Sprengel Hannover, KK Ronnenberg | Patrozinium: Johannes (seit 1963/64) | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Die Ortschaft Empelde (villa que dicitur Amplidi) erscheint 840 in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen für das Kloster Corvey.1 Wohl schon in vorref. Zeit befand sich dort eine Kapelle2, die anlässlich der Visitation von 1543 erstmals nachgewiesen ist und damals zur Parochie Ronnenberg gehörte. Predigtstätte war um 1570 jedoch nur noch die Mutterkirche in Ronnenberg.3
Das kleine KapGb musste im 17. und 18. Jh. mehrfach instandgesetzt werden. Wegen Baufälligkeit wurde es 1837 abgebrochen. An der Stillen Straße entstand 1842/43 ein klassizistischer Neubau nach Plänen von Friedrich August Ludwig Hellner.
Die Nähe zu Hannover begünstigte seit der ersten Hälfte des 19. Jh. die Industrialisierung des ehemaligen Bauerndorfes. 1831 wurde eine Ziegelei gegründet, 1861 die Zündhütchenfabrik von Georg Egestorff (spätere Munitionsfabrik der Dynamit AG). 1894 nahm das Kaliwerk seinen Betrieb auf (1973 eingestellt). Diese und andere industrielle Unternehmungen sorgten mit dem Zuzug von Arbeitern und Angestellten für eine nachhaltige Veränderung der dörflichen Strukturen. 1954 standen ihnen nur noch 16 landwirtschaftliche Betriebe gegenüber.4 Einfluss auf die Entwicklung hatte auch die Einrichtung eines Flüchtlingslagers (1946) auf dem Gelände des heutigen Wohnparks am See, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg rund 2.000 Menschen, überwiegend Schlesier, vorübergehend ein Zuhause fanden. In einer Lagerhalle der früheren Zündhütchenfabrik wurde eine von beiden Konfessionen genutzte Heimkirche eingerichtet. Zur Betreuung der wachsenden Zahl von Gemeindegliedern wurde zum 1. August 1950 an der Michaelis-KG Ronnenberg eine zusätzliche Pfarrstelle errichtet und der KapG Empelde zugewiesen.5 Mit dem 1. April 1951 wurde die Gemeinde verselbständigt.6 Ihr erster Seelsorger war der aus Schlesien stammende Ostpfarrer Friedrich Littmann (amt. 1951-1958), der schon 1946 die Betreuung der Flüchtlingsgemeinde im Lager übernommen hatte. Der Pfarrort gliederte sich zunächst weiter in das Dorf und das Lager. Predigtstätten waren die alte Kapelle für das Dorf und (bis 1957) die Heimkirche in der Zündhütchenfabrik für das Lager. Letztere wurde durch die kath. Kirche finanziert; der ev.-luth. KG war ein Mitbenutzungsrecht eingeräumt.7 Die ersten kirchlichen Gruppen und Kreise wurden in der Lagergemeinde gebildet, darunter auch ein Kirchenchor. 1953/54 erhielt die KG ein Pfarrhaus in der Häkenstraße.
Die Kapelle reichte für die Bedürfnisse der wachsenden Gemeinde (1957: etwa 3.000, 1962: etwa 4.100 Gemeindeglieder) bald nicht mehr aus. Erweiterungspläne wurde verworfen und stattdessen, im Wesentlichen initiiert durch P. Günter Forwergk (amt. 1959-1971) an der Hallerstraße am Rand des historischen Ortskerns 1963/64 ein Gemeindezentrum neu errichtet (Architektengemeinschaft Hübotter, Ledeboer, Busch. Einweihung 20. Dezember 1964). KGb, Pfarrhaus, Gemeindehaus, KiGa, Mitarbeiterwohnungen und Büros gruppieren sich um einen atriumartigen Innenhof. Seit 2010 besteht auch ein Familienzentrum, das gemeinsam mit dem KiGa durch einen eigenen Förderverein unterstützt wird.
Die alte Kapelle wurde nach dem Bau des Gemeindezentrums entwidmet und der Kommune übereignet. Nach baulichen Veränderungen wurde sie als selbstverwaltetes Jugendzentrum genutzt. Ab 1996 stand sie zunächst leer. Seit 2006 ist dort die Stadtteilbücherei untergebracht.

Pfarrstellen

I: 1. April 1951. – 1. Januar 1970.8

Umfang

Der Ortsteil Empelde der Stadt Ronnenberg.

