Frühere Gemeinde | KapG der KG Bremke | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Schriftlich ist der Ort erstmals als Dyskenroth in einer Urkunde erwähnt, die angeblich Heinrich der Löwe († 1195) im Jahr 1168 ausgestellt hat; es handelt sich allerdings um eine Fälschung aus dem 13. Jh.1 Die älteste Nennung in einer echten Urkunde – als Tiskenroth – stammt aus dem Jahr 1207.2 Die Namensform ohne D oder T tritt in der ersten Hälfte des 14. Jh. auf. Das Dorf lag ursprünglich südöstlich des heutigen Standorts (zerstört und wüstgefallen wohl Mitte des 13. Jh.).3 Territorial gehörte Ischenrode zum welfischen Teilfsm. Göttingen. Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Das Kloster Reinhausen besaß Land in Ischenrode und übte die Niedergerichtsbarkeit aus.4 Nach Auflösung des Klosters im 16. Jh. war Ischenrode Teil des kleinen (Kloster-)Amts Reinhausen. In französischer Zeit gehörte Ischenrode von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Bremke, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Reinhausen. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Ischenrode 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Ischenrode Teil der neuen Gemeinde Gleichen. Zur Struktur des Dorfes schrieb der Ortsgeistliche 1952: „Ischenrode ist ein Bauerndorf. Die wenigen Land- und Waldarbeiter leben mit den Bauern in einem sehr einträchtigen Verhältnis, das über die grenzen des Dorfes hinaus bekannt ist.“5 Um 1810 lebten gut 180 Menschen in Ischenrode, 1955 knapp 160 und 2024 rund 130.
Zur vorref. Kirchengeschichte Ischenrodes ist wenig bekannt. Ebenso wie die Niedergerichtsbarkeit lagen auch die Pfarrrechte beim Kloster Reinhausen.6
Im Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt um 1600, ist Ischenrode nicht verzeichnet.7 Eine Kapelle erhielt Ischenrode anscheinend erst 1606. Es handelte sich um einen Holzbau.8 Im Protokoll der Visitation von 1652 ist Iskenroda als Tochtergemeinde (filia) der Parochie Bremke aufgeführt. Der Bremker Pastor müsse in Ischenrode nicht nur predigen, sondern auch singen, „weil kein Oppermann kann gehalten werden mangelnder Besoldung halben“.9 Nach den Angaben im CB von 1706 fand in der Kapelle Ischenrode an jedem Sonntag sowie an den zweiten Tagen der hohen Feste ein Gottesdienst statt.10 Im Jahr 1840 erhielt Ischenrode eine eigene Schule.11
Im Jahr 1845 errichtete die Gemeinde das bis heute erhaltene Gotteshaus in Ischenrode – nicht mehr aus Holz, sondern aus Werksteinen.12 Anfang des 20. Jh. fand in der Kapelle weiterhin jeden Sonntag ein Predigtgottesdienst statt (1909).13 Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Ischenrode von etwa 100 im Jahr 1939 auf fast 200 im Jahr 1946 an, bis 1952 war sie auf gut 120 gesunken.14 Zum 1. Juli 1976 hob das Landeskirchenamt Hannover die KapG Ischenrode auf. Rechtsnachfolgerin ist die KG Bremke.15
Kapellenbau
Dreiachsiger, rechteckiger Saalbau, errichtet 1845. Satteldach, nach Osten abgewalmt (ziegelgedeckt). Mauerwerk aus Werksteinen, Ecklisenen. An den Längsseiten rundbogige Sprossenfenster, im Westgiebel Kreisfenster. Nach Westen rundbogiges Hauptportal, nach Osten rundbogiges Nebenportal mit Freitreppe. Im Innern flache Decke, Westempore. 1926 Dachreparatur.
Turm
Über dem Westgiebel vierseitiger Fachwerkdachreiter, Schieferhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne (Jahreszahl: 1845). An jeder Seite des Dachreiters ein glockenförmiges Schallfenster.
Vorgängerbau
Hölzerne Kapelle, erbaut 1606, daneben ein Glockenstuhl. Kirche im Frühjahr 1845 abgebrochen.
