Sprengel Hannover, KK Laatzen-Springe | Patrozinium: Vincenz | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Altenhagen I (seit 1974 Stadtteil der Stadt Springe) entstand im 13. Jh. als Haufensiedlung zwischen Katzberg und Nesselberg und wird 1304/24 im Mindener Lehnsregister erstmals urkundlich erwähnt.1 Es war Lehnsitz der Gf. von Hallermunt und fiel mit der Gft. nach dem kinderlosen Tod des Gf. Otto von Hallermunt 1411 an die Welfen. Mit der Erbteilung von 1432 kam es an den calenbergischen Landesteil (Amt Springe). Im 15. Jh. siedelte sich ein Teil der früheren Einwohner des zwischen 1401 und 1510 wüst gefallenen Kirchdorfs Sedemünder in Altenhagen I an. Sedemünder war um einen Stiftshof (curia) des Stifts St. Bonifatii in Hameln entstanden und fiel nach dessen Aufgabe im 15. Jh. wüst.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirchlich war Altenhagen I zunächst nach Sedemünder eingepfarrt, scheint aber schon im 13. Jh. durch eigene Geistliche versorgt worden zu sein, denn 1233 erscheint Hildebrandus quondam plebanus in oldenhagen, der vielleicht auf Altenhagen I zu beziehen ist.2 Für Sedemünder ist 1337 der Rector Ludolph bezeugt3, 1378 Johannes Grene, plebanus in Zedemunde.4 Noch 1495 wird ein Pfarrer von Sedemünder genannt. Wenig später wurde die dem heiligen Vincenz von Saragossa geweihte Kirche dort aufgegeben, vermutlich zeitgleich mit oder kurz nach dem Hamelner Stiftshof. Pfarrechte und Patrozinium wurden vor 1510 auf Altenhagen I übertragen. Im Hamelner Propsteiregister von 1510 wird die kercke thom Oldenhagen, de tho Sedemunde gewesen ist, erstmals erwähnt.5 Steine der Sedemünder Kirche wurden 1653 für den Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Kirche von Altenhagen I verwendet. Noch 1755 war sie als Ruine erhalten. Reste des Turms sind bis ins 19. Jh. nachgewiesen.
Unter Elisabeth von Calenberg wurde 1543 die Reformation eingeführt. Erster luth. Geistlicher war der frühere Mönch Reinhard Temps (später Inhaber der ersten Pfarre an der Andreaskirche in Springe). Die geringen Pfarreinkünfte wurden durch Übertragung der Zinseinkünfte von der zerstörten Kirche in Hallermund aufgebessert.6

Kirche, Blick zum Altar, 1935, Foto: Bildarchiv Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Kirche, Blick zum Altar, 1935, Foto: Bildarchiv Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Seit dem 18. Jh. erlangte in Altenhagen I neben der Landwirtschaft für das Erwerbsleben die Töpferei zunehmend an Bedeutung (bis zur Erschöpfung der Tonkuhlen um 1870). Fortgeführt wurde der wirtschaftliche Aufschwung durch die Erschließung der Sandsteinbrüche am Nesselberg. Aufgrund des Bevölkerungswachstums war das KGb auf Dauer zu klein. Bemühungen um eine Vergrößerung gab es schon 1675 und 1773. 1803 kamen erste Pläne für einen Neubau auf, der jedoch erst 1839 in der Amtszeit von P. Julius Bauer in Angriff genommen wurde. Der (früher fälschlich Friedrich August Ludwig Hellner zugeschriebene) Entwurf stammt von dem Baukondukteur Peters aus Hameln. Eingeweiht wurde der Bau am 30. Juli 1843.
Der von 1899 bis 1938 amtierende P. Grelle war Mitglied der BK. Der KV bestand 1933 bis 1938 zu zwei Dritteln aus Parteimitgliedern und war nicht arbeitsfähig. 1938 schieden diese aus. 1939 wurde die ev. Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt und der Religionsunterricht ein Jahr später eingestellt. Seit 1939 war die KG Altenhagen I mit dem zweiten Pfarrstelle in Springe verbunden. Das Pfarrhaus war bis 1949 fremdvermietet und wurde um 1950 auch als Ausweichstandort für das Landeskirchliche Archiv genutzt.7 1950 wurde die Pfarrstelle wieder besetzt, mit dem 1. Januar 1979 jedoch erneut mit der St.-Andreas-KG in Springe pfarramtlich verbunden und die Pfarrstelle mit der zweiten Pfarrstelle in Springe vereinigt.8 Zum 1. Oktober 1985 wurde die pfarramtliche Verbindung mit St. Andreas wieder gelöst und für Altenhagen I eine eigene Pfarrstelle errichtet.9

Umfang

Das Dorf Altenhagen I und die Sedemünder Papiermühle.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – Bei der Schaffung der Diözesanverfassung des Fsm. Calenberg 1589 kam Altenhagen I zur Insp. Münder, deren Sitz 1889 nach Springe verlegt wurde, ab 1924 KK Springe. Bei dessen Aufhebung mit dem 1. Januar 2001 in den KK Laatzen-Pattensen (neue Bezeichnung: Laatzen-Springe) eingegliedert.10

Patronat

Das Bonifatiusstift zu Hameln als Besitzer des Stiftshofs in Sedemünder. Das Patronat blieb bei der Verlegung der Pfarre nach Altenhagen I um 1510 erhalten, allerdings wurden die Pfarrbesetzungen während der Reformationszeit zeitweilig ohne die Mitwirkung des Stifts vorgenommen. Nach der Aufhebung des Bonifatiusstifts (Gesetz vom 24. Januar 1850) der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1941

Kirche, Grundriss, 1941

Fünfachsiger, steinsichtiger, klassizistischer Saalbau aus Bruchsteinen mit dreiseitigem Chorschluss (1843/44). Den Innenraum schließt eine flache, verputzte Segmenttonne. Hufeisenförmige Emporenanlage. Durch die Altarwand abgetrennte Sakristei. Renovierungen 1961 und 1994/95.

