Sprengel Hannover, Stadtkirchenverband Hannover, Amtsbereich Süd-Ost | Patrozinium: Johannes der Täufer | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Bemerode wurde im Zuge der Rodungskolonisation der Hildesheimer Bf. im 10./11. Jh. besiedelt und 1204 erstmals erwähnt. Zu den wichtigsten mittelalterlichen Grundbesitzern gehörte das Kloster Marienrode bei Hildesheim, dem 1280 die Ritter Johann von Escherde und Jordan von Ilten je acht Hufen in Bemerode übertrugen.1 Die Landesherrschaft lag bei den Bf. von Hildesheim, seit 1523 den Welfen (Amt Koldingen). – 1974 nach Hannover eingemeindet.

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1965

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1965

Als 1321 das Kloster Marienrode den Brüdern Schele eine Hausstelle und eine Kote zu Bevingerode überließ, werden auch eine ecclesia und ein cimiterium erwähnt – der erste Nachweis für die Existenz einer Kapelle mit Friedhof am Ort.2 Errichtet wurde sie wohl um 1300. 1400 wurde das KapGb instandgesetzt. 1459 bestätigte der Dinggraf der Freien vor dem Walde, dass Barteld Bruns dem Gotteshaus zu Bemerode einen Hof im Dorf Wülfel übergab. Dafür wurde der Pfarrer zu Kirchrode verpflichtet, in der Kapelle wöchentlich eine Messe zu lesen. Nach der Einführung der Reformation in Kirchrode wurde die Zahl der GD auf zwei im Jahr reduziert. Die St.-Jakobi-Kirche in Kirchrode blieb Muttergemeinde.
1825 musste das alte KapGb wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Als Ersatz entstand erst 1866/67 an der Südseite der Wülfeler Straße ein neugotischer Backsteinbau nach Entwurf des Hannoveraner Architekten Wilhelm Lüer (Einweihung 27. Oktober 1867). Er bildet mit der ehemaligen Schule einen Platzbereich.
Seit den 1930er Jahren setzte mit dem Bau der Siedlung Neu-Bemerode in Hannover-Seelhorst ein starkes Bevölkerungswachstum ein. Für die Versorgung der neuen Gemeindeglieder wurde 1936 in der Muttergemeinde Kirchrode eine zweite Pfarrstelle errichtet. Neben der Kapelle in Bemerode entstand ein Pfarrhaus.
Eine weitere gravierende Veränderung trat ein, als nach den Fliegerangriffen auf die Südstadt von Hannover 1943 die Laubenkolonien zwischen Döhren und Kirchrode als Notquartiere hergerichtet wurden. Für die zeitweilig rund 2.000 Menschen, die dort lebten, wurden in den Gemeinschaftsräumen auch eigene GD abgehalten und 1951 ein eigener Pfarrvikar als Seelsorger eingesetzt. Auf einer kircheneigenen Gartenparzelle in Seelhorst wurde in einer aus Wolfsburg versetzten Baracke eine Kapelle eingerichtet (Einweihung 20. Juli 1952). Ihr Einzugsbereich erhielt in Anlehnung an das wüst gefallene Dorf gleichen Namens die Bezeichnung „Kapellengemeinde Süßerode“. Mit zunehmender Abwanderung der Laubenbewohner wurden die GD später eingestellt und die Kapelle Ostern 1976 geschlossen. Unabhängig davon war Ende der 1930er Jahre im sogenannten Kleinen Holz am Rand der Seelhorst für eine Luftnachrichteneinheit ein Barackenlager errichtet worden, das nach dem Krieg als Kriegsgefangenenlager, danach als Auffangmöglichkeit für entlassene Soldaten genutzt wurde. Hier wurde 1945 provisorisch gleichfalls eine (ökumenische) gottesdienstliche Stätte in einem Barackenraum geschaffen, der später zu einer Lagerkirche ausgebaut, ab 1958 aber nur noch von den Katholiken genutzt wurde.
Bereits mit dem 1. Oktober 1950 war die frühere KapG Bemerode verselbständigt worden.3 Ihr erster Seelsorger war der bisherige zweite Pfarrer von Kirchrode, Eberhard Wenckebach.
Seit 1957 unterhält die Gemeinde einen KiGa. Bis 1960 war die Zahl der Gemeindeglieder auf rund 4.500 angestiegen. Die Kapelle von 1867 genügte den Bedürfnissen nicht mehr. Eine Erweiterung wurde aus räumlichen und denkmalpflegerischen Gründen verworfen. Stattdessen entstand 1960/62 die St.-Johannis-Kirche unweit des Friedhofs am Sandberg im neuen Ortskern von Bemerode (Architekten: Dipl.-Ing. Ingeborg und Martin Düker. Einweihung 4. März 1962). Angeschlossen wurde ein Gemeindezentrum mit Saal, Amtsräumen, Pfarr- und Küsterhaus. Mit der Entstehung des Neubaugebiets um die Anecampstraße erfuhr die Gemeinde seit Ende des 1960er Jahre ein starkes Wachstum. Bereits 1965 war eine zweite Pfarrstelle errichtet worden.
Zur Sicherung der alten Kapelle wurde 2005 der Förderverein Bemeroder Kapelle e. V. gegründet. Das Gemeindeleben fördert die 2013 ins Leben gerufene St.-Johannis-Stiftung.
Zur KG Bemerode gehört auch das im Rahmen der EXPO 2000 im Neubaugebiet Kronsberg nach Plänen von Bernhard Hirche (Hamburg) errichtete Kirchenzentrum Kronsberg. Der klosterartige Komplex (Einweihung 8. Oktober 2000 durch Lbf. Margot Käßmann) enthält einen Sakralraum, Pfarr- und Küsterwohnung sowie 15 Sozial-, Behinderten- und Eigentumswohnungen.

