Seit 1942 Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig | Patrozinium: Eventuell Petrus1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Ks. Heinrich II. überließ 1016 die Curtis Walmonthem der Paderborner Kirche (urkundliche Ersterwähnung).2 Der Haupthof war zuvor Erbgut des Paderborner Bf. Meinwerk, der ihn seiner Mutter Adala und diese dem Ks. überlassen hatte.3 Die Bf. belehnten ihrerseits mit dem Edelhof die mit Tidelinus (Thedel) von Wallmoden, einen Ministerialen Heinrichs des Löwen, 1154 erstmals nachweisbaren Herren von Wallmoden (paderbornisches Lehen bis ins 19. Jh.). Auf dem früheren Paderbornerhof entstand die Burg Alt Wallmoden. Zahlreiche Pfründestiftungen, u. a. beim Hildesheimer Domkapitel und der Johanniskirche in Hildesheim, an St. Simon und Juda in Goslar und in den Klöstern Lamspringe und Wöltingerode, zeugen vom kirchlichen Sinn der Familie.4 Ihre Angehörigen traten vielfach in den Dienst der Kirche. Alexander von Wallmoden war 1267/75 Domherr in Goslar, Dietrich von Wallmoden 1296/1328 Domherr in Hildesheim, andere Familienangehöre Äbtissinen der Klöster Medingen und Steterburg. 1559 teilte sich die Familie in ein Ober- und Unterhaus. Nach Erlöschen des Oberhauses (1825) wurden die Güter unter dem braunschweigischen Kammerherrn Thedel Friedrich Christoph von Wallmoden wiedervereinigt. Grundbesitz und Zehntberechtigungen in Alt-Wallmoden. hatten im 12./13. Jh. auch die Klöster Ringelheim, Riechenberg und Neuwerk bei Goslar. Die Landesherrschaft fiel in der Hildesheimer Stiftsfehde 1523 an Braunschweig. 1643 wieder an das Hochstift Hildesheim (Amt Liebenburg).

Kirche, Blick zum Altar, 1927, Foto: Bildarchiv Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Kirche, Blick zum Altar, 1927, Foto: Bildarchiv Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Die Kirche in Alt-Wallmoden entstand als adelige Eigenkirche der von Wallmoden. Ihre Wurzeln reichen möglicherweise bis ins 12. Jh. zurück. Erster bekannter Geistlicher war Gottfried von Bevern, Pleban in Walmode (1403).5 1517 gestattete Bf. Johann I. von Hildesheim dem Thedel von Wallmoden und seiner Gattin Riekel, auf ihrem Castrum und in ihrer Wohnung zu Wallmoden an einem sauberen und geeigneten Orte Messen für sich lesen zu lassen, wenn kein kanonisches Hindernis das verbiete (Anlage einer heute nicht mehr bestehenden Burgkapelle). Eine ältere Kapelle befand sich außerdem auf dem späteren Ehrenfriedhof neben der Schule. Auf sie bezieht sich wohl auch die Belehnung 1531 des Heinrich von Wallmoden durch die Hzg. Erich und Heinrich den Jüngeren „mit dem Kirchlein zu Olden-Wallmoden“ und 3½ Hufen als Zubehör der Pfarre (1531).
Die von Wallmoden führten um 1540 als Patronatsherren das luth. Bekenntnis ein. Wenngleich sich die Familie 1544 der Kirchenvisitation des Schmalkaldischen Bundes entzog, wurde Ludolf von Wallmoden 1545 durch die Schmalkaldischen Bundesfürsten mit der Einsetzung der Reichs- und Kreissteuern im Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel betraut6, ein Hinweis, dass er fest auf der Seite der Lutheraner stand. Die förmliche Einführung der Reformation durch den Landesherren erfolgte erst 1568 mit der Regierungsübernahme durch Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Bei der Visitation von 1568 war Heinrich Dengel P.
Die Pfarrstelle war ab 1924 vakant und wurde von Ringelheim aus versehen.7 Als Folge der Gebietsveränderungen des Salzgitter-Gesetzes wurde die KG 1942 von der hannoverschen in die braunschweigische Landeskirche umgegliedert.

