KapG der KG Stadt Elbingerode (Harz) | Seit 1982 Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (2009: Ev. Kirche in Mitteldeutschland) | Patrozinium: – | KO: Lüneburger KO von 1643

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Elend erscheint erstmals 1506 in einer Vogteirechnung des Amts Elbingerode. Es war Standort einer Sägemühle, später auch als Forstort und seit dem ausgehenden 18. Jh. für die Erzaufbereitung in zwei Eisenhütten von Bedeutung. Ende des 19. Jh. setzte, zunächst in den Sommermonaten, die touristische Erschließung ein. 1796 wurde für die geistliche Betreuung der Hüttenarbeiter im Arbeitergebäude der Hütte (sogenannte Alte Schule) ein Schul- und Betzimmer eingerichtet, in dem auch Religionsunterricht stattfand. Regelmäßigen Betstunden gab es wohl dennoch zunächst nicht. Erst ab 1868 übernahm der Elbingeröder P. jährlich zwei GD mit Abendmahl in Elend. Die Betstube verfügte damals über eine Kanzel und 1880 bereits über ein Harmonium.
1892 wurde die Zahl der GD um in der Regel fünf Kur-GD in den Sommermonaten vermehrt. Ab 1920 fanden die GD teilweise wöchentlich statt. Mit dem zunehmenden Fremdenverkehr erwies sich die Betstube allerdings als zu klein, so dass eine Gemeindeversammlung im April 1894 den Bau einer Kapelle für die Gemeinden Elend, Bast und Mandelholz beschloss. Das 1896/97 nach Plänen des Architekten E. Niewerth (Wernigerode) auf einem vom Forstfiskus überlassenen Bauplatz errichtete KapGb wurde am 27. Juni 1897 durch den Clausthaler Sup. Rothart eingeweiht. Der aus Elend gebürtige Kommerzienrat George Schlaegel finanzierte 1904 den Bau eines Kirchturms.
Mit der Muttergemeinde Elbingerode wurde die KapG Elend durch die neue Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg vom KK Clausthal getrennt und dem Konsistorialbezirk Ilfeld überwiesen, der seit 1. April 1969 durch Ev.-luth. Landeskirche Sachsens verwaltet und zum 1. Januar 1974 ganz in die sächsische Landeskirche eingegliedert wurde. Mit Wirkung vom 1. Januar 1982 erfolgte die Umgliederung in die Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen.

Umfang

Die Ortschaften Elend, Bast und Mandelholz. Mit dem 1. Oktober 1933 wurden die in die Landgemeinde Schierke eingemeindete Kolonie Barenberg und die Försterei Winterberg aus der KG Elbingerode und der KapG Elend entlassen und in die KG Schierke (KK Wernigerode) umgepfarrt.1

Kirchenbau

Zweiachsiger, holzverschalter Fachwerkbau, nachträglich (vor 1904) um einen Sakristeianbau erweitert. 1990-94 Totalsanierung der Kirche.

Fenster

Fünf bleiverglaste Fenster: das Altarfenster mit dem leidenden Christus nach Peter Paul Rubens (von Glasmaler Henning & Andres, Hannover; gestiftet von den Geschwistern Spormann in Elend). Die anderen Fenster mit der Darstellung der vier Evangelisten (1908 gestiftet von den Brüdern Claus und Otto Witte, Elend). 1990 restauriert.

Turm

Turm mit ins Achteck überführtem Spitzhelm (1904).

Ausstattung

Altar und erste Kanzel von 1897, angeblich aus einer erzgebirgischen Schnitzwerkstatt. – Kanzel aus der Werkstatt von Wolfgang Petersen (Hannover) mit der Darstellung des Paulus, Moses, Christus und Petrus (gestiftet 1908 von Claus Witte). – Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (1921).

Orgel

Neubau 1897 durch Friedrich Ladegast & Sohn (Weißenfels), gestiftet durch George Schlaegel. In den 1950er Jahren in der Disposition verändert; 6 II/P, pneumatische Ton- und Registersteuerung.2

Geläut

Beim Neubau der Kapelle wurde wohl die 1796 gegossene Turmglocke der alten Hüttengebäudes als LG übernommen; in den 1930er Jahren abgehängt und später verschrottet. 1901 kaufte die Gemeinde eine 1857 bei Gebrüder Ulrich in Apolda/Laucha gegossene Bronzeglocke aus dem Besitz der Stadt Elbingerode, die ursprünglich in der dortigen Kirche aufgehängt war.

Friedhof

Am nördlichen Ortsrand (Heinrich-Heine-Weg). In Trägerschaft der Stadt Oberharz am Brocken.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 166 (Spec. Landeskons.).

Literatur

B: Karlheinz Brumme: Elend. Chronik eines Harzdörfchens unterm Brocken, Elend 2010; Brigitte Draeseke: Die Kirche zu Elend im Harz, in: Die Kirche/Ausgabe für die Kirchenprovinz Sachsen 45 (1990), S. 8.


Fußnoten

  1. KABl. 1933, S. 175 f.
  2. Mitteilung von KMD Dietmar Damm (Wernigerode) vom 25.08.2014.