Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Antonius Corvinus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Zum 1. Januar 1956 erhielt die St.-Jacobi-KG eine dritte Pfarrstelle. Ihr erster Inhaber, P. Bernhard Moderegger (amt. 1957–1982) war neben dem dritten Pfarrbezirk im Norden von St. Jacobi auch gleichzeitig für den vierten Pfarrbezirk im Nordosten von St. Albani zuständig. Ursprünglich sollten beide Bezirke zu einer neuen Kirchengemeinde zusammengefasst werden.1 Gottesdienst fanden zunächst in der Brüder-Grimm-Schule statt, seit 1964 dann im Collegium Albertinum. Die städtebauliche Entwicklung führte in der ersten Hälfte der 1960er Jahre zu einer Neuplanung: Der größte Teil des dritten Pfarrbezirks von St. Jacobi kam 1964 zur neuen Christophorusgemeinde. Zum 1. Oktober 1966 folgte die Gründung der „Ev.-luth. Corvinus-KG Göttingen“; ihr Gemeindegebiet hatte zuvor überwiegend zu St. Albani gehört. Von St. Jacobi, ihrer zweiten Muttergemeinde, übernahm die neue Corvinus-KG kleinere Gebietsteile sowie die mit P. Moderegger besetzte Pfarrstelle.2

Göttingen, Kirche, Corvinus, Taufe

Taufschale, Gussmodell, 1968

Bereits im Mai 1965 hatten die Bauarbeiten an der Corvinuskirche begonnen, entworfen vom Stuttgarter Architekten Erwin Rohrberg (Grundsteinlegung: 27. September 1965). Am 12. November 1967 weihte die Gemeinde ihre neue Kirche ein. Bis 1970 folgten weitere Gebäude neben der Kirche: Küsterhaus, Pfarrhaus und Kindergarten (eröffnet 1970, 2003 Förderverein Corvinus-Kindergarten e. V. gegründet). Im Jahr 1970 zählte die Corvinusgemeinde gut 3.360 Gemeindeglieder; sie gehörten „zumeist dem gehobenen Mittelstand“ an („Akademiker und Mitglieder des Lehrkörpers der Universität“).3 Neben den traditionellen Gruppen (Altenkreis, Frauenkreis, Helferkreis) bestand 1970 ein Sozialkreis. Zudem lud die Corvinusgemeinde regelmäßig zu Gemeindeseminaren ein, um dem „besonders kritisch wachen Sinn der Gemeindeglieder“ gerecht zu werden.4 Das Gemeindebewusstsein, heißt es im Bericht zur Visitation 1976, zeige sich nicht so sehr im sonntäglichen Gottesdienstbesuch als vielmehr „bei besonderen Gottesdiensten und Veranstaltungen, wie bei Gemeindeabenden und Gemeindeseminaren“.5 Neben Pfarramt und KV gestaltete ein aktiver Gemeindebeirat das gemeindliche Leben mit.
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die Corvinusgemeinde Kontakte zur St.-Markus-Kirchgemeinde Karl-Marx-Stadt (Chemnitz); die Partnerschaft besteht bis heute (2025).6 Im Jahr 1989 eröffnete die Corvinus-KG eine Kinder- und Jugendbibliothek. Etwa gleichzeitige gründeten Jugendliche die Theatergruppe der Corvinusgemeinde (1995 Kulturpreis des Lkr. Göttingen).
2014 trat die Corvinus-KG dem „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Nord-Süd“ bei, der die Trägerschaft des Corvinus-Kindergartens übernahm (2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).7 Im Jahr 2024 zählte Corvinus knapp 1.250 Gemeindeglieder. Sie gehört keinem Kirchengemeindeverband an. Pfarramt und KV sind skeptisch „gegenüber größer werdenden Verwaltungseinheiten, ihrer Eigendynamik, ihrer nicht mehr so persönlichen, sondern verstärkt politischen Identität“.8 Beobachtend begleitet die Corvinusgemeinde den Fusionsprozess zur Gründung der Göttinger Innenstadt-Gemeinde.

Umfang

Nordöstliche Teile der Stadt Göttingen.

