Sprengel Stade, KK Buxtehude | Patrozinium: Paulus | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Die Paulus-KG verdankt ihre Entstehung dem Zuzug von Flüchtlingen und anderen Neubürgern im Bereich des Stadtteils Altkloster nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch die Ausweitung der Wohnbebauung hat sich die Einwohnerzahl der Stadt nahezu verdoppelt. Für die wachsende Zahl luth. Gemeindeglieder wurde im Februar 1954 zunächst eine dritte Pfarrstelle der St.-Petri-KG eingerichtet. 1955 entstand am Schafmarktplatz in Altkloster ein Gemeindezentrum mit Gemeindesaal, Jugendräumen, Pfarrhaus und Küsterwohnung. Zunächst nur als Nebenpredigtstelle von St. Petri gedacht, entwickelte es sich zur Keimzelle für die neue KG. Am 1. Januar 1964 wurde der Pfarrbezirk (etwa 9.000 Gemeindeglieder) mit zwei Pfarrstellen verselbständigt.1 Er umfasste außer dem Ortsteil Altkloster insbesondere Neubaugebiete, in denen sich in der Nachkriegszeit Flüchtlinge, Ausgebombte und andere Neubürger niedergelassen hatten. Innerhalb des Gemeindebezirks befanden sich bei seiner Gründung zwei Altersheime, ein Krankenhaus und eine Bundeswehrkaserne mit über 1.000 ev. Soldaten.2 Erster P. war Heinrich Römisch. Ihren Charakter als Vertriebenengemeinde behielt die Paulus-KG noch lange bei. Bis 1983 fanden an Festtagen jeweils GD mit ostdeutscher Liturgie statt.
1965/72 errichtete die KG an der Finkenstraße/Torfweg ein Gemeindezentrum (Architekt: Rainer Herrmann, Oldenburg. Einweihung der Kirche am 15. Juli 1972). Kirchensaal, Gemeindehaus, KiGa, Pfarrhaus und Mitarbeiterwohnungen gruppieren sich um einen Innenhof. Das weitere Wachstum der Gemeinde machte 1968 und 1974 die Errichtung einer dritten und vierten Pfarrstelle notwendig.
Die KG unterhält zwei Kindergärten (Finkenstraße und Estetal). Mit dem Erlös aus dem Verkauf des früheren Gemeindehauses Altkloster wurde 2011 die Paulus-Stiftung gegründet.

Pfarrstellen

I: 1. Januar 1964. – II: 1. Januar 1964, 1999 auf eine halbe Stelle reduziert, ab 2008 vakant. – III: 1. Januar 1968.3 – IV: 1. Januar 19744, 1998 aufgehoben.

Umfang

Der südlich der Eisenbahnstrecke Cuxhaven–Hamburg gelegene Teil der Stadt Buxtehude.

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zum KK Buxtehude.

Kirchenbau

Asymmetrischer, zeltartiger Kirchensaal aus rotem Ziegelmauerwerk (1965–72).

Fenster

An der Nordseite eine Buntglas-Fensterwand nach Entwurf von Gerhard Hausmann (Hamburg). Die drei Felder innerhalb des Fensters symbolisieren Grundaussagen des christlichen Glaubens: Rechtfertigung durch den Glauben, Freiheit der Kinder Gottes und Friede Gottes als einigendes Band aller Christen.

Turm

Ein Glockenträger mit holzverschalter Glockenstube wurde erst zum 25jährigen Gemeindejubiläum 1989 errichtet.

Ausstattung

Taufschale des Metallbildhauers Reinhard Güthling (Mittelnkirchen) auf einem unbehauenen Findling von der Geest.

Orgel

1958/60 Neubau durch Detlef Kleuker (Brackwede), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1976/77 Neubau durch Hendrik van Vierdag (Enschede, Niederlande), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Die alte Orgel wurde in das Gemeindehaus in Altkloster versetzt.

Geläut

Drei LG, I: g’; II: a’; III: c’’ (alle Bronze, Gj. 1988, Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei).

