Sprengel Hannover, Stadtkirchenverband Hannover, Amtsbereich Mitte | Patrozinium: Martin Luther (seit 1963) | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Kirchlich gehörte Ahlem, das seit 1974 Stadtteil von Hannover ist, von alters her zu Limmer (Hannover-Limmer, St. Nicolai), wo die Ahlemer Kinder bis 1870 auch die Küsterschule besuchten. Früher als einfaches Bauerndorf ohne größere Bedeutung, nahm Ahlem Mitte des 19. Jh. mit der Entdeckung von asphalthaltigem Gestein und der Aufnahme des Bergbaus sowie der Gründung weiterer industrieller Betriebe (Kalkofen, Ziegeleien) einen stetigen Aufschwung. Hinzu kam die günstige Lage in der Peripherie der Landeshauptstadt, die die Einwohnerzahl bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf über 10.000 (davon 7.000 ev.) ansteigen ließ.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1968

Kirche, Ansicht von Südosten, 1968

Erste Pläne zur kirchlichen Verselbständigung kamen bald nach Kriegsende auf, auch um der zunehmenden Entkirchlichung in einer Hochburg des Nationalsozialismus entgegenzuwirken. 1945 wurde der aus Pommern stammende Ostpfarrer Paul Ziemer († 1948) mit der pfarramtlichen Versorgung von Ahlem betraut. Am 1. Oktober 1948 wurde für Ahlem eine eigene (dritte) Pfarrstelle innerhalb der KG Hannover-Limmer eingerichtet.1 Erster Pfarrstelleninhaber war mit Günther Usarski ebenfalls ein Ostpfarrer (amt. bis 1964). Am 1. April 1951 wurde die KapG Ahlem gebildet2 und am 1. April 1952 in eine KG umgewandelt.3 Im Juni 1963 erhielt sie den Namen „Martin-Luther-KG.“

Notkirche, Blick zum Altar

Notkirche, Blick zum Altar

Im Sommer 1945 hatte Sup. Kurt Feilcke (Limmer) vorgeschlagen, den Ahlemer Turm (ehemaliges Ausflugslokal, zuletzt Eigentum der NSV) zu erwerben und den Saal zu einem Kirchenraum umzubauen. Das Projekt kam allerdings nicht zur Durchführung. Die GD der Gemeinde fanden anfangs in der alten Volksschule in der Krugstraße statt. Im Dezember 1950 wurde aus einer ehemaligen Baracke des Reichsarbeitsdienstes (Stiftung des Volkswagenwerks) nach Plänen des Kirchenbaurats Dr. Stade eine hölzerne Notkirche errichtet. Zur Finanzierung eines Gemeindezentrums konstituierte sich im März 1959 ein Kirchenbauverein. Der erste Bauabschnitt (Gemeinde- und Amtsträgerwohnhaus mit Gemeindesaal) wurde am 9. Dezember 1962 seiner Bestimmung übergeben. 1963 bis 1965 wurde an der Wunstorfer Straße nach Plänen von Hildegard und Jürgen Olbeter (Hannover-Kleefeld) die Martin-Luther-Kirche errichtet (zweiter Bauabschnitt) und am 11. April 1965 durch LSup. Klügel eingeweiht. Die Notkirche wurde abgerissen. Nach Schaffung der zweiten Pfarrstelle (1964) wurde das Gemeindegebiet in zwei Seelsorgebezirke aufgeteilt.

Pfarrstellen

I: 1. Oktober 1948/1. April 1952. – II: 1. April 1964.4.

Umfang

Bei Gründung der KapG (1951) die luth. Einwohner der Landgemeinde Ahlem. Mit dem 1. Januar 1975 wurden die im Gebiet der Wohnplätze „Am Kalkofen“ und „Am Mönckeberg“ wohnhaften Mitglieder der St.-Michaels-KG Letter in Seelze nach Ahlem umgegliedert.5

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung zum KK Hannover-Linden. Mit der Neuordnung der kirchlichen Aufsichtsbezirke im Stadtkirchenverband Hannover zum 1. Januar 2001 zum Amtsbereich West, seit 1. Januar 2013 Amtsbereich Mitte.

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1965

Kirche, Grundriss, 1965

Moderner Stahlbetonbau mit asymmetrischem Querschnitt und einem Grundriss in unregelmäßiger Kreuzform (1963-65). Empore an der West- und Nordseite mit einem Relieffries aus Stahlbeton des Bildhauers Hans Jürgen Breuste (Hannover).

Fenster

An der Südseite ein Betonglasfries von Heinz Lilienthal (Bremen-Lesum).

Turm

Gedrungener westwerkartiger Turm.

Orgel

1968 Neubau durch Firma Emil Hammer (Arnum), 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Fünf LG, I: a’; II: h’; III: d’’; IV: e’’; V: fis’’ (alle Bronze, Gj. 1965, Glockengießerei Erding bei München).

Literatur

A: Neß u. a., Denkmaltopographie Stadt Hannover 2, S. 171 f.
B: Kirchenvorstand der Martin-Luther-Kirche Ahlem (Hg.), Festschrift zur Einweihung der Martin-Luther-Kirche in Ahlem bei Hannover, Ahlem 1965.


Fußnoten

  1. KABl. 1948, S. 58.
  2. KABl. 1950, S. 127.
  3. KABl. 1952, S. 5.
  4. KABl. 1964, S. 12.
  5. KABl. 1975, S. 3.