Pfarrstellen

I: 1. Oktober 1950. – II: 1. Januar 1965.4

Umfang

Der Stadtteil Bemerode mit Wülferode (KapG) und dem Kronsberg. Mit dem 1. Januar 1979 wurden die östlich des Messeschnellwegs wohnenden Glieder der Immanuel-KG in Laatzen nach Bemerode umgegliedert.5 Zur EXPO 2000 war auch der Christus-Pavillon auf dem Ausstellungsgelände in den Gemeindebereich einbezogen.

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung der KG zum KK Hannover II. 1. September 1961 in den neu errichteten KK Hannover-Ost umgegliedert.6 1. Juli 1999 KK Stadtkirchenverband Hannover und dort ab 1. Januar 2001 zum Amtsbereich Ost7; seit 1. Januar 2013 Amtsbereich Süd-Ost.8

Kirchenbau – Kapelle

Dreijochiger, neugotischer Rechtecksaal mit Vorhalle und fünfseitigem Chorschluss (1867).

Turm

Dachreiter mit Pyramidenhelm über dem Westgiebel.

Orgel

Erbaut 1971 von Firma Schmidt & Thiemann (Hannover), 5 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen (2011 durch die KG erworben).

Geläut

Eine LG (Bronze, Gj. 1697, Thomas Rideweg, Hannover). – Früherer Bestand: Eine Glocke ist 1629 erstmals nachgewiesen. Die ältere Glocke war 1697 geborsten und wurde durch T. Rideweg umgegossen.

Kirchenbau – Johanniskirche

Der Neubau der Kirche von 1960/62 einschiffig auf kreuzförmigem Grundriss. Betonbinder mit Backsteinausfachung. Satteldach. Der südliche Kreuzarm dient als Sakristei, der nördliche war ursprünglich für die Aufnahme der Orgel und des Kirchenchors vorgesehen (nicht umgesetzt).

Turm

Dachreiter über dem Altarraum.

Ausstattung

Schlichter Tischaltar unter einem Baldachin; an der Rückwand ein Altarmosaik (Johannes der Täufer und Lamm mit Kreuzfahne; darüber die Taube als Symbol des Heiligen Geistes) von Kurt Sohns. – Bronzekruzifix und vier Leuchter von Bildhauer Ewald Brandt (Hannover). – Holzskulpturen „Strahlenbaum“ und „Hommage an Johann Sebastian Bach“ von Hans-Georg Filipschack. – Bild „Menschenwege“ von Erdmute Siegmund-Filipschack.

Orgel

1970 Neubau durch Firma Albrecht Frerichs (Göttingen), 19 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. Einweihung 14. Februar 1971. 2004 Renovierung durch Christoph Grefe (Ilsede).

Geläut

Vier LG, I: a’; II: c’’; III: d’’; IV: e’’ (alle Bronze, Gj. 1962, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg).

Kirchenbau – Kirchenzentrum Kronsberg

Rechteckiger, auf drei Seiten von Glaswänden eingefasster Kirchenraum mit abtrennbaren Gemeinderäumen, Architekt: Bernhard Hirche (Hamburg).

Fenster

Gestaltung der Fenster durch Jochem Poensgen (Soest).

Turm

Glockenturm aus Sichtbeton an der Südwestecke des Gesamtkomplexes.

Ausstattung

Die liturgische Ausstattung (Altartisch aus Beton mit integriertem Taufbecken; Osterkerzenständer; Wandkreuz über dem Altar) wurde nach Entwurf von Bernhard Hirche (Hamburg) angefertigt.

Orgel

2003 Anschaffung einer Orgel der Firma Lötzerisch Orgelbau (Wolfhagen) und Umbau durch die Firma Rudolf von Beckerath (Hamburg), 7 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Aufstellung auf der Südempore.

Geläut

Vier LG, I: a’; II: h’; III: d’’; IV: e’’ (alle Bronze, Gj. 1963, Gebrüder Rincker, Sinn; frühere Glocken der Ansgarkirche in Hannover-Hainholz).

Friedhof

Ursprünglich befand sich ein Friedhof bei der Kapelle. Wohl seit dem Dreißigjährigen Krieg fanden Beisetzungen aber nur noch im Kirchdorf Kirchrode statt. Neuanlage in Bemerode. 1864 auf dem Sandberg; später mehrfach erweitert. Trägerschaft der KG. FKap (Bj. 1935).

Literatur

A: Neß u. a., Denkmaltopographie Stadt Hannover 2, S. 174 f.
B: Merrit Vogt: 50 Jahre St. Johanniskirche (Sonderausgabe St. Johannisspektrum), Hannover 2012; Hans Joachim Schliep: Kirche, Gemeindehaus, Wohnprojekt und mehr: Das Evangelische Kirchenzentrum Kronsberg, [Hannover 2005, 3. Aufl.]; Hans Joachim Schliep: 10 Jahre Evangelisches Kirchenzentrum Kronsberg 2000-2010, Hannover 2010; Paul Theile: 1000 Jahre christliches Wirken am Kronsberg. Zum Kirchenjubiläum St. Johannis Bemerode 1962/1987, [Hannover 1987].


Fußnoten

  1. Cal. UB IV, Marienrode, Nr. 55.
  2. Cal. UB IV, Marienrode, Nr. 237.
  3. KABl. 1950, S. 114.
  4. KABl. 1965, S. 14.
  5. KABl. 1979, S. 6 f.
  6. KABl. 1961, S. 145.
  7. KABl. 2000, S. 261.
  8. KABl. 2013, S. 30.