Aufsichtsbezirk

Mit Errichtung der KG 1966 zum KK Göttingen-Stadt. Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.9 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.10

Kirchenbau
Göttingen, Kirche, Corvinus, Taufe

Taufständer, 1968

Sechsseitiger, zweigeschossiger Stahlbetonbau in Hanglage mit Grundriss aus zwei Drachenvierecken, Kirchsaal im auskragenden Obergeschoss und Gemeindesaal im Untergeschoss, ausgerichtet nach Westen, erbaut 1965–67 (Architekt: Erwin Rohrberg, Stuttgart), denkmalgeschützt.11 Dachkonstruktion aus zwei hyperbolisch-paraboloiden Holzschalendächern (HP-Schalendach) mit Kupferdeckung, Dachflächen nach Westen, Osten und Süden hin ansteigend, Dachkonstruktion gestützt von zwei Stahlbetonpfeilern. Wände des Kirchsaals nach Südwesten, Nordwesten und Nordosten aus schräggestellten und versetzten Betonlamellen mit vertikalen Fensterbändern sowie horizontalem Fensterband entlang der Trauflinien. Portale nach Südwesten und Südosten. Im Innern gewölbte, holzverschalte Deckenflächen; Gestühl aufgestellt in auf den Altar ausgerichteten Kreissegmenten. Um 1980 Dachfläche saniert. 1997 Betonflächen saniert.

Turm

Südöstlich der Kirche freistehender Turm, dreiseitige, kupferverkleidete Pyramide auf drei Stahlbetonstelzen, bekrönt mit einer triangularen Bipyramide. Im Glockengeschoss an jeder Seite zehn kleine Schallgauben.

Ausstattung

Tischaltar aus Holz. – Leicht erhöhte Holzkanzel. – Taufschale auf einem dreibeinigen, hölzernen Ständer. – Paramente und passende, hochrechteckige Wandteppiche hinter dem Altar (1978, Helmut Seehausen, Hannover; Paramentenwerkstatt des Henriettenstifts Hannover). – Weltkugelleuchter (1999, Markus Neumann, Feldhorst bei Lübeck).

Orgel

1967 Leihpositivs aufgestellt, 4 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade. 1972–74 Orgelneubau, Albrecht Frerichs (Göttingen), 21 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen, eingeweiht am 15. September 1974. 1998 Orgel restauriert und klanglich verändert, Rudolf Janke (Göttingen), 21 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: g’, Inschrift: „Verbum dei manet in aeternum“ und „Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit“, Bild: aufgeschlagene Bibel mit A und Ω; II: as’, Inschrift: „Spes nostra Christus“ und „Unsere Hoffnung ist Christus“, Bild: Kreuz und Anker; III: b’, Inschrift: „Exspecto vitam venturi saeculi“ und „Ich warte auf ein Leben der zukünftigen Welt“, Bild: Wellenkreuz (Paradiesströme und Christusmonogramm); IV: c’’, Inschrift: „Gloria in excelsis deo“ und „Ehre sei Gott in der Höhe“, Bild: singender Engel (alle Bronze, Gj. 1967, Firma Gebrüder Bachert, Karlsruhe), alle Glocken tragen zudem die Inschrift „Karlsruher Glockengiesserei Gebrüder Bachert. Corvinus-Kirche Göttingen 1967“.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1970). – Küsterhaus (Bj. 1968). – Kindergarten (Bj. 1970, 2004 umgebaut). – Erweiterungsbau mit Jugendräumen und Gemeindebücherei (Bj. 1997/98).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

B 2 G 9 Nr. 991–996 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 230 (Orgel- und Glockenwesen); S 09 rep Nr. 1137 (Presseausschnittsammlung).

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 80-85; Engelhardt, Kirchen, S. 92–93.

B: Ev.-luth. Corvinus-Kirche Göttingen 1967–1987, in: Unsere Corvinusgemeinde 127 (November 1987); Festschrift zur Einweihung der Evangelisch-Lutherischen Corvinuskirche in Göttingen, 12. November 1967.

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Corvinuskirche, Pfarrhaus, Küsterhaus, Kindergarten, Kirchenanlage.

GND

2111417-1, Evangelisch-Lutherische Corvinus-Kirchengemeinde (Göttingen).


Fußnoten

  1. Festschrift, S. 17 f.
  2. KABl. 1966, S. 174.
  3. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Corvinus, Visitation 1970.
  4. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Corvinus, Visitation 1970.
  5. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Corvinus, Visitation 1976.
  6. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Corvinus, Visitation 1989. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  7. KABl. 2014, S. 129; KABl. 2025, S. 275.
  8. Unsere Corvinusgemeinde 509 (Juni 2025), S. 5.
  9. KABl. 2000, S. 150 f.
  10. KABl. 2022, S. 189 ff.
  11. Denkmalatlas Niedersachsen.