Umfang

Das Dorf Alt-Wallmoden mit der Darmpfuhlmühle und der Ziegelei Könneckenrode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ringelheim der Diözese Hildesheim. – Alt-Wallmoden kam nach der Reformation zur Insp. Salzgitter, das ab 1569 Sitz einer Suptur. war8, unterstand jedoch um 1594/99 der Spezial-Suptur. Baddeckenstedt der GSuptur. Bockenem (Suptur.-Sitz bis 1642) und nach Rückgliederung des Amts Liebenburg in das Hochstift Hildesheim (1643) der Spezial-Insp. des GSup. in Bockenem9 bzw. der Insp. Bockenem (mit Sitz 1794-1817 in Nette, 1817-1832 in Sehlde). 1834 wurde es der neu errichteten Insp. (1924: KK) Sehlde zugelegt.10 1. Oktober 1942 in die braunschweigische Landeskirche umgegliedert (Propstei Bleckenstedt, 1. November 1949 Propstei Salzgitter, ab 1. Januar 1958 Propstei Goslar).11

Patronat

Seit 1286 die von Wallmoden als Besitzer des Gutes Wallmoden (Belehnung durch die Bf. von Hildesheim). Während der Trennung in Ober- und Unterhaus (1559-1825) die beiden Linien gemeinsam. Das Patronat wird noch heute ausgeübt, die Baulast wurde 1983 abgelöst.12

Kirchenbau

Die alte Burgkapelle wurde vermutlich beim Neubau des Herrenhauses abgebrochen. In der ersten Hälfte des 17. Jh. ließ Heinrich von Wallmoden († 1677) als Gutskirche innerhalb des umfriedeten Gutsbezirks die heutige kleine rechteckige Saalkirche aus quaderartigem Bruchsteinmauerwerk mit dreiseitigem Ostabschluss errichten. Beidseitig im Chor doppelgeschossige Herrschaftspriechen aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. Orgelprieche im Westen (1850). 1851 Anbau einer Vorhalle durch Conrad Wilhelm Hase und Erneuerung der Fenster. Weitere Restaurierung und Veränderungen durch 1883 (1936 teilweise wieder revidiert).

Turm

Verschieferter, achtseitiger, dachreiterartiger Turm mit geschweifter Haube (1850).

Grablege

Die Kirche war Grablege der von Wallmoden.

Ausstattung

Barocke Ausstattung mit doppelstöckigem Kanzelaltar vom Ende 17. Jh. (restauriert 1987/88), an der Kanzelbrüstung Christus und die vier Evangelisten als Vollfiguren. Über der Kanzel das Wappen der von Wallmoden und von Alten. – Farbig gefasste, sechseckige Holztaufe (Mitte 17. Jh.), Zinnschale von 1724.13 – Verkündigungsgruppe (16. Jh.). – Mittelalterliche Madonna mit dem Kinde. – Auf den Brüstungsfüllungen der Priechen Halbfiguren des AT (Nordseite) und der zwölf Apostel (Südseite). – Zwei Grabsteine des Land- und Schatzrates Heinrich von Wallmoden († 1677) und seiner Frau Gertrud, geb. von Alten († 1691). – Epitaph für Casper von Wallmoden († 1598), ursprünglich in der Familienkapelle in der Stiftskirche St. Simon und Judas in Goslar, jetzt an der Nordseite der Kirche angebracht.

Orgel

1910 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), zwölf klingende Stimmen.

Geläut

Zwei LG, I: (Eisenhartguss, Gj. um 1950, J. F. Weule, Bockenem); II: (Bronze, Gj. 1815, J. H. Wicke, Braunschweig).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, Fachwerkbau von 1774.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 11338-11343 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 226-238 (Pfarrbestallungsakten).

Literatur

A: Kiecker/Borchers, KD Lkr. Goslar, S. 31-35; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 123; Zobel, Heimatbuch Lkr. Goslar, S. 40-46.
B: Rudolf Hupfeld und Thomas Sauer: Chronik Wallmoden. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Wallmoden, Wallmoden 1989.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 136; Hupfeld/Sauer, S. 102.
  2. MGH DD H II 341.
  3. Dürre, Regesten Wallmoden, Nr. 3.
  4. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 231.
  5. UB Verden III, Nr. 472.
  6. Dürre, Regesten Wallmoden, Nr. 459.
  7. Meyer, Pastoren I, S. 23.
  8. Gemeindebuch Propstei Salzgitter, S. 8.
  9. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  10. LkAH, A 6, Nr. 7514.
  11. KABl. 1943, S. 1-4.
  12. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 234.
  13. Mathies, Taufbecken, S. 112.