Turm

Quadratischer Westturm, im Sockelbereich mit Resten des Vorgängers von 1556. Flache vierseitige Pyramide mit Dachreiter.

Ausstattung

Klassizistische Kanzelaltarwand, Empore und Gestühl aus der Bauzeit. – Achteckige Sandsteintaufe in Kelchform (1649), gestiftet durch den Quartiermeister Hinrich Severs und seine Frau Elisabeth, geb. Friesensehf.11

Orgel

Orgel

Orgel

Erbaut 1843/44 von P. Furtwängler (Elze), 20 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1937 und 1954/55 Instandsetzung durch P. Furtwängler & Hammer bzw. Emil Hammer (Hannover). 1971 Restaurierung durch Albrecht Frerichs (Göttingen), u. a. Ersatz der fehlenden Prospektpfeifen. 1999/2001 Restaurierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). – Seit 1950 unter Denkmalschutz.12

Geläut

Zwei LG, I: b’ (Eisenhartguss, Gj. 1951, J. F. Weule, Bockenem); II: des’’ (Bronze, Gj. 1901, J. J. Radler, Hildesheim). – Eine SG in dis’’/f’’ (Eisenhartguss). – Frühere Glocken: Die älteste Glocke (um 1400) soll noch aus der Kirche von Sedemünder übernommen worden sein. Sie ist 1901 gesprungen und wurde durch die heutige LG I ersetzt (nach anderen Angaben war sie beim Umguss „völlig unversehrt“13). Eine 1933 bei Gebrüder Radler (Hildesheim) gegossene LG wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1825/26). – Küsterhaus/Alte Schule (Bj. 1816), nach dem Neubau der Schule (1872) für Gemeindezwecke genutzt.

Friedhof

Ursprünglich der Kirchhof. 1821 Anlage des heutigen Friedhofs an der Allerhaube. 1969/70 erweitert. FKap (Bj. 1963, Architekt: Willi Keese). In Trägerschaft der Stadt Springe.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 216-231 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 187-193 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 48-50 (Visitationen); B 18 Nr. 125, 132 u. 363 (Orgelsachverständiger); D 29 (EphA Springe).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster, Kapellen, S. 156 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 128; Hannig, Denkmaltopographie Lkr. Hannover, S. 263 f.; Jäger, Orgeln, S. 11-22; Jürgens u. a., KD Kr. Springe, S. 9-11; Warnecke, Inspektion Springe, S. 11-17.
B: Redaktionskreis der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Vincenz Altenhagen (Hg.): 150 Jahre St. Vincenzkirche, Altenhagen 1993; Achim Gercke: Sedemünder – das ältere Münder im Sünteltal. Festvortrag zum 40-jährigen Bestehen des Kreisvereins des Heimatbundes Niedersachsen, Adensen 1975; Helmut Nowak: Chronik von Altenhagen I. 650 Jahre Geschichte und Entwicklung eines Dorfes im Calenberger Land, [Springe 1980]; Hans Otte: Von Sedemünder nach Altenhagen. Zur Geschichte von Kirche und Pfarre in Altenhagen im Reformationsjahrhundert, in: Springer Jahrbuch 2012, S. 86-99; Uwe Pape: Die Furtwängler-Orgeln in Geversdorf und Altenhagen, Berlin 1978; Helmut Winter: Zur Restaurierung frühromantischer Orgeln unter besonderer Berücksichtigung der Furtwängler-Orgeln in Altenhagen und Geversdorf, in: Uwe Pape (Hg.): Frühromantischer Orgelbau in Niedersachsen, Bericht über die Fachtagung, Hildesheim, 16.-18. September 1976, Berlin 1977, S. 41-59.


Fußnoten

  1. Sudendorf, UB I, Nr. 184.
  2. Cal. UB VI, Marienwerder, Nr. 46 und 132.
  3. UB Hameln I, Nr. 324 Anm. 1; ebd., Nr. 335.
  4. UB Hameln I, Nr. 630.
  5. UB Hameln II, Nr. 680; vgl. auch Gercke, S. 3.
  6. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 333.
  7. LkAH, B 2 G 9/Altenhagen, Bl. 42.
  8. KABl. 1979, S. 4.
  9. KABl. 1985, S. 113.
  10. KABl. 2000, S. 141.
  11. Mathies, Taufbecken, S. 112.
  12. KABl. 1952, S. 159; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  13. LKA, G 9 B/Altenhagen I Bd. I (F. Hardege, Bericht über die amtliche Glockenrevision in der St.-Vincentius-Kirche zu Altenhagen I, 18.05.1960).