Liste der Pastoren (bis 1940)

1. Pfarrstelle (Verteilung der Pastoren auf die 3 Pfarrstellen ist zum Teil unsicher. – 1829 1. Pfarrstelle aufgehoben, die zweiten und dritten Pfarrer rückten damals auf.): 1544 Johann von der Hoyer. – 1551–1558 Franz Daring. – 1558–1603 Johann Rolapp. – 1603–1617 Theodor Dassow. – 1617–1626 Hinrich Burchardi. – 1626–1642 Johannes Scholvin. – 1642–1645 Magister Hinrich Meier. – 1652–1667 Johann Wasmund. – 1668–1701 Otto Matthaei d. Ält. – 1702–1703 Nikolaus Hesse. – 1703–1750 Otto Matthaei d. Jüng. – 1751–1798 Christian Gottlieb Gazert. – 1798–1814 Johann Simeon Faas. – 1814–1829 Johann Friedrich Julius Sievers. – 1829–1843 Christoph Josias Decker. – 1843–1872 Ludwig Matthias Hinrich Pape. – 1874–1907 Georg Adolf Theophil Höpfner. – 1907–1922 Georg Ross. – 1922–1936 Johann Heinrich August Karl Thielbörger. – 1938– Friedrich Ludwig Gotthilf Ernst Koch.
2. Pfarrstelle (Archidiakonat): 1561–1563 Johann von Arrien (Rike). – 1569 (?)–1581 Joachim Harmes. – 1582–1603 Theodor Dassow. – 1604–1624 Hinrich Inselmann. – 1624–1626 Johannes Scholvin. – 1649–1652 Johann Wasmund. – 1652–1659 Magister Peter Schroeder. – 1660–1668 Otto Matthaei d. Ält. – 1668–1691 Magister Johannes Pilgrim. – 1691–1701 Nikolaus Hesse. – 1702–1730 Christian Ernst Corfinius. – 1730–1738 Peter Wichmann. – 1738–1746 Johann Hinrich Broihahn. – 1746–1751 Christian Gottlieb Gazert. – 1751–1760 Friedrich Leopold Rehburg. – 1760–1800 Lucas Hinrich Roeding. – 1800–1814 Johann Friedrich Julius Sievers. – 1814–1829 Christoph Josias Becker. – 1829–1843 Ludwig Matthias Hinrich Pape. – 1844–1864 Dr. Karl Hermann Kunhardt. – 1865–1881 Wilhelm Erich Rakenius. – 1883–1907 Georg Rost. – 1908–1922 Johann Heinrich August Karl Thielbörger. – 1938– Walther Heinrich Julius Tecklenburg.
3. Pfarrstelle (Diakonat): 1569–1579 Henning Meier. – 1579–1595 Werner Degener. – 1595–1617 Hinrich Burchardi. – 1617–1618 Hinrich Dassow. – 1619–1624 Johann Scholvin. – 1624–1627 Hermann Grave. – 1627–1639 Magister Hinrich Majohl. – 1640–1642 Magister Hinrich Meier. – 1645–1655 Magister Johann Richard. – 1656–1660 Otto Matthaei d. Alt. – 1661–1691 Nikolaus Hesse. – 1692–1702 Christian Ernst Corfinius. – 1702–1703 Otto Matthaei d. Jüng. – 1703–1715 Balthasar Albrecht. – 1715–1723 Hieronymus Kramer. – 1723–1730 Peter Wichmann. – 1731–1738 Johann Hinrich Broihahn. – 1738–1741 Karl Johann Heise. – 1742–1746 Christian Gottlieb Gazert. – 1747–1751 Friedrich Leopold Rehburg. – 1751–1760 (?) Lucas Hinrich Röding. – 1760–1762 Johann Hinrich Mutzenbecher. – 1762–1771 Lorenz Joachim Müller. – 1772–1773 Rudolf Gerhard Behrmann. – 1774–1798 Johann Simeon Faas. – 1801–1814 Christoph Josias Becker.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 157–159

Literatur

B: Christhart Schomerus: Die St.-Paulus-Kirchengemeinde in Buxtehude, in: Bernd Utermöhlen (Red.): 1196 – 1296 – 1996. 800 Jahre Altes Kloster und 700 Jahre St.-Petri-Kirche in Buxtehude, Buxtehude, 1996, S. 429–440.


Fußnoten

  1. KABl. 1964, S. 8 f.
  2. LKA,G 1/Buxtehude, Bl. 18c (Pfarramt II an LKA, 14.01.1963).
  3. KABl. 1968, S. 13.
  4. KABl. 1974, S. 39.