insel Bützflether Sand und der Hof Hasenwinkel.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Dompropsts. – Mit Bildung des Konsistoriums in Stade kam Bützfleth 1651 zur Präpositur des Landes Kehdingen, ab 1. Januar 1827 Insp. Land Kehdingen (Suptur.-Sitz ab 1875 in Oederquart, 1905 in Drochtersen). 1924 Einführung der KKV. Der KK Kehdingen wurde mit dem 1. Januar 1976 in den KK Stade eingegliedert.

Patronat

Das Präsentationsrecht lag beim Propst des St.-Georgen-Klosters in Stade, die das Recht zur Institution beim bremischen Dompropst.7 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, um 1935

Kirche, Grundriss, um 1935

Rechteckiger Saalbau aus Feldstein- und Ziegelmauerwerk, um 1700 renoviert. 1770 wurde das Schiff nach Osten verlängert. Wegen Schäden durch Treibmineralien musste 1983/91 das gesamte Außenmauerwerk erneuert werden. Das Dach ist im Westen abgewalmt, Krüppelwalm im Osten. Hölzernes Tonnengewölbe im Innern.

Turm

Sechsseitiger verschieferter Dachreiter mit offener Laterne und hohem Spitzhelm (dat. 1780). Die Glocken befinden sich in einem freistehenden verbretterten Glockenhaus westlich vor der Kirche (1671).

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Ausstattung

Altar mit hölzerner Blockmensa; darauf ein barockes Retabel von H. M Kessler (Borstel) mit korinthischen Säulen bzw. Pilastern (1770/71). Altargemälde mit Kreuzabnahme (Kopie nach Rubens, 1890). – Hölzerne Kanzel (1682 aus Stade beschafft) mit figürlichen Schnitzereien auf den Brüstungsfeldern (Christus und die vier Evangelisten). Auf dem Schalldeckel der Auferstandene als Bekrönung. – Spätgotische, achteckige Sandsteintaufe mit Messingschale. Ein älterer Bronzetaufkessel wurde 1770 (zur Finanzierung der Kirchenerweiterung) mit Zustimmung des Konsistoriums in Stade nach Hamburg verkauft.8 Der jetzige Taufstein stammt ursprünglich aus Offensen/Uslar. – Ehemaliges Altarbild (Auferstehung), jetzt an der Nordwand der Kirche. – Epitaphe für P. Johannes Hoffmann († 1690) und P. Jacob Roesing († 1794).

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Erste Erwähnung einer Orgel 1600 (Umbau oder Neubau durch Matthias Mahn und Antonius Moitzen, Buxtehude). 1640 Reparatur durch Tobias Brunner (Lunden). 1663/65 Reparatur durch Joachim Richborn (Hamburg). 1703/19 Neubau unter Wiederverwendung von neun alten Stimmen durch Johann Werner Klapmeyer (Glückstadt), 22 II/P (HW, BW). 1724 Reparatur durch Johann Heinrich Klapmeyer (Glückstadt), 1753 durch Christoph Gloger (Stade), 1794/95 Georg Wilhelm Wilhelmy (Stade). 1901 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover) unter Veränderung des Prospekts von J. Werner Klapmeyer (Glückstadt), 19 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. 1917 Abgabe der Prospektpfeifen (später durch Zinkpfeifen ersetzt). 1946 Änderung der Disposition im Sinne der Orgelbewegung durch Firma Emil Hammer (Hannover). 1985/86 Neubau des Werks nach dem Vorbild von Klapmeyer durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG: f’ (Bronze, Gj. 1930, Gebrüder Radler, Hildesheim); II: g’ (Bronze, Gj. 1976, Petit & Gebrüder Edelbrock). – Eine SG: e’’’ (Eisenguss) – Früherer Bestand: Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde je eine LG abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 19649). – Organistenhaus und ehemalig Schule (Bj. 1866).

Friedhof

Eigentum der KG. Bis 1882 diente der Kirchhof als Friedhof. 1880 Anlage des neuen Friedhofs, der ab 1882 belegt und 1913 erweitert wurde.10 FKap (Bj. 1967, Architekten: Buttge und Helms, Stade).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 331–344 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1384–1388 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2616 (Visitationen); B 18 Nr. 148 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 321 f.; Golon/Kröncke, Orgeln, S. 77–79.


Fußnoten

  1. UB St. Georg Stade, Nr. 1.
  2. Riggert-Mindermann, St. Georg, S. 13.
  3. UB St. Georg Stade, Nr. 71.
  4. UB St. Georg Stade, Nr. 450.
  5. Rotermund, Das gelehrte Hannover II, S. 386.
  6. KABl. 2011, S. 66.
  7. Hodenberg, Stader Copiar, S. 75.
  8. LkAH, L 5g, Nr. 143 (Visitation 1935, Visitationsfragen II.14).
  9. Das alte Pfarrhaus war 1798 erneuert worden.
  10. LkAH, L 5g, Nr. 143 (Visitation 1935, Visitationsfragen VII.20).