Ausstattung
Klassizistische Kanzelaltarwand (1845), Holz, farbig gefasst; polygonaler Kanzelkorb, flankiert von kannelierten Pilastern, die Gebälk tragen; kastenförmiger Altar mit seitlichen Schranken; links und rechts Durchgänge. – Achtseitige, neugotische Taufe (um 1900), bronzierter Kunststein; am Beckenrand Vierpässe, am Schaft Blendnischen mit Dreipassbögen.
Orgel
Orgelneubau 1853, ausgeführt von Carl Heyder (Heiligenstadt), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 21). Zinnerne Prospektpfeifen während des Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917). 1927 Reparatur und Umbau, P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1958 Instandsetzung und Änderung der Disposition, Paul Ott (Göttingen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1965 Umbau, Paul Ott (Göttingen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1998 Reparatur, Ingo Kötter (Göttingen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.
Geläut
Eine LG, d’’ (Bronze, Gj. 1907, Firma Radler, Hildesheim), Inschriften: „Kommt, denn es ist alles bereit. Friede sei mit euch“ und „J. J. Radler u[nd] S[öhne] Hildesheim 1907. Gem[einde]-V[orsteher] H[einrich] Köhler, K[irchen]-V[orstand] H[einrich] Ude, H[einrich] Köhler, A[lbert] Scheele, H[einrich] Stiethenroth. H. Kobbe Lehrer“, Bilder: Christusbildnis und Abendmahlskelch. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1733)16, 1907 geborsten und umgegossen zu jetziger LG.17
Friedhof
Kirchlicher Friedhof am Nordrand von Ischenrode.
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 1 Nr. 1442–1446 (Pfarroffizialsachen); A 9 Nr. 308
, 309
, 310
, 311
, 312
, 313
, 314
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1672 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 358 (Orgel- und Glockenwesen); S 11a Nr. 7779 (Findbuch PfA).
Kirchenbücher
Taufen: 1765–1852
Trauungen: 1765–1852
Begräbnisse: 1765–1852
Kommunikanten: ab 1822 (Lücken: 1839–1841)
Taufen, Trauungen, Begräbnisse 1693–1764 und seit 1853 in den Kirchenbüchern der Mutterkirche Bremke, ebenfalls die Kommunikanten bis 1821.
Literatur & Links
A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 167–168; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 221–223; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 35–42; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 271–272; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 117.
B: Trauregister aus den Kirchenbüchern Südniedersachsens Teil 18: 1801–1850. Göttingen Ost: Beienrode, Bischhausen, Bremke, Ischenrode, Kerstlingerode, Rittmarshausen, Weißenborn, hrsg. von der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen e. V., Norderstedt 2020; Heinrich Lücke: Aus der Kirchengeschichte von Ischenrode [Kreis Göttingen], in: Südhannoverscher Heimatkalender 1964, S. 103–104; Leopold Ziemann: Die Geschichte der Evangel.-luth. Kirchengemeinde Bremke, Bremke 1978, S. 254–280.
Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, Kirchenanlage.
Fußnoten
- MGH DD HdL 78 [Digitalisat]; UB Reinhausen, Nr. 12. Für weitere Belege und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 221 f.
- UB Reinhausen, Nr. 18.
- Die 1595 angefertigte Karte „Abriss des braunschweigischen Klosters Reinhausen erb- und eigentümlichen Guts des Lentershagen…“ zeigt neben Isekenroda auch Wusten Iserkenroda, NLA HA Kartensammlung Nr. 21 d/50 pg (mit Digitalisat). Vgl. auch Ziemann, S. 260.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1293.
- LkAH, L 5c, unverz., Bremke, Visitation 1952/53.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1293.
- LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 59.
- Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 117.
- Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 195.
- Ziemann, S. 269.
- Ziemann, S. 264.
- Ziemann, S. 270.
- Ahlers, Pfarrbuch 1909, S. 317.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 5; LkAH, L 5c, unverz., Bremke, Visitationen 1946 und 1952/53.
- KABl. 1976, S. 119.
- Lücke, S. 103.
- Ziemann, S. 265.