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zum KK Ronnenberg.

Kapellenbau – Alte Kapelle

Dreiachsiger, rechteckiger Saalbau aus Sandstein-Quadermauerwerk unter flachgeneigtem Dach, mit hohen Rundbogenfenstern und einem vierseitigen, offenem Dachreiter (1842/43). Orgelempore über dem Eingang. Bei einer Renovierung erhielt die Kapelle 1907 vier farbige Fenster mit Szenen aus dem Leben Jesu. Im Oktober 1943 wurde das Gebäude durch eine Luftmine erheblich beschädigt und 1946/47 wiederhergestellt.

Ausstattung

Klassizistischer Altar mit Altarbild (Kreuzabnahme) des 17. Jh. (Bild heute in der Sakristei der Johanneskirche). Erhalten sind außerdem Altarkreuz, Leuchter und Taufschale.

Kirchenbau – Johanneskirche

Kupfergedeckter, rechteckiger Kirchensaal mit Vorhalle im Westen, Sakristeianbau an der Nordseite des Kirchenschiffs. Wände aus rotem Ziegelmauerwerk mit hochsitzenden Fenstern. Flache Holzdecke. Westempore für Orgel und Kirchenchor. Nördlich an die Vorhalle schließt sich eine separate Taufkapelle an.

Fenster

Fenster aus der Werkstatt von Gerhard Hausmann (Hamburg) mit Szenen aus dem Johannes-Evangelium: die Speisung der Fünftausend (Joh 5,1-15), Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,1-41), Reinigung des Tempels (Joh 3,13-16), Weinwunder zu Kana (Joh 2,1-12); Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-45).

Turm

Freistehender Glocken- und Uhrturm aus kupferverkleidetem Stahl und Holz vor der Südseite des Kirchenbaus. Betonreliefs (Schöpfungsgeschichte) am Turm und Engel auf der Turmspitze von Siegfried Zimmermann (Hannover).

Ausstattung

Tischaltar und kubischer Taufstein aus hellgrauem Granit von Hermann Stehr, Tornesch (1964). Der Taufstein mit einer flachen Wassermulde und vier Rinnen als Symbol für die vier Paradiesströme war ursprünglich mit einer ständig laufenden Wasserleitung versehen. – Kanzel, Lesepult und Bänke stammen aus einer örtlichen Tischlerei.

Orgel

Harmonium ab 1872, neu 1894. 1953 erhielt die Gemeinde zunächst für die Kapelle eine Orgel der Firma Emil Hammer (Arnum); 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1964 wurde sie in die Johanneskirche übernommen. 1975-80 Neubau durch Firma Hillebrand (Altwarmbüchen), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2007/08 Instandsetzung durch Jörg Bente (Helsinghausen).

Geläut

Vier LG, I: as’; II: b’; III: c’’; IV: es’’ (alle Bronze, Gj. 1964, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Eine LG aus der Kapelle (Gj. 1836) wurde im Ersten Weltkrieg abgegeben und 1925 ersetzt (es’’, Eisen, Gj. 1925, Firma Ulrich & Weule, Apolda/Bockenem). Diese und eine weitere LG in e’’ (Bronze, Gj. 1961, Karl Czudnochowsky, Erding; bis 1964 in der Kapelle genutzt) sind heute im Vorraum der Kirche aufgestellt.

Friedhof

An der Häkenstraße. 1852 westlich des damaligen Dorfes neu angelegt und 1900 erweitert. In Trägerschaft der Stadt Ronnenberg. FKap (Bj. 1923, städtisches Eigentum).

Literatur

A: Hannig, Denkmaltopographie Lkr. Hannover, S. 245; Müller, Kirchenbauten, S. 108; Piper, Glocken und Orgeln, S. 33 f.
B: 50 Jahre ev.-luth. Johannesgemeinde Empelde, [Empelde 2014].


Fußnoten

  1. MGH DD LD 29.
  2. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 205.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 416, Anm. 849.
  4. LkAH, L 5a, Nr. 90 (Empelde, Visitation 1954, Visitationsfrage V.14).
  5. KABl. 1950, S. 71 f.
  6. KABl. 1951, S. 49.
  7. LkAH, L 5a, Nr. 90 (Empelde, Visitation 1954, Visitationsfrage I.1).
  8. KABl. 1